 Lakonisch in Reykjavik.
| Autor |
Kristof Magnusson |
| Titel |
Zuhause |
| Verlag |
Kunstmann |
| Seiten |
315 |
| Bewertung |
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Eigentlich sollte hier ja ein Zitat stehen. Und hier. Und hier auch. Dann wenigstens hier: „Erwachsen werden war wie nach Australien fahren. Man wusste wie die Kängurus aussahen, aber man konnte sich trotzdem nicht vorstellen, wie es sein würde, einem gegenüber zu stehen“, schreibt Lárus auf einen Busfahrplan, als er auf dem Bett seiner besten Freundin Matilda sitzt. Im Laufe des Romans Zuhause von Kristof Magnusson wird er alles aufschreiben, was er mit Mílan verbindet, seinem Ex-Freund, um es dann an eine Gesellschaft in Zürich zu schicken, die seine Erinnerungen aufbewahrt.
Zuhause, das ist zunächst ein melancholischer Coming-of-age-Roman, eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und Kindheit. Larús ist Isländer. Nach dem Tod seiner Mutter zieht die Familie nach Hamburg. Nun kehrt er zurück, um mit seinen Freunden Weihnachten in Reykjavik zu feiern. Doch Matilda hat sich von ihrem Freund getrennt und streitet sich bald mit Lárus. Ihr neuer Freund, ein merkwürdiger DJ aus Frankreich, verpasst Lárus ein blaues Auge. Es soll nicht seine einzige Blessur bleiben. Er lernt Dagúr kennen, einen Politaktivisten und zugleich das schwarze Schaf der mächtigsten Familie Islands, die ihre Herkunft demonstrativ auf Egil zurückführt, den berühmtesten Protagonisten der Saga-Literatur. Sie kommen sich näher, kurze Zeit später fährt Dagúr mit seinem Auto gegen eine Pizzeria und stirbt. Lárus weiß, dass er Selbstmord begangen hat, doch Dagúrs Familie verheimlicht die Wahrheit. Lárus hakt nach und kommt dem Familiengeheimnis immer näher. Zuhause wird zum Thriller.
Der Wechsel mag konstruiert erscheinen, aber das könnte auch daran liegen, dass der gemeine Leser klare Genregrenzen liebt. Der Übergang funktioniert, weil er allmählich erfolgt. Es passt zu einem Roman, der so anders klingt wie das, was junge Menschen sonst so schreiben. Zugegeben, da gibt es diese bemühte Einbindung von Songs, die immer genau dann laufen, wenn es zur Situationen passt, aber wer verzeiht Magnusson das nicht angesichts seines Talents, mit lakonischen Sätzen eine Geschichte zu erzählen, die einen endlich wieder daran erinnert, warum wir als Kind noch unter der Bettdecke mit Taschenlampe weitergelesen haben? Nur brauchen wir jetzt keine Angst mehr vor Überraschungskontrollen der Eltern zu haben.
Fazit: Erst schlägt das Herz, dann rast es. Kristof Magnusson gelingt das große Kunststück mit Zuhause einen glaubwürdigen Erwachsenwerden-Roman zu schreiben, der als Thriller endet.
Sebastian Dalkowski
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