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Holm Friebe, Sascha Lobo - Wir nennen es Arbeit

Wovon sollen wir leben?

Autor Holm Friebe, Sascha Lobo
Titel Wir nennen es Arbeit
Verlag Heyne Verlag
Seiten 303
Bewertung 8 von 9 Punkten

Sie nennen es Arbeit und sie können davon leben. Holm Friebe und Sascha Lobo erklären in ihrem ersten gemeinsamen Buch Wir nennen es Arbeit, wie man sich als digitale Bohème durch das World Wide Web schlägt.

Für die beiden grimmepreisprämierten Mitarbeiter der Zentralen Intelligenz Agentur ist die Festanstellung in Zeiten von Massenentlassungen und Massenunzufriedenheit zum Anachronismus geworden. Zumindest für einen kleinen Teil der Bevölkerung skizzieren die beiden Freiberufler ein Zukunftsszenario, in dem sich die sogenannte digitale Bohème mithilfe moderner Kommunikationstechnologien von der Festanstellung befreit und den Traum vom selbstbestimmten Arbeitsleben erfüllt. Das Internetzeitalter macht es möglich und schafft die Bedingungen für ein intelligentes Leben jenseits des tristen Angestelltendaseins. Klingt provokant. Die von beiden Autoren formulierte These wird aber mehr als hinreichend auf rund 300 Seiten unterfüttert.

Der erste Teil des Buches widmet sich der historisch-sozialen Kontextualisierung des Bohème-Begriffs und der Zustandsbeschreibung der heutigen Arbeitswelt. Im zweiten Teil wartet das zitierwütige Autoren-Duo mit vielen Beispielen aus der „wirklichen“ Welt auf und wagt einen Blick in die Zukunft der Freelancer, Webdesigner, Blogger und sonstigen Tagelöhnern. Pointiert und gewitzt umreißen Friebe und Lobo die neue Klasse von Selbstständigen und Freiberuflern, die im Web 2.0 nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch das Glück gefunden haben. Dass der Weg von der Bohème zur Unterschicht hierbei nur ein kurzer ist, liegt auf der Hand und wird von den Machern auch nicht verschwiegen. Ebensowenig wie die Tatsache, dass ein Leben in Autonomie und Freiheit auch häufig von langen finanziellen Durststrecken geprägt ist. Andererseits: Wer hätte vor ein paar Jahren schon gedacht, dass sich aus dem Verkauf von rein virtuellen Immobilien „echte“ Gewinne ziehen lassen können?!

In Wir nennen es Arbeit entwerfen die beiden Autoren kein Patentrezept für die „Generation Praktikum“. Dafür stößt das Buch aber die längst fällige Diskussion um das Thema „Festung Festanstellung“ an.

Fazit: Das provokanteste Buch des Jahres.

Katja Peglow



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