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When The Music's Over - When The Music's Over

Nur Mut.

Band When The Music's Over
Album When The Music's Over
Plattenfirma monkey./Universal
Bewertung 6 von 9 Punkten

Beim Vorstellungsgespräch. Ausgeschrieben ist die Stelle des besten Indiepop-Debütalbums 2006. Einige interessante Kandidaten waren schon da. Heute stellt sich eine Band aus Österreich vor: When The Music's Over heißt ihre selbstbetitelte CD. Der Personalchef blättert in den Unterlagen: „gegründet 2002 in Wien … Bandname von einem Doors-Song inspiriert … Berufspraxis 2005: zwei Singles (Going Down und Left Alone) … Auftritt beim Frequency-Festival … Referenzen: Produzent Fuzzman von Naked Lunch…“
Man hatte der Band geraten, beim Bewerbungsgespräch vor allem mit ihrem Know-how zu überzeugen. Also zeigen sie zunächst mal, dass sie ihr Handwerk beherrschen. Mühelos basteln sie aus einer schlichten kleinen Septim ein packendes einminütiges Intro, das sich dann in einem griffigen Gitarrenriff bündelt, welches Vergleiche mit erfolgreichen Branchenkollegen nicht zu scheuen braucht (Velvet). Das Stück endet in einem spannenden weil dissonanten Zusammenklang von Dur und Moll. Doch es scheint, dass die Musiker von ihrer eigenen Kühnheit ein bisschen erschocken sind, denn sie gehen schnell auf Nummer sicher und liefern ein paar Gitarrenstücke ab, wie man sie zwar gerne hört, aber auch schon zahllose Male eben genau so gehört hat. Nicht schlecht, aber nichts Neues.

Der Personalchef lehnt sich zurück und driftet mit seinen Gedanken ab. Er erinnert sich an Gespräche mit Supergrass, die er in diesem Büro vor ein paar Jahren getroffen hat. Da fällt sein Blick wieder auf die Bewerbungsmappe von When The Music's Over. Die vorab geschickte Arbeitsprobe (Easy) hatte ihn schon sehr überzeugt. Nicht nur, dass das Stück frisch und einprägsam war, es hatte auch eine sehnsüchtige Traurigkeit, von der man sich nicht so leicht löst. Unter „besondere Fähigkeiten“ hatte der Personalchef die ungewohnte subtile dynamische Gestaltung im Refrain notiert, so etwas bekam er nur selten auf seinen Schreibtisch. Da muss doch noch mehr dahinter sein als das, was er in den letzten Minuten geboten bekommen hat.
„Erzählen sie etwas persönliches von sich“, sagt er, um das stockende Bewerbungsgespräch wieder ins Rollen zu bringen. When The Music's Over nutzen die Chance und gehen aufs Ganze (Smiling). Sie öffnen sich und ziehen ihren Gesprächspartner emotional so tief in ihre Geschichte hinein, dass dieser sich nachher verwundert fragt, wie aus dem leisen zerbrechlichen „Smiling with dead eyes and I'm weeping“ solch eine Gitarren-Extase werden konnte, ohne dass er sich wehren konnte oder wollte. „Was haben sie für Auslandserfahrungen gemacht?“ hakt er schnell nach, um sich wieder unter Kontrolle zu bringen. Die Band erzählt begeistert von ihrem Aufenthalt in den USA und dem Musiker-Kollegen Grant Hart (Hüsker Dü-Cover Don't want to know if you are lonely).

„Interessant, interessant“, denkt der Personalchef, „doch irgend etwas fehlt mir.“ Als er sich nach einer dreiviertel Stunde von When the Music's Over verabschiedet, dreht sich der letzte vor dem Rausgehen noch mal um und lächelt ein bisschen wehmütig (Hidden Track nach It Ain't Gonna Last). Und plötzlich sind da wieder die Harmonien von Smiling, diesmal auf einem leicht verstimmten Klavier, verträumt leise auf der Gitarre begleitet, so schön-! „Warum gibt es davon nicht viel, viel mehr auf dieser Platte?“, fragt sich der Personalchef. „Die Musiker beweisen ja, dass sie es schaffen könnten, die gewohnten Pfade zu verlassen und ihr eigenes Ding zu machen. Kann es sein, dass ihnen dazu einfach noch der Mut fehlt?“ Nachdenklich bleibt er in seinem Büro sitzen. Die melancholischen Klavierklänge lassen ihn nicht mehr los. „Wenn die es schaffen, mich so zu berühren, werden sie es auch schaffen, ihren Weg zu gehen“, sagt sich der Personalchef, und beschließt, ihnen eine Chance zu geben.

Fazit: Das Debütalbum zeigt: When The Music's Over haben das Zeug dazu, etwas ganz besonderes zu werden. Man darf sich gespannt auf diese Entwicklung freuen.

Katharina Litschauer

Tourdates

24.03.2006 Q-Bar / A-Berg/Drau
08.04.2006 Damned It's Jammed Festival / A-Völkermarkt
13.04.2006 Begehbar / A-Breitenbach


Kommentare



Thomas schrieb am 21.03.2006 um 15:12 Uhr:

Wunderschön geschrieben!


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