JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
„Das Publikum dachte sicher, wir würden uns hassen.“

„Das Publikum dachte sicher, wir würden uns hassen.“

Vorbands erzählen von ihren Erlebnissen auf Tour.

Vorbands sind beim Konzertbesucher genauso beliebt wie der Eisverkäufer vorm Kinofilm. Das wissen auch die Vorbands. Dennoch nehmen sie das spärlich erschienene und desinteressierte Publikum genauso hin wie schlechte Bezahlung und arrogante Hauptbands. JUSTmag hat sieben Musiker nach ihren Erfahrungen gefragt.


Paul Austin (Transmissionary Six)
„Bei meiner ersten Band war es uns nicht erlaubt, irgendwas vom Equipment des Headliners zu verrücken. Ich glaube nicht, dass wir uns überhaupt gegenseitig sehen konnten, als wir spielten. Unser Bassspieler hätte aus der Umkleidekabine spielen können, wenn das Gitarrenkabel lang genug gewesen wäre. Das Publikum dachte sicher, dass wir uns gegenseitig hassen und es nur so möglich war, zusammen zu spielen.“


Leslie Woods
„Einmal spielten wir ein Konzert an Silvester und der Headliner wollte unbedingt um Mitternacht auf der Bühne stehen. Sein Manager schob uns immer weiter zurück, bis wir schließlich nur eine Viertelstunde spielen konnten. Mein Backgroundsänger und ich gingen einfach wieder auf die Bühne und spielten ein paar Songs a capella.“


Chris Eckman (The Walkabouts)
„Wir waren 1985 Vorband von Siouxsie And The Banshees. Siouxsie ging nicht mal zum Soundcheck, eine andere Frau tat das für sie. Sie kam Sekunden vor ihrem Auftritt an und ging Sekunden nach dem Auftritt. Hinter der Bühne hat uns keiner der Bandmitglieder auch nur einmal in die Augen gesehen. Ihre Haare verdeckten die Gesichter so sehr, dass ich nicht mal sicher bin, ob sie überhaupt Augen hatten.“


James Vyner (Seachange)
„Als wir Guided by Voices in Trenton, USA, unterstützten, war deren Sänger Bob Pollard so betrunken, dass er auf dem Schlagzeug zusammenbrach und vom Rest der Band von der Bühne getragen werden musste. Seine Freundin sagte, dass sie ihn noch nie so betrunken gesehen habe. Wir verbrachten die nächsten Stunden damit, auf der Theke zu tanzen und Cocktails zu trinken. Ich kann mich nicht erinnern, was danach geschah.“


Ola Fløttum (White Birch)
„1997 unterstützten wir eine Band namens BMX Bandits und wegen technischer Probleme konnten wir erst 15 Minuten vor Konzertbeginn essen und wir hatten wirklich lange nichts gegessen. Am Ende des Konzertes musste ich mich fast übergeben und kämpfte es herunter. Es wäre sehr peinlich gewesen, der Kerl in der Vorband gewesen zu sein, der die ganze Bühne voll kotzt.“


Jean-Michel Tourette (Wir sind Helden)
Vor vier Monaten erst haben wir Phoenix in Paris supportet. Wir sind zugegebenermaßen mittlerweile etwas verwöhnt, was die Euphorie bei unseren Konzerten angeht, insbesondere der Moment, wenn wir die Bühne betreten. An diesem Abend also schleichen wir auf die dunkle Bühne, es ist mucksmäuschenstill im Publikum und das einzige Geräusch im Saal ist der Knall, als ich mir den Kopf an meinem Mikro stoße und danach einen Schmerzschrei unterdrücke. Das Konzert war danach allerdings super und ganz und gar nicht mehr deprimierend.


Reimer Bustorff (Kettcar)
Wir haben vier Konzerte mit Bad Religion gespielt, die wir früher so verehrt haben, und dann haben wir gemerkt, was für abgehobene Diven das sind. Der Sänger fährt nur mit dem Zug, während der Rest der Band mit dem Bus fährt. Keine Ahnung warum, aber wir durften die Bühne nur von links betreten. Fast niedlich war der Ausraster des Schlagzeugers, der, nachdem er nach dem Auftritt sein Putensandwich nicht bekommen hatte, wie ein kleines Baby auf dem Boden lag und mit den Fäusten getrommelt hat. Der Bassist ist allerdings wirklich sehr, sehr nett.

Sebastian Dalkowski



XML (RSS/RDF)