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Der Zettel und der Stift. Zuhause

Der Zettel und der Stift.

Über das Suchen und Finden einer Wohnung.

Eine Wohnung musste gefunden werden. Der Countdown lief. Vier Wochen bis zum Ende der Aufenthaltsgenehmigung im Wohnheim. Sie und ich, gemeinsam, mussten wir raus aus der alten WG. Wollten wir raus. Die erste eigene Wohnung, das war lange Zeit ein kunterbunter Traum. Darüber sprachen wir oft, aber handelten lange Zeit nicht. Die WG, eine Zweckgemeinschaft, hatten wir schon lange satt. Doch nun gab es einen Job für sie in der Stadt, aus der wir wegwollten. Alle Pläne vom Umzug in die Metropole an der Spree gingen über Bord. Wir bleiben hier in der Stadt, die uns zu klein erschien.

Über das Suchen

Pinnwände in Uni-Mensen. Anzeigen im Lokalteil der Zeitung der Stadt. Im Branchenverzeichnis nach I wie Immobilienbüro oder W wie Wohnungsgesellschaften suchen. Wir suchten über das Netz. Nicht weil wir zu träge waren. Auf diversen Internetseiten fanden wir viel schneller, was wir suchten. Wir wollten Bilder der Wohnung sehen. Sie sollte eine Einbauküche haben. Die Warmmiete nicht mehr als 500€ beziffern. Mindesten zwei Zimmer, besser drei; nahe dem Zentrum, 50-80qm Gesamtfläche, sie sollte definitiv nicht in der Plattenbausiedlung liegen… Mit Häkchen grenzten wir ab, schlossen wir aus, gaben Begriffe in Formularfelder ein. Konditioniert durch Google setzen wir Filter in die Suchmaschinen von Immobilienseiten. Besonders immobilienscout24.de visualisierte unsere Vorstellung der neuen Wohnung. Einbauküche ist nicht trendy. Vierzig Wohnungen wurden auf ein knappes Dutzend minimiert, nachdem wir das Häkchen gesetzt hatten. Per E-Mail oder Telefon wurden acht Besichtigungstermine vereinbart.

Über das Finden

Sucht man über Seiten wie immobilienscout24.de statt über Uni-Pinnwände, trifft man bei der Besichtigung meist nicht mehr auf Vormieter oder Vermieter. Ein Zwischenhändler, der oftmals mit einer Monatskaltmiete bezahlt werden will, wartet am Ort der Besichtigung. Die Herren oder Damen in ihren Anzügen waren immer nett, leider oft auch unnahbar, da sie nur Dritte im Verhandlungsprozess sind. Neben professionellen Händlern trafen wir auch auf Studenten im Nebenjob. Für manche Wohnungen gab es mehrere Makler. Das findet man über die Immobilienseiten heraus. Die angebotenen Wohnungen tauchen dann mehrmals mit kleinen Unterschieden z.B. in der Maklergebühr auf. Der an einer Uni eingeschriebene Makler offerierte uns jedenfalls, er könnte die Courtage leicht zu unseren Gunsten korrigieren, wenn wir bei ihm den Mietvertrag abschließen würden. Wir hatten ihn vorweg wissen lassen, dass wir für die selbe Wohnung wenig später noch einen Termin hatten. Doch Makler müssen nicht sein. Man findet auch Anzeigen von Treuhandgesellschaften oder Wohnungsgesellschaften über das Internet, welche keine Provision an die Vermietung koppeln.

Unsere Wohnung war die vorletzte, die wir uns im Verlauf von täglichen Besichtigungen innerhalb einer Woche angeschaut hatten. Die Entscheidung, dass gerade diese Wohnung unsere werden sollte, war dennoch nicht ganz so schnell getroffen. Wir waren unorganisiert vorgegangen. War nicht die zweite Wohnung auch schön. Wie war das noch mal während des vierten Besichtigungstermins? Es war ruhig, so ruhig wie in keiner anderen Wohnung. Oder? Wollten wir nicht endlich in ruhiger Lage wohnen? Wohnung Nummer acht hatte die einen Parkplatz oder war der bei der achten Wohnung dabei? Auf meinem Schreibtisch stapelten sich Ausdrucke der Wohnungsanzeigen mit bekritzelten Rändern. Rückseiten waren gefüllt mit teils unleserlichen Notizen. Am Ende waren wir überfordert. Erinnerten uns nicht mehr richtig. War die letzte Wohnung letztendlich nur eine Entscheidung aus dem Verdruss über die Reizüberflutung? Nein, sie kam aus dem Bauch und wir bereuen sie nicht. Dennoch auch von Nummer sieben hatten wir — meine Freundin, ihre Freundin und ich — unterschiedliche Erinnerungen als wir uns am Wochenende berieten. Während die zwei Mädels sich noch an die Löcher in den Badfliesen erinnerten, hatte ich die übersehen oder bereits verdrängt.

Wären wir nicht so ins Blaue marschiert, zermürbende Diskussionen hätten uns erspart bleiben können. Denn auch für das Suchen und Finden außerhalb des Netzes bietet das Internet Protokolle an. „Umzugs-Checkliste“ nennt sich das auf www.ummelden.de. Mit der uns fehlenden deutschen Gründlichkeit werden alle wesentlichen Punkte in zwei ausdruckbaren Listen zusammengefasst. Der Link ist gespeichert. Das nächste Mal nehmen wir diese Gedächtnisstützen mit.

Vor der Unterschrift Protokoll anlegen!

„Denkt daran im Übergabeprotokoll alle Mängel der Wohnung aufzulisten“, hatte uns eine Freundin am Tag der Schlüsselübergabe als Rat mit auf den Weg gegeben. Protokolle, Listen… immer wieder. Umziehen ist ein langer Prozess von Protokollierungen. Generell ist das Portal ummelden.de eine gute Adresse für die Umzugsorganisation. Telefon ab- und anmelden, Adressen ändern, Nachsendeauftrag bei der Post stellen. Es gibt viel zu regeln und aufzuschreiben, besser bevor die Kisten und Kartons gepackt werden.

Ein Ex-Mitbewohner sammelt immer noch unsere Post. Ein Schild mit unseren Namen pappt am alten Briefkasten. So sparten wir die 14,90 Euro für den sechsmonatigen Nachsendeservice der Post. Nach und nach haben wir inzwischen fast alle wichtigen Adressen geändert. Auch dafür gibt es eine Liste, wo mittlerweile Einwohnermeldebehörde, Sparkasse, GEZ, das Visions-, Neon- und Brand Eins-Abo… als geändert markiert sind. Das Telefon meldeten wir vier Wochen vor dem Umzugstermin um. Mindestens zwei Wochen im Voraus sollte man für den Verwaltungsakt einplanen, wurden wir im T-Punkt belehrt. Die alte Nummer behielten wir. Leider verlangt die Telekom dafür 59,99 Euro Bereitstellungskosten — egal ob Ummeldung oder neuer Anschluss. Allerdings kam tatsächlich jemand vorbei und überprüfte die Telefonleitung. Zum angegebenen Zeitpunkt waren wir wieder mit dem Netz verbunden.

Checklisten sollten uns auch nach der Schlüsselübergabe begleiten. Im Möbelhaus reichten uns bereits am Eingang blau-gelb gekleidete Angestellte Zettel und Bleistift. Regal und Fach wurden notiert, ein Bild der Möbel vor Ort im Gedächtnis verankert. Für zusätzliche Notizen ist genügend Platz. Suchen und Finden ist eng verknüpft mit Zettel und Stift. Meist fanden sich nach jenen Möbeleinkäufen mehr Zettel und Stifte in den Taschen, als wir vor Ort gebraucht hätten. Doch es ist ein fortwährendes Spiel: Suchen und Finden praktizieren wir weiterhin. Mit den hölzernen Schreibutensilien legen wir Proviant-Listen an, welche uns über das Wochenende retten. Auf einigen Rückseiten finden sich immer noch Maßangaben von längst platzierten Möbeln.


Links zu diesem Thema:

Portal für die Umzugsorganisation
Was gilt es vor dem Unterschreiben eines Mietvertrages zu beachten?
Zehn Fallen im Mietvertrag
Infos rund um den Mietvertrag
immobilienscout24
immonet
planethome
wohnung-jetzt
wohnungen-suchen-online
Tipps für die Wohnungsbesichtigung




Mathias Hiebsch



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