 In den Pausen.
| Band |
Emilíana Torrini. |
| Ort |
Jena, Kulturarena |
| Datum |
24.07.2009 |
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Es sind diese Pausen zwischen den Liedern. Dann wechselt die Band ihre Instrumente, stimmt neue Tonlagen, schraubt Kapodaster auf Gitarrenläufe. Und obwohl sie schnell ist und keine Sekunde ungenutzt verstreichen läßt, entstehen diese Pausen. Und Emilíana Torrini steht zwischen den Musikern, nah am Mikrophon und schaut zu ihnen, schaut zum Publikum, überlegt, zögert und setzt dann doch an, etwas zu sagen. Sie sagt es in Deutsch. Es kein Künstlerdeutsch, das „Isch liebe dir“ bewusst ungelenk ausspricht, um damit um Sympathien zu buhlen. Sie spricht in kompletten Sätzen, längere Sätze als normalerweise in „VIVA Live!“ gesprochen werden. Sie sagt etwas wie „Eine Frau hat meinen Körper übernommen und mich gezwungen dieses Lied zu schreiben. Bodysnatchers“. Und macht den Schrei von Donald Sutherland am Ende von „Die Körperfresser kommen“. Schaut zur Band, die immer noch stimmt. Schaut ins Publikum, zögert, überlegt und formt schließlich die rechte Hand zum Pommesgabelgruß und sagt „Sie hätte mich auch zwingen können, Death Metal zu schreiben.“ Und da endlich setzt der Basslauf von „Me and Armani“ ein.
Dazu muss man wissen: Emilíana Torrini sieht aus, wie man sich eine Sängerin vorstellt, zu der Elle schreiben könnte: Ätherisch. Elfe. Island. Sie trägt weiß und verschiedene Federn in den Haaren, um den Mikrophonständer sind Glöckchen geschwungen. Sie spielt Musik, die oft nur mit zwei Gitarren und einem Glockenspiel auskommt. Ihre Stimme klingt glockenhell und wem das drei Glocken zuviel in den letzten drei Sätzen waren, der wird nie verstehen, warum es ein einziges großes Missverständnis wäre, Emilíana Torrini auf Ätherisch. Elfe. Island. zu reduzieren. Oder neuerdings auf „Jungle Drum“, der möglicherweise verdientesten Nummer Eins der deutschen Singlecharts seit etwa fünfzig Jahren.
Doch genau dies sorgt dafür, dass die Kulturarena in Jena zum ersten Mal überhaupt ausverkauft ist. Der Geheimtipp wird zum Massenphänomen steht auf den Entschuldigungsplakaten, die überall aushängen und entschuldigen, dass zum ersten Mal seit Bestehen der Kulturarena die Jokerkarten nicht mehr gelten. Zu Beginn spielt die Band viele Songs aus „Fisherman's Woman“, das knarrzende „Lifesaver“ und „Today Has Been Ok“ und natürlich „Sunny Road“. Und schnell wird klar, wie präzise hier jeder Ton sitzt, wie schon die kleinste Veränderung das fragile Liedgerüst zerstören könnte. Nach jedem Lied wechselt die Band die Instrumente und verleiht so jedem Lied einen eigenen, unverwechselbaren Klang, der in den Nuancen ganze Leben erzählt. Später spielt die Band Lieder vom aktuellen Album „Me And Armini“ ein, erinnert manchmal an „Love In The Time Of Science“, darunter mit einer reduzierten Fassung von „To Be Free.“
Zwischen den Liedern. Immer wieder diese Ansagen, die erklären, die überbrücken, die eine Möglichkeit scheinen, eine seltsame Schüchternheit zu überwinden, um mit dem Publikum in Kontakt zu treten, ohne sich anzubiedern. Bei „Bleeder“ erklärt sie die Geschichte zum Lied und diese Geschichte ist persönlich und tragisch und es gäbe keinen Grund, sie mit dreitausend Menschen zu teilen, aber jemand redet trotzdem so laut, dass sie wütend ins Mikrophon schuscht und sich einen Moment später entschuldigt, sagt, dass sie auf jedem Konzert jemanden wegschuscht, was stimmt. Auf dem Haldern vor wenigen Jahren warf sie jemanden „Halt's Maul“ an den Kopf, als dieser immer wieder penetrant „Sergej Barbarez“ in die leisen Stellen ihres Konzerts brüllte. Keine Ahnung, wie die Elle das beschreiben würde, wie sie dies zu dem Bild addieren würde, das aus Ätherisch. Elfe. Island. besteht. Wie sie das verstörende Gun in Einklang bringen würde mit „Leise Lieder, traurig-schön“. So hat Elle 2005 Torrinis Album „Fisherman's Woman“ zusammengefasst.
Leise Lieder, traurig schön. Letztens war Emilina Torrini bei„ VIVA Live!“. „VIVA Live!“ ist eine der wenigen verbliebenen redaktionell betreuten Sendungen im deutschen Musikfernsehen. Üblicherweise sitzen dort „Monrose“ und sprechen über ihr neues Charityprojekt, welches ihnen ganz besonders am Herzen liegt. Diesmal saß Emiliana Torrini neben Collien Fernandes. Die Fragen stellte. Zum Beispiel: Was für einen Satz die Zuschauer auf Isländisch sprechen sollten könnten. Weil Emiliana Torrini ja aus Island kam. Und da war wieder eine dieser Pausen. Collien Fernandes wurde unruhig. Sah Emiliana Torrini an, die an ihr vorbei ins Nichts schaute. Die keine Federn trug und keine Anstalten machte, diese Pause zu überbrücken. Bis Collin einen Satz vorschlug: „Ich liebe dich“. Ein Mißverständnis, in jeder Beziehung.
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Stefan Petermann
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