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Tom Liwa (13.06.2009)

Nackte Tatsachen.

Band Tom Liwa
Ort Subrosa (Dortmund)
Datum 13.06.2009

Tom Liwa denkt, dass heute nicht viele Leute kommen werden. „Das Wetter ist viel zu schön“, sagt er und löffelt ein paar Löffel lauwarmes Chili, dass ihm die tätowierte Köchin des „Subrosa“ über die Theke reicht. Es bleibt noch genug Zeit bis zu seinem Auftritt, die Gitarre liegt schon gestimmt bereit.
Ein wenig dunkel ist es hier, das stimmt schon. Eine ehemalige kleine Hafenkneipe eben, die jetzt, voll gestellt mit Hirschgeweihen, Discokugeln und anderem Krimskrams, zum Wohlfühlen einlädt. Toms Befürchtung sollte sich nicht erfüllen, denn schon eine Stunde später füllt sich der Club bis fast auf den letzten Platz.

Am Publikum wird deutlich, wie gemischt eine „Fangemeinde“ (darf man das so nennen, schließlich kreischt hier niemand rum, fotografiert oder bittet um Autogramme) sein kann. Erstsemester und Langzeitstudenten, Männer im feinen Zwirn und im abgegriffenen Hemd, Hippies und Hausfrauen.

Kein Alter, keine Szene, die nicht hören will, wenn Tom Liwa im Lied „Eskimo“ fragt, was Pinguine im Zoo denken oder erzählt, auf welchen Flohmärkten er sein Outfit erstanden hat. „Damit will ich nur sagen, für wie wenig Geld man spitzenmäßig aussehen kann.“ Er war nie Teil der großen Kommerzfabrik und kokettiert gern damit. Vielleicht ist das der Grund, warum ihm gerade sehr junge Leute gerne zuhören. Vielleicht ist es auch die Universalität und Zeitlosigkeit seiner Themen. Seine Lieder werden niemals alt werden.

Dass weniger mehr sein kann, beweist Liwa auf „Eine Liebe ausschließlich“, die er heute zusammen mit einigen älteren Stücken präsentieren will. Nur mit der Gitarre hat er die Platte eingespielt, darum entfalten die Lieder auf der Bühne nicht weniger ihre Wirkung. Wohin die Reise gehen könnte, kündigt sich im Opener an, eine Coverversion von „Highway to Hell“. In Liwas Gedankenwelt der letzten Monate soll es gehen, die geprägt waren von schmerzhaften Umbrüchen. „Das Kind bin ich, und der Engel bist du. Und ich sing für dich, doch du hörst nicht mehr zu. Und ich habs probiert, auch ohne dich. Doch ich konnte es nicht.“ Trotzdem wird es nicht zu düster oder andächtig. Liwa verbreitet gute Stimmung und genießt das Konzert. Selbst als er beschließt, heute mal mit nacktem Oberkörper zu spielen oder sich die Bälle mit ein paar vorlauten Leuten im Publikum zuspielt, gibt er seine Lieder nicht dem Klamauk preis. Er heißt schließlich nicht Bernd Begemann.

Endlich mal ein Konzert, auf dem nicht die ganze Zeit in das Konzert hinein geredet wird. Noch fast eine Stunde nach dem offiziellen „letzten Lied“ erfüllt Liwa Liederwünsche. Es ist schwierig, einen Song zu finden, der den Abend angemessen abzuschließen vermag. Die Pärchen halten sich noch ein wenig fester an den Händen, wenn er gegen Ende des Konzerts singt „Es ist völlig unmöglich, der Liebe zu entkommen.“ Und auch die, die allein gekommen waren, gingen nicht mit dem Gefühl, fehl am Platz gewesen zu sein.

Linda Wilken



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