 Wieder auf der Erde.
| Band |
Tom Liwa und die blauen Flecken |
| Album |
Komm Jupiter |
| Plattenfirma |
Ludwig (Indigo) |
| Bewertung |
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In den letzten Jahren hatte es den Anschein, als sei Tom Liwa in Sphären angekommen, in denen ihm niemand mehr folgen konnte. Nicht ganz geheuer erschienen seine esoterischen Workshops, seine Lieder über Hippiegedanken eines deutschen Großstädters. Das war nicht gerade Jedermanns Welt, Tom Liwa schien sich nun in eine bestimmte Nische gesetzt zu haben, in der er erst mal zu bleiben gedachte. Dann sein Comeback mit den legendären Flowerpornoes. Ein schönes Album. Trotzdem spürte man: Da wurde sich jeder Song abgerungen, nach so langer Zeit ohne die Band. Ganz homogen und geschmeidig war das alles nicht.
Ganz anders nun „Komm Jupiter“. Das Album ist in nur einem Monat geschrieben worden und wirkt wie aus einem Guss. Zur Unterstützung hat sich Liwa Die Blauen Flecken ins Boot geholt, eine Band aus alten Freunden, mit denen er schon lange etwas hätte aufnehmen wollen, und er hat gut damit getan. Der Sound klingt wie eine gemütliche Kneipe vor dem Rauchverbot oder wie ein Glas teurer schwerer Rotwein. Klarinetten, Banjos, eben jede Menge Blues. Etwas, dass man sich auch in 30 Jahren noch anhören kann. Tom Liwa selbst beschreibt das Album als „Bastard aus Helge Schneider und Nick Drake.“ Denn plötzlich kommen einige Lieder für Liwas Verhältnisse recht humorvoll um die Ecke. Etwa in dem Lied von der Katze, die eine Wohnung mieten möchte. Oder in dem Lied von Klicker dem Fuchs, für den alle Hühner schwärmen.
Scharfzüngigkeit beweist Liwa in Britney oder Laber-Ex-Model-Blaus, der wohltuenden Antwort auf Zeiten von Germany´s next Topmodel oder der Inszenierung von Stars im freien Fall. Ganz groß wird es, wenn er Selbstreflexion betreibt, wie in den schönsten Liedern des Albums: „Ginny fragt: Wo ist die Freude in deinen Liedern? Ich zuck mit den Schultern und sag: Zwischen den Zeilen.“ (Eh egal).
„So schwer war es lange nicht mehr. Ich kann mich kaum erinnern es ist mindestens zwölf Jahre her. Crazy Tom kommt zurück und überrascht mich, doch am allermeisten sich selbst…“. (Crazy Tom). Tom Liwa schafft es mit Weisheit und Gelassenheit, zu berühren und zu beruhigen. Bleibt zu hoffen, dass er bei uns bleibt und nicht mehr in Welten abdriftet, die wir nicht erreichen können.
Fazit: Wahrscheinlich wäre Tom Liwa zu bescheiden, um diesen Vergleich anzunehmen. Aber wenn es so etwas wie einen deutschen Bob Dylan gibt, dann ist glasklar, wer das ist.
Linda Wilken
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