 Der Wahnsinn aus dem vergangenen Jahrtausend.
| Band |
The Wrens |
| Ort |
Gebäude 9 (Köln) |
| Datum |
01.04.2006 |
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Der überaus dicke Mann steht einfach nur da. Er klatscht nicht. Er wippt nicht mit dem Fuß. Er ruft nicht. Nur manchmal beweist er mit seinem Kopf minimales Taktgefühl. Nach 80 Minuten Konzert geht er. Ganz ruhig. Und er muss es doch großartig gefunden haben.
Es ist: Das Comeback von Lederjacken und Jeansjacken im Publikum, vom Leben abgewetzt, nicht von Chemie. Das Comeback von ausfallenden Haaren, Geheimratsecken, hohen Stirnen. Es ist nicht: Der Abend von Retroschick und Zitatehölle. Von coolen Rockbands mit einstudierten Posen. Es spielen: Vier runtergerockte Typen aus den USA namens The Wrens, die Mitte der 90er Stars werden sollten, aber vorher ausstiegen, weil der Labelbesitzer die Band in die Charts drücken wollte. Von 1999 bis 2003 nahmen sie ihr aktuelles Werk The Meadowlands auf, weil sie tagsüber lahmen Jobs nachgingen, und The Meadowlands ist auch das Album, das die Wrens im halbvollen Kölner Gebäude 9 fast komplett spielen. Wo man ihnen auf der Platte noch häufig zurufen wollte „Jetzt zieht doch endlich mal durch“, brettern die Wrens durchs Set, als gehe es um ihr Leben. Der Sänger wahnsinnt über die Bühne, schreit, schwitzt, schwenkt den Mikrofonständer und sagt kurz vor Schluss zu einem in den ersten Reihen fassungslosem Publikum: „You're the most beautiful audience.“
Und dann wird es immer wieder ruhig, der Sänger am Keyboard mit einer Stimme, die am Ende den Geist aufgibt, bevor der Gitarrist sie mit deutschem Bier wieder zum Leben erweckt. In den ruhigen Momenten zeigt sich am deutlichsten, dass die Vier keine Perfektionisten sind, sondern Typen, die einfach nur großartige Ideen in großartige Songs stecken und wissen, dass dieser untanzbare Sound auch im Indie-Rock nicht mehr gefragt ist. Die Wrens sind der Wahnsinn aus dem vergangenen Jahrtausend, aus einer Zeit, als Clubbesitzer sich eher ein Bein abgehackt hätten, als Rockmusik zu spielen. Aber der überaus dicke Mann will sowieso nicht tanzen. Er will hören, dass Musik einfach nur geil sein kann.
Sebastian Dalkowski
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