JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
The Whitest Boy Alive  (27.03.2008)

Perlen vor die Säue.

Band The Whitest Boy Alive
Ort Fluc Wanne, Wien
Datum 27.03.2008

Schön, dass ER, der groß- und einzigartige Erlend Oye, King of Convenience und Kicks DJ, Wien und dem Pling Plong Klub die Ehre gibt. Aber, liebe Leute, die Fluc Wanne ist eine Nummer zu klein für den Mann mit der großen Brille! In den Menschenmengen, die erfahrungsgemäß kommen, um dem Musiker zuzuhören, der alles zu Gold macht, was ihm in die Hände bzw. Stimmbänder kommt, ist es hier unmöglich, das zu tun, was die Musik nahe legt: zu tanzen.

Leider ist das ohnehin nicht das, was alle tun wollen. Es ist mir völlig unbegreiflich, was Menschen während eines Konzertes, für das sie €14,- bezahlt haben, alles zu bereden haben. Und nicht nur das, sie holen Bier, rauchen eine Packung Zigaretten, knutschen, als gäbe es kein morgen, gehen drei mal aufs Klo, und räumen ihre Taschen ein und aus. Diese Taschen — noch so ein ungelöstes Rätsel der Nacht: Wofür bitteschön brauchen Frauen bei einem Konzert riesengroße Taschen? Dass sie die nur mitnehmen, um sie mir in die Weichteile zu rammen, kann ich nicht glauben. Aber darum soll es hier ja gar nicht nicht gehen. Schlimm genug, dass die Störenfriede in diesem Text noch Stunden nach dem Konzert Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Zurück zur Musik: Angesichts der DJ-Qualitäten von Erlend Oye verwundert es nicht, aber erfreut es doch den anspruchsvollen Gast, wie die Kapelle sich in ihr Konzert mit einen nahtlosen Übergang zum letzten Stück von Platte reingroovt. Die erste Hälfte des Sets ist energiegeladen und schnell, dann wird es ruhiger. Zu ruhig. Die langsamen Stücke funktionieren nicht so gut an diesem Abend. Um sich in die Klangwolken fallen zu lassen, ist es im Publikum zu eng und zu chaotisch.

The Whitest Boy Alive scheinen auf der Bühne von all dem Generve nichts mitzubekommen. Die Band selbst hat wohl den größten Spaß, vor allem, als der Bandleader einen Witz erzählt, den außer ihm niemand versteht. Was natürlich auch am Geräuschpegel im Raum liegen — aber egal. Die Tanzeinlagen des skandinavischen Sängers sind grotesk und mitreißend wie immer, und es freut sehr, Menschen zu sehen, die die Liebe zu raffinierten Klängen so begeistert ausleben wie diese vier.
Gegen Ende des Konzerts rauben technische Probleme der Musik dann eine weitere Portion Aufmerksamkeit. Und so verklingt das beim letzten Wien-Konzert hymnisch erhebende „Don't give up“ ein bisschen nachhaltlos im Stimmengewirr.

Gottseidank gelingt es den Pling Plong DJs, das Ruder noch mal rumzureißen und an die schnellere erste Hälfte des Live-Sets anzuknüpfen. Es bleibt zu hoffen, dass The Whitest Boy Alive das nächste Mal wieder das Publikum bekommen, das sie verdient hätten.

Katharina Litschauer



XML (RSS/RDF)