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Unterwegs in heimlicher Mission.

Unterwegs in heimlicher Mission.

Als mir niemand auf die Schliche kam.

Gehirnwäsche für alle (Sebastian)

Als mir damals die Sache mit dem Apfelsaft passierte, war es so, dass ich noch nicht den Watergate-Skandal aufgedeckt hatte und das israelische Atomwaffenprogramm. Meine Erfahrung als investigativer Journalist war gleich null. In der Sportredaktion meiner Lokalzeitung war das nicht gefragt. Dann zogen die Stellvertreter des Teufels in das Schloss, das direkt neben unserem Fußballplatz stand. Sie nannten sich aber nicht Stellvertreter des Teufels sondern Maharishi-Sekte. Herr Maharishi hatte schon die Beatles behandelt. Die Dorfbewohner und die Käseblätter witterten den Weltuntergang, Gehirnwäsche und können wir eigentlich noch unsere Kinder auf die Straße lassen? Ich witterte fröhlich mit.

Die Kinderschänder wussten natürlich, dass sie niemand mit offenen Armen empfing, und veranstalteten einen Info-Abend. Alle kamen. Ich, der angehende investigative Journalist, auch. Sie zeigten uns ein Video, indem die Menschen sehr überraschend erzählten, wie ihnen der Meister geholfen habe. Ich erkannte selbstverständlich sofort, was dort gespielt wurde: Gehirnwäsche. Als der Film zuende war, sah ich mich ein wenig in der Lobby um. An der Rezeption hing ein Zettel mit den Durchwahlen einiger Räume. Ich notierte mir alle. Die Durchwahl für den Gehirnwäsche-Raum stand leider nicht drauf. So dumm waren die nicht. Aber das sollte mich nicht abhalten, dachte ich. Dann stand plötzlich dieser Typ vor mir, der Geschäftsführer oder so, graue Haare, seriös, und hielt mir ein Glas Apfelsaft hin. Erst dachte ich noch „Vergiftet, die wollen mich aus dem Weg räumen“, und wollte noch fragen, warum ein Kurs über sieben Tage bei der Sekte eigentlich 7000 Euro kostete. Doch dann griff ich zu und trank und fünf Minuten später und als er auch noch Knabberzeug anschleppte, sagte ich Sätze wie „Die Zeitungen haben ganz schön übertrieben, von wegen Gehirnwäsche und so.“ Er nickte. Dann ging ich nach hause und schrieb erstmal wieder über Fußball. Die Kinder durften auch bald wieder auf die Straße. Sie sind so schlecht erzogen, dass sie nur noch eine Gehirnwäsche retten kann.

Der 1-Mark-Job (Stefan)

Die Wende hatte ja auch ihre guten Seiten. Supermärkte zum Beispiel. Oder noch besser: Supermarkteinkaufswagen. Das war zu einer Zeit, als kaum jemand die spießigen Plastikchips zum Auslösen der Wagen benutzte, sondern ein gutes altes DM-Stück. Und genau darauf gründete sich die Geschäftsidee von einem Freund und mir. In den Ferien machten wir uns in den örtlichen Supermärkten auf die Suche nach herrenlosen Einkaufswagen. Jeder Fund bedeutete eine ehrlich verdiente Mark. Dazu legten wir uns in den Gängen zwischen Dosenessen und italienischen Teigwaren auf die Lauer und spähten die Kundschaft aus. Sobald ein leerer Wagen länger als fünf Minuten ohne menschlichen Kontakt blieb, schnappten wir uns diesen still und heimlich, marschierten mit unschuldigen Gesichtsausdruck an den Kassiererinnen vorbei und kassierten draußen unseren Lohn. An guten Tagen kamen so bis zu zehn Mark zusammen. Später gaben wir diese Geschäftsidee zugunsten einer wesentlich einträglicheren gewerblichen Tätigkeit auf und verteilten Prospekte.

Agent NullNullNase (Kerstin)

Mir war es schon damals zu langweilig, auf James Bond zu stehen. Ich wollte James Bond sein. Ein Geheimbund musste her. Zusammen mit zwei, drei Freunden gründete ich ein Zwischending zwischen Detektei und CIA, natürlich viel besser, investigativer, verschwörerischer und cleverer als der amerikanische Nichtskönnerverein. Wir bastelten uns die cooleren Ausweise. Man musste sie gegen das Licht halten, um sehen zu können, dass sie nicht nur ein normaler Personalausweis waren, sondern die Eintrittskarte in den geheimsten und exklusivsten Geheimclub in der gesamten Burgstraße von Plauen.
Im Gegensatz zur CIA hatten wir auch eine Geheimhöhle, in der wir uns trafen. Im Gegensatz zur CIA hatten wir jedoch keine Ahnung, was wir herausfinden und wen wir niederstrecken sollten. Wir überlegten bestimmt drei Monate lang, wie wir die Welt vor dem schlimmsten Gaunern und Unglücken bewahren könnten. Unglücklicherweise stand keiner der Gauner im Telefonbuch und so mussten wir unsere CIA-Detektei mangels Rechercheobjekt aufgeben. Aber wir kommen wieder, spätestens, wenn sich unsere lang gehegte Vermutung bestätigt: Eva Hermann ist eine getarnte Königin des Volkes V156 vom Planeten Delta 78, die aus der Area 51 ausgebüchst ist.

Die Redaktion



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