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Tanja Kinkel - Venuswurf

„Glück hieß, für das Schicksal Talent zu haben“.

Autor Tanja Kinkel
Titel Venuswurf
Verlag Knaur
Seiten 494
Bewertung 6 von 9 Punkten

„Um die Euter von Säuen zu bekommen, die noch nicht geferkelt hatten, und die Lebern von Schweinen, die mit Feigen gemästet und so lange mit Honigwein abgefüllt wurden, bis sie daran starben…“ muss man ganz schön viel Geld haben.

Tanja Kinkel schreibt das Jahr 7 nach Christus. Die kleinwüchsige Tertia wird von ihren Eltern als Sklavin nach Rom verkauft. Als „Zwerg“ hat man es nicht leicht, und schon gar nicht in Rom. Tertia kann davon ein Liedchen singen. Sie wird zuerst an ein Bordell verkauft, wo sie jedoch nicht zum Angebot gehört, sondern lediglich der Gauklertruppe beitreten soll. Als Gaukler winkt ihr schließlich das Glück — sie wird verschenkt, an eine ebenso reiche wie intrigante Herrin. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Dass „Venuswurf“ ein Frauenroman ist, wird man allein bei der Nennung des Titels schwerlich bezweifeln. Zwei Frauen, zwei Schicksale, ein altes Konzept. Jedoch beschreitet dieser historische Roman auch andere als die konservativen Wege. Es gilt nicht, dass die Protagonistin unerreichbar schön ist, irgendwann die Liebe ihres Lebens trifft, sich heldenhaft gegen alle dunklen Mächte durchsetzt und am Ende auf einem weißen Ross gen Sonnenuntergang geritten wird — immerhin. Vielmehr lernt man das alte und ehrwürdige Rom aus der Perspektive des kleinen Mannes, oder in diesem Falle der kleinen Frau kennen. Sklavenmärkte und Gladiatorenkämpfe gehören da genauso zum Alltag, wie ständig umgerempelt zu werden oder Treppen so groß wie der Himalaja zu erklimmen. Sicherlich ein kluger Schachzug, ein wenig vom Klischee abzuweichen.
Allzu experimentell geht Tanja Kinkel aber natürlich dennoch nicht vor. Jeder Schokocreme-auf-Toastbrot-im-Bett-verzehr-Freund wird auf seine volle Kosten kommen. Man kann mit Tertia mitfürchten, mitschmachten, mitjubeln. Und ganz nebenbei lernt man — wie bei allen Romanen dieses Genres — noch ein wenig Historie.
„Als die Republik noch jung war, dienten ihr die Fabier bereits, genau wie die Claudier, die Cornelier und“, er machte eine kaum merkbare Pause, „die Julier. Es sind die großen Familien unserer Stadt. Wie Lycus es ausdrücken würde: Sie scheißen sogar Geschichte.“

Im Vergleich zu anderen Kinkel-Romanen hält der „Venuswurf“ jedoch leider keine kontinuierliche Spannung. Zuweilen mag man schon den Atem anhalten, beispielsweise wenn Tertia alles auf eine Karte, nämlich den 'Venuswurf' setzt. Aber die Wortgefechte, die sie sich in ihrem Beruf als Gauklerin täglich liefern muss, verlieren stellenweise stark an Originalität.

Fazit: Wer sich für die verlängerte kalte Jahreszeit einen angenehmen Schmachtfetzen wünscht, sollte sich vertrauensvoll an Tanja Kinkel wenden. Schließlich wird man schon fast philosophisch, wenn man sich vorstellt, dass bereits im alten Rom am Ende „alles in die Cloaca Maxima floss“.


Jasamin Ulfat



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