JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
Stuertz - So lang es ohne Luftholen geht.

Einmal tief durchatmen.

Band Stuertz
Album So lang es ohne Luftholen geht.
Plattenfirma Sopot Records
Bewertung 7 von 9 Punkten

An einem nasskalten Julitag liegt dieses Album in meinem Briefkasten, der Umschlag ist voller Regentropfen. Ich werfe es in die Anlage und höre zu: „Wo bleibst du?/ Ich warte schon so lang/ so lang, so lang, so lang/ Das Warten macht mich krank/ Mein Leben liegt in deiner Hand/ Wo bleibst du denn so lang?“ Dazu fröhliches Gitarrengeschrammel, simple Akkordfolge, eben was zum Tanzen. „Ah, deutscher Sommerpop!“, denke ich. Ganz nett, aber schon tausendmal gehört und irgendwie ist mir heute nicht so danach.

Aber immerhin wurde die Platte von Swen Meyer produziert, der seine talentierten Hände auch bei Olli Schulz, Tomte, Kettcar und Bernd Begemann im Spiel hatte, die Erwartungshaltung ist hoch. Also schnell weiter skippen, was kommt denn jetzt? „Du solltest wirklich langsam wissen/ Dieser Schmerz gehört nicht dir allein/ Es geht uns allen so beschissen/ und den Schmerz musst du leider mit uns teilen.“ Aha, schon besser. Endlich sagt es mal jemand. So langsam fallen mir auch die Klarinetten auf. Die Pianos, Synthies und Violinen und noch einiges mehr, was mich beeindruckt.

Den vorläufigen Höhepunkt erreicht die Platte mit Schweden. Sehr verspielt, einfach nur entspannt und leicht. „Ich hab den Käfer lieb/ der dort zu meinen Füßen übern Felsen kriecht/Ich will ein Hippie sein/und nicht nur drüber reden/in Schweden.“ Entzückend, und das meine ich wirklich ernst. Stuertz wollen auf gar keinen Fall schwierig sein, und das ohne große qualitative Abstriche hinzubekommen, ist wiederum harte Arbeit. „Nach zwei Strophen ein Refrain/ Drei Akkorde/ die jeder kennt und liebt/ und ein Text, wo es nichts zu deuten gibt“.

Auf den ersten Blick scheint dies das Konzept des kompletten Albums zu sein, erweist sich auf den zweiten Blick aber als pure Koketterie. Stuertz können mehr als das, wenn sie im Dreivierteltakt den idealen Lebenswandel der Jugend von heute beschreiben. Gesundheitsbewusst leben, Kontakte pflegen, Karriere machen, sich um die Familie kümmern. „…und irgendwann ein Haus auf dem Land.“ Trotz der Gemächlichkeit, die vom Lied ausgeht, wird klar, dass das alles gar nicht so einfach ist. Textlich und musikalisch gesehen trifft man hier auf viele alte Bekannte. Trotzdem können Stuertz an vielen Stellen überraschen und liefern eine Platte ab, die diesen Sommer locker überlebt. Ist sowieso viel zu kalt für platte Gute-Laune-Melodien.

Fazit: Stuertz beherrschen die Kunst der genialen Einfachheit.

Linda Wilken



XML (RSS/RDF)