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Sophie Zelmani (19.02.2006)

Dreams.

Band Sophie Zelmani
Ort Kalkscheune (Berlin)
Datum 19.02.2006

Sophie Zelmani beginnt Ihr Konzert mit dem Song Dreamer. Würde Fiona Apple „Dreamer, Dreamer, Iam walking out of your dream“ singen, dann klänge das nach passiver Aggressivität und nach Vorwürfen. Bei Sophie Zelmani klingt es, als würde man weiter träumen. Selbst „We will live through this black day“ singt sie mit der Zuversicht, dass auf einen schlechten Traum gleich ein Guter folgt. Leider aber nicht heute abend. Auf dieser Tour spielt sie nur die ganz ruhigen Songs. Wie auch auf ihrem kürzlich erschienen Best-Of-Album A Decade Of Dreams. Und von den 45 Songs ihrer letzten vier Alben erwähnen 17 „dreams“ in irgendeiner Form.

„What is closing you in? Must be a giant dream. It's not real life we have seen. Oh Dear.“

Ein Gefühl von Realität will sich heute abend sowieso nicht einstellen. „Is something wrong with the air? Since you can't breathe in here, how long have you held you're breath? Oh Dear.“ Und es verschlägt einem tatsächlich den Atem. Zelmanis einfach gestrickte Texte gewinnen auf der Bühne an Intensität. „Can only sense happiness if the music is sad.“ Manchmal können die Musiker die Instrumental-Parts noch verbessern, meistens klingt alles so gut wie auf Platte. Zu sehen sind sie nur gelegentlich zwischen den Köpfen des Publikums. Also schließt man die Augen und befindet sich auf dem eigenen Sofa, mit der Stereoanlage auf Maximum. Ihre Stimme klingt noch fühlbarer als zu Hause.

Zuhause. Doch man befindet sich stehend in einem kleinen, überhitzten Club, das Publikum drängt eng zusammen, man sieht nichts. Wer immer sich jemals gefragt hat, ob ein Konzert auf Sitzplätzen Sinn machen könnte, kommt hier ins Grübeln. Man wünscht sich einen größeren Raum, eine runde Bühne für die Musiker in der Mitte und jede Menge Sofas rundherum im Kreis angeordnet.

„I was too honest where games must take their place.“ Überraschend ist, abgesehen von ihrer Unbekanntheit, wie wenig Sophie Zelmani selber im Mittelpunkt steht. Kaum Interviews, wenig Fotos, noch weniger Fernsehauftritte, noch nicht einmal T-Shirts zum Kaufen. Das einzige Bild, das sie vermittelt ist ihre Musik. Auffällig ist allerdings das Durchschnittsalter des Publikums. So um die 35. Erreicht Musik ohne Bilder Jüngere nicht mehr? Oder gibt es da irgendeinen Radiosender, der tatsächlich ihre Lieder ständig spielt, der nur von Menschen über 30 gehört wird? „We're too old to make a mess. Dreams will keep me young. Old enough to stress, only mirrors tell the time.“

Die Zeit verfliegt an diesem Abend schnell. Nach knapp 90 Minuten ist alles vorbei. Und dabei könnte sie noch so viel mehr singen. Mindestens zehn Titel gibt ihr das Publikum, als sie nach einem letzten Wunsch fragt. Leider wählt sie nicht das muntere People. Aber auf Platte singt sie „I can wake up to a bad day. I know how to go from there. But you, I can't handle.“ Sophie Zelmani vermittelt das Gefühl, die Dinge genau so zu meinen, wie sie es singt. Und am Ende meint man, sie genau zu kennen, obwohl die einzigen Worte, die man je aus ihrem Mund hört, ihre Songs sind. In ihrem vielleicht berührendsten Lied singt sie „So, I'm going home. I must hurry home. So will my life go on?“ Natürlich geht das Leben weiter — vielleicht sogar wie in einem Traum!

Jörg Dietrich





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