 Ich? Ohren müde.
| Band |
Snow Patrol |
| Album |
Eyes Open |
| Plattenfirma |
Polydor (Universal) |
| Bewertung |
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Jemand schreibt über eine CD. Wenn dies keine Kopie der Presseinfo ist, dann schreibt diese Kritik keine Maschine. Ich schreibe diese Kritik und ich habe zwei Möglichkeiten, dies zu tun.
Ich beobachte aus der Distanz. Ich vermeide einen persönlichen Bezug, den der Leser aufgrund unterschiedlicher Erfahrung nicht nachvollziehen kann. Ich stelle Fakten über die Band und den Entstehungsprozess des Albums neben (gewitzt formulierte) musikalische Vergleiche, versuche dem Leser deutlich zu machen, von welchem Wesen diese Musik ist. In diesem Fall schreibe ich, dass Snow Patrol, die aus Belfast kommen und die es schon seit 1994 gibt, vor zwei Jahren mit ihrem dritten Album Final Straw ihren verdienten Durchbruch in England geschafft haben. Dass sie melancholischen Bombastpop machen, dass ihre Lieder oft mit Glockenspielen beginnen, während später Pianoklänge über Stakkatoschlagzeug neben Frauenchören schwimmen. Dass Snow Patrol sich mit Eyes Open auf einem Pfad bewegen, der seit vielen Jahren von britischen Bands beschritten wird, die damit niemals etwas falsch gemacht haben. Vermutlich wäre diese Betrachtungsweise richtiger, fairer, für den Leser gewinnbringender.
Aber es geht um Musik. Und da möchte ich gerne schreiben, wie sehr Run, aus ihrem letzten Album Final Straw, mein Herz gerührt hat und es immer noch rührt. Dass Travis noch niemals so sangen und die geistesverwandten Coldplay nach Politik niemals wieder einen solchen Song gesungen haben. Wie sehr ich mir ein Album voller Runs wünsche und wenn dann Make This Go On Forever von Struktur und Leidenschaft dem beängstigend nahe kommt und auch Set The Fire To The Third Bar, dieses bezaubernde Duett mit Martha Wainwright, diesen seltenen Moment einfängt, in dem Musik mich in den Arm nimmt, wie es sonst niemand könnte, dass ich dann unsachlich schreiben muss. Ich schreibe dann, dass ich die restlichen neun Lieder für ihre Art genauso seelenlos halte wie das Gesamtwerk von Ashlee Simpson und dass ich dies zutiefst bedauere, weil die Band es eigentlich kann, dieses Lichtstreiffinden inmitten knietiefer Melancholie. Ich schreibe, dass ich Snow Patrol bitte, in Zukunft lieber zehn Jahre auf das nächste Album zu warten, damit sich dann dort nur die außergewöhnlichsten Lieder versammeln können und nicht dieses elende Mittelmaß. Dass Snow Patrol auf Eyes Open sämtliche ihnen zur Verfügung stehende handwerkliche Fähigkeiten benutzt haben, um durchschnittliches Songmaterial auf solides Mittelmaß zu trimmen und dass ihnen das in bewundernswerter Weise gelungen ist, außer an zwei Stellen, die mein Herz auf sehr eindringliche Art gerührt haben.
Letztlich also ist diese Kritik aus gutem Grund vollkommen subjektiv geschrieben. Und somit absolut bedeutungslos für alle, die nicht genauso Musik hören wie ich.
Fazit: Ich? Snow Patrol haben mit ihren Glockenspielen und Pianoklängen und durchschnittlichen Liedern meine Ohren größtenteils müde gespielt. Was sehr bedauerlich ist.
Stefan Petermann
Kommentare
| Franzi schrieb am 05.12.2006 um 21:19 Uhr: |
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Super! Ganz genau so sehe ich es auch…100%ig…
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