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Mein blutiger Valentin. Schuhe

Mein blutiger Valentin.

Die Shoegazer und was von ihnen übrigblieb.

Die Shoegazer-Bands, die Ende der 80er/Anfang der 90er zumindest im Underground für große Euphorie sorgten, gehören inzwischen zur Rockgeschichte. Ein Begriff, der vom NME ins Leben gerufen wurde und durch die Gitarrenwände mit dem Hang zum verträumten und dem gesenktem Blick der Gitarristen bei Liveauftritten charakterisitert werden kann. Der euphorische Liebhaber führte das Shoegazen der Gitarristen auf ein Versinken der Bands im eigenen Klang, während der nüchterne Analytiker das Ganze auf die Tatsache zurückführte, dass die Bodeneffekte, die von den Bandmitgliedern kontrolliert werden mussten, ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Geräte zu ihren Füßen fixierten.

Die Stärke der Bands war es, in sphärischen Wall Of Sounds und sägenden Gitarren zu ertrinken und zudem hinter all dem Nebel immer wieder einen unwiderstehlichen Popsong hervorzuzaubern. Die Wurzeln der Shoegazer liegen bei Bands wie den den Cocteau Twins und Jesus & The Mary Chain. Deren Just Like Honey, das viele heutzutage wohl am ehesten mit Sofia Coppolas verträumten Bildern aus Lost In Translation in Verbindung bringen, bietet zumindest einen Blick auf die Ursprünge der Musik.

Die Entwicklung verlief letztlich ähnlich wie die anderer Phänomene der Rockgeschichte. Ein kleiner kurzer Blitzschlag in Form eines Albums, das eine neue Richtung vorgibt, ein Feuer entfacht und zahlreiche Bands zuerst an die Spitze und dann in das Nichts mitreißt. My Bloody Valentine gelang mit Loveless der Durchbruch und die Selbstdefinition des Shoegazer-Sounds. Mehr oder weniger talentierte Bands wie Ride, Kitchens Of Distinction, Slowdive, Lush oder Bleach wurden ebenfalls groß und starben mit dem Ende der Bewegung aus. Alles schonmal — oder im Falle des Grunge fast zeitgleich in einem größeren Rahmen — da gewesen. Der große Wirbel um die Selbstzerstörung der Helden aus Seattle und der aufkommende BritPop-Hype auf der Insel sorgten dafür, dass die Musikrichtung noch weiter in den Hintergrund rückte und nach dem Ende einiger Bands völlig von der Bildfläche verschwand.

Übrig blieben die Slowdiver Neil Halstead und Rachel Gosswell, die mit Mojave 3 ein neues Projekt fanden, durch die größere Gewichtung des Songwritings — insbesondere auf ihrem Album Out Of Tune — wie eine Unpluggedfassung der Shoegazer wirken und zumindest im Sinne des Dreampop die eigene Tradition mit Folkklängen fortsetzen.
Neben Mojave 3 gibt es auch heute noch immer wieder Rückgriffe auf den Sound. So fiel der Soundtrack zum Film Lost In Translation, auf dem man übrigens einige neue Songs des ehemaligen My Bloody Valentine Kopfes Kevin Shields findet, überaus Shoegazelastig aus. Neben The Radio Dept., den wundervollen Malory und zahlreichen anderen eher unbekannten Bands, kommt das Duo M83 dem Shoegaze-Sound im Großteil der Songs ihres aktuellen Albums Before The Dawn Heals Us wohl am nächsten. Die Feedbackwände der alten Zeit werden dabei in ein neues Gewand gepackt und mit einer zeitgemäßen Produktion versehen. Auch sonst werden die Elemente immer wieder aufgegriffen.

Mit ihrem amüsanten Songtitel A New Start For Shoegazing Kids deuten die großartigen PostRocker Giardini di Miro auf die kleine Parallele zwischen PostRock und Shoegazing hin. Diese Parallele erkennen wir zum einen an den Gitarrenwänden und zum anderen an den Liveauftritten, bei denen Musiker wie Stuart Braithwaite ebenfalls zum Shoegazing neigen. All dies natürlich mit einem anderen Ansatz, der so Bands wie Mogwai, Mono oder Godspeed You Black Emperor in einem völlig neuen Kontext erscheinen lässt.

Letztlich bleibt der älteren Generation, die den Musikstil mitgefeiert hat, die Erinnerung an ihr Aufeinandertreffen mit dem Shoegazern, der Gedanke an das eigene Altern, wenn die Musik der eigenen Jugend in Artikeln bereits als alter Schuh bezeichnet wird, und die Möglichkeit sich immernoch an der spannenden Musik und ihren Erben zu erfreuen.

Sebastian Jegorow


Kommentare



Sebastian schrieb am 20.09.2007 um 20:48 Uhr:

26, nicht 24.


bob schrieb am 13.09.2007 um 22:55 Uhr:

Na da ist aber einer mit seinen 24 Jahren schon sowas von alt … da darf man natürlich völlig zurecht alten Zeiten hinter her trauern. Oder hast Du vielleicht doch nur mit den großen Jungs gespielt und ein paar Bandnamen aufgeschnappt?


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