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Ein wichtiger Schuh in meinem Leben. Schuhe

Ein wichtiger Schuh in meinem Leben.

Welche Schuhe unser Leben geprägt haben.

Der lilafarbene Albtraum (Sebastian)

Wir mochten uns nicht einmal und wussten genau, dass unsere Beziehung nicht von Dauer sein würde. Am Ende war ich froh, diese blöden Dinger los zu sein und doch: Meine ersten Inline-Skates bleiben im Gedächtnis wie die erste in den Sand gesetzte Beziehung. Es waren hässliche Billig-Skates für 39,90 DM aus lila Plastik. Ich knickte beim Fahren immer nach innen weg und kam voran, als hätte ich Dampfwalzen umgeschnallt. Kugellager? Wofür das denn?
In einem Anfall von Realitätsverweigerung forderte ich einen Mitschüler zu einem Wettrennen über fünf Runden um den Block auf. Er trug das neueste Modell. Nach zehn Minuten hatte er mich überrundet. Jeder Sprung, ganz egal aus welcher Höhe, endete mit dem Gefühl, sich den Fuß gebrochen zu haben. Skaten — das versprach mühelose Coolness auf acht Rollen — ich machte mich einfach nur lächerlich mit meinen Made in Taiwans. Weihnachten war unsere Zweckgemeinschaft vorbei. Ich wechselte die Preisklasse und verschenkte die alten Drecksdinger an einen mäßig gelenkigen Verwandten, den ich sowieso schon immer mal auf die Fresse fallen sehen wollte.


Keine Schlappe dank der Schlappen. (Linda)

Manchmal werde ich Opfer meiner Euphorie. So wie damals, als unser Dorf den ersten Platz beim Landjugend-Quiz belegte. Bei dieser merkwürdigen Veranstaltung gingen wir jedes Jahr als Sieger hervor, was die Freude und den Alkoholpegel allerdings nicht minderte. Im Taumel der Begeisterung sprang ich von der improvisierten Bühne, auf der unser Triumph stattgefunden hatte. Es kam, wie es kommen musste. Ich stürzte. Bänderriss. Schiene. Und das eine Woche bevor der Urlaub losging. Ich passte mit der Schiene in keinen normalen Schuh mehr hinein und musste auf ein Paar alte Schlappen ausweichen, die ich wegen ihrer Hässlichkeit abgrundtief verachtete. Überraschenderweise stellte sich aber heraus, dass ich in diesen ziemlich gut laufen konnte. Im Urlaub tobte ich kreuz und quer über die gesamte Insel, was zahlreiche Fotos belegen. Meine Schlappen und die Schiene am Strand, beim Italiener, in der Disco. Dank der Schlappen und einer großen Portion Gleichgültigkeit, was Schuhmode anging, wurde diese Reise eine der besten meines Lebens.


Sissi — Kaiserin der Grundschule. (Jasamin)

Frauen sind entweder Shoe-Addicts oder Schuh-Verachterinnen — meist steckt dahinter eine tragische Geschichte. Bei mir war das so:
Damals gab es diese schwarzen Lackschuhe mit Schnalle und rosa Blume, die ungefähr alle Mädchen in der Grundschule besaßen. Die eine trug sie nur an besonderen Tagen, die andere hatte sogar mehrere zum Wechseln — ausnahmslos alle wirkten herzallerliebst in diesem Schuhwerk aus Zuckerguss. Herzallerliebst war damals gerade total en vogue und so nervte auch ich meine Eltern bis zum Erbrechen, zwang sie geradezu zum Kauf. Normalerweise rankte sich die Erziehung meiner Eltern um ein striktes „Mais non!“ was den Mannschaftssport Mode anging, aber diesmal gaben sie nach in der sicheren Annahme, dass das Kind nur einmal selbst auf die heiße Herdplatte… undsoweiter. Kurzum: die Schuhe wurden gekauft und ich war selig wie ein Puttenengel. Jedoch vom Mitspielen auf dem Spielplatz konnte ab diesem Zeitpunkt keine Rede mehr sein. Die Schuhe zwickten und drückten, und wenn man damit einmal im Sand gespielt hätte, wäre die herrliche Pracht bis ans Ende aller Tage dahin gewesen. In dieser Zeit habe ich erfahren, wozu Schuhe wirklich da sind — zum Gehen. Ich habe mich nie mehr verkauft.


Wiedersehen mit alten Freunden. (Katharina)

Die meiste Zeit des Jahres stehen sie unbeachtet in einer Ecke. Doch wenn der erste Schnee fällt, und liegen bleibt, und meine Freunde und ich einen gemeinsamen freien Tag haben, dann kommen sie zum Einsatz: meine alten Schneestiefel. Ich besitze sie seit über zehn Jahren. Ja, ich glaube, als sie neu waren, sagten wir noch „Moonboots“ zu so etwas. Wie ich, so tragen auch sie noch die Seele der Achtziger Jahre in sich, was sich bei mir durch Wham!-Alben im CD-Regal und bei ihnen durch ein lilafarbenes Muster auf schwarzem Untergrund äußert. Silvester in den Bergen, vor Lachen vom Schlitten fallen und im Schnee rumkugeln, verträumte Winterspaziergänge und wüste Schneeballschlachten, was haben wir nicht schon alles zusammen erlebt! Wäre ich kein Stadtkind, so hätte ich sie bestimmt längst ausgetragen und durch ein neues Paar ersetzen müssen. Doch so bleiben sie da, wie zwei alte Freunde, die man von Zeit zu Zeit trifft und gemeinsam feiert.



Das Quietschen weißer Sohlen. (Stefan)

Ist nicht so, dass ich mich jemals für Schuhe interessiert hätte. Schuhe waren die Geschenke, die Weihnachten als letztes ausgepackt wurden. Praktisch, notwendig und gerade deshalb die langweiligste Sache der Welt. Und trotzdem. Ich war dreizehn, vielleicht auch vierzehn, als ich unbedingt ein bestimmtes Paar Schuhe wollte. Turnschuhe mit weißen Sohlen. Ohne weiße Sohlen war der Zutritt zur neuen Turnhalle, in der der örtliche Handballverein spielte, verboten. Also bestand ich, zum Erstaunen meiner Familie, zum ersten Mal in meinem Leben, auf den Kauf eines ausgewählten Paar von Schuhen. Ich bekam sie und ging stolz zum Training. Das Quietschen der weißen Turnschuhsohlen auf dem Hallenboden war der Soundtrack zu meiner ersten und einzigen Vereinsmitgliedschaftserfahrung meines Lebens. Das Auftaktspiel verloren wir 41:8. An den weißen Sohlen hat es nicht gelegen.

Die Redaktion


Kommentare



Claudia schrieb am 02.02.2006 um 10:22 Uhr:

Da habt Ihr mehr als ein Lächeln in mein Gesicht gezaubert! Gratuliere!


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