 Lecker essen mit Pippi.
| Autor |
Sybil Gräfin Schönfeldt |
| Titel |
Bei Astrid Lindgren zu Tisch |
| Verlag |
Arche |
| Seiten |
184 |
| Bewertung |
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Kochen ist ja so „in“, das sagt man jedenfalls. Kaum ein Sender, auf dem uns nicht mehrmals täglich die Kochlöffel um die Ohren fliegen. Ob Johannes B. Kerner oder völlig unbekannte „Stars“ beim Perfekten Promi-Dinner. Jeder rührt, schnippelt und dünstet gerade irgendwo herum und freut sich über das mehr oder weniger gelungene Ergebnis. Tim Mälzers neues Kochbuch findet ebenfalls reißenden Absatz. Entspringt diese Freude am liebevollen Kochen und gemeinsamen Essen der Sehnsucht nach festen Ritualen und traditionellen familiären Strukturen? Oder macht es einfach nur Spaß, fremden Leuten in die Töpfe zu gucken und zu sehen, wie sie ihre Schlafzimmer dekoriert haben? Man weiß es nicht.
Und jetzt auch noch JUSTmag. Warum machen die da mit und besprechen ein Kochbuch, in denen Rezepte aus den Büchern Astrid Lindgrens vorgestellt werden? Ganz einfach: weil dieses Buch etwas Besonderes ist. Weil wir Astrid Lindgren lieben und keine Kostverächter sind. Also ran an den Speck!
Bei Astrid Lindgren zu Tisch von Sybil Gräfin Schönfeldt ist anlässlich des hundertsten Geburtstages der schwedischen Kinderbuchautorin erschienen und ist so viel mehr als nur eine Rezepte-Sammlung. Immerhin wurde die „Mutter“ von Pippi, Lotta, Karlsson und Co über neunzig Jahre alt, in der Zeit kann viel passieren und viel kann auf den Tisch kommen. Und so wird dieses Buch ergänzt mit ihrer bewegten Lebensgeschichte und interessantem Bildmaterial. Das glückliche Mädchen in Småland, die alleinerziehende Mutter in Stockholm und die in aller Welt gefeierte Autorin. Auch gibt es viel zu erzählen über das Land Schweden und das Jahrhundert, das Astrid fast vollständig miterleben durfte.
Damit sind nicht nur große historische Ereignisse gemeint, sondern vor allem die Kleinigkeiten des Alltags im „Pferdezeitalter“, wie Astrid ihre Kindheit und Jugend nannte. Wie wurden Feste gefeiert? Saßen Knechte und Mägde mit dem Bauern am selben Tisch? Was aßen arme und was die reichen Leute? Die Mahlzeit ist immer auch Teil der Kulturgeschichte.
Natürlich dürfen Zitate aus Astrid Lindgrens Geschichten nicht zu kurz kommen, die fast jedes Rezept illustrieren: „Für Käsekuchen ging sie durchs Feuer. Und wenn du jemals in Lönneberga bei einem Festessen gewesen bist, dann weißt du genau wie die Maduskan, dass dort auf dem Tisch lange Reihen blinkender Kupferschüsseln mit Käsekuchen standen, den die Gäste als Geschenk überreicht hatten — als Mitbringsel, wie es in Lönneberga hieß. 'Siebzehn Käsekuchen', sagte Michel. 'Was sagst du dazu?'“
Das 'Mitbringsel', eine Originalrezept von Astrid Lindgrens Mutter Hanna, wurde bereits nachgebacken und mit größtem Genuss verspeist. Wer sich allerdings raffinierte Rezeptideen im Rahmen einer kalorienbewussen Ernährung erhofft, wird enttäuscht sein. Die Gerichte sind eher simpel und deftig. Die Småländer aus Lindgrens Zeit waren einfache Leute, die viel arbeiteten, wenig Geld hatten und nichts verkommen ließen. Darum wird sich jeder freuen, der einfache, günstige und schnelle Zubereitungen schätzt. Andere Rezepte stimmen vielleicht nicht ganz mit modernen Essgewohnheiten überein, finden aber trotzdem ihren Platz im Buch: „Wer selbst schlachtet oder von Freunden zum Schweineschlachten eingeladen wird, kann die alten Rezepte von Näs befolgen und Würste herstellen. Oder er kann den Blutkuchen probieren, der aus der russischen Küche stammt und vermutlich die Urform der Blutbrote- oder kuchen darstellt, die in Skandinavien heimisch wurden.“
Doch an diesen gewöhnungsbedürftigen Rezepten wird deutlich, wie hoch Schönfeldts Ansprüche an Vollständigkeit, Detailliertheit und Authentizität sind. Und wer weiß, ob man nicht doch mal wissen muss, wie man Wurst und Blutbrot herstellt.
Fazit: Ein Schatz. Für Fans sowieso. Außerdem für alle, die mehr Gerichte aus der schwedischen Küche kennenlernen wollen, als die Köttbullar aus der Ikea-Kantine.
Linda Wilken
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