 Blockparty.
| Band |
Santogold |
| Album |
Santogold |
| Plattenfirma |
Lizard King / Rough Trade |
| Bewertung |
 |
|
Die in New York wohnhafte Santi White gehört ohne Zweifel zu den spannendsten Popacts des musikalisch durchaus nicht armen Jahres 2008. Als letzten Winter erste geleakte Demos ihres neuen Projekts Santogold durchs Netz kursierten, war sich die Bloggerwelt schnell einig: die nächste M.I.A. kommt aus Brooklyn! So ganz von der Hand zu weisen ist der Vergleich zwischen den beiden expressiven Künstlerinnen nicht. Denn mit M.I.A. (mit der Santi übrigens auch privat gut befreundet ist) teilt sich Santi nicht nur dieselben Produzenten (Diplo, Switch), eine gewisse optische Ähnlichkeit und neuerdings sogar auch noch die Nachbarschaft — auch in musikalischer Hinsicht verfolgen beide Künstlerinnen einen ähnlich vergleichbaren eklektischen Ansatz und lassen jegliche Genregrenzen außer Acht.
Bereits die erste elektrifizierende Singleauskopplung L.E.S. Artistes, Whites dreieinhalbminütige Abrechnung mit der Möchtegern-Boheme auf der Lower East Side Manhattans, ließ Großes erahnen und gehört schon jetzt zu den Songs des Jahres. Ein unwiderstehlicher Basslauf, einige sparsam, aber gezielt eingesetzte Handclaps treffen auf eine fast schon gespenstische Strophe und münden in einen wuchtigen Gitarrenrefrain, der durch Santis (nur beim ersten Hören) befremdlichen Gesang verstärkt wird. Getoppt wird der Effekt nur noch durch das dazugehörige Splattervideo, das die Schlüsselszene des Alejandro Jodorowsky-Kultfilms The Holy Mountain Eins zu Eins nachstellt und nebenbei bemerkt dank der vielen Farbexplosionen ein echter Hingucker geworden ist. „I can say Ii hope it will be worth what I give up.“ Toll!
Hat man sich an den Style-Wirrwarr auf Santogolds gleichnamigem Debütalbum erstmal gewöhnt, macht die wirklich abwechslungsreiche Platte schnell Spaß. Santi bringt Dub, Reggae, New Wave, Hip Hop oder Elektro mit solch einer Selbstverständlichkeit unter einen Hut, als würde es schon immer zusammen gehören. So weit, so M.I.A. Das Bemerkenswerte an Santogolds Interpretation von Global Pop ist jedoch die rockige Note, die sich in auffallend viele Songs geschlichen hat. Songs wie You'll Find A Way hört man deutlich Whites Rock-Vergangenheit als Frontfrau der inzwischen aufgelösten Punkrockband Stiffed an.
Fazit: Man muss M.I.A. nicht mögen, um Santogold zu lieben. Björk und Kanye West tun es schon jetzt. Und Lily Allen hat Santi White sogleich als Songwriterin für ihr nächstes Album verpflichtet. Smells like Durchbruch? I can say I hope…
Katja Peglow
|