JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
Roman Fischer - Personare

Bewusster Kontrollverlust.

Band Roman Fischer
Album Personare
Plattenfirma Blickpunkt Pop
Bewertung 8 von 9 Punkten

„I know I can't control you“ ist der erste Satz, den Roman Fischer auf seinem neuen Album singt. Glaubt ihm nicht. Bigger Than Now ist verdammt lange her. Seht Euch doch mal das Cover an: Da ist kein blauäugiger Junge mehr, der schüchtern in die Kamera guckt. Kein weißes Hemd, kein heller Hintergrund, keine Unschuldsmiene. Stattdessen: schwarz, verschwommene Gesichtszüge, gespenstisches Licht und spiegelverkehrte Buchstaben. Dementsprechend dunkel und streckenweise ganz schön unheimlich geht es musikalisch zu. Den sanften Jungen trägt Roman Fischer noch in sich, rausgelassen hat er auf Personare zumeist ganz andere Seiten.

Vom sinnlichen Rausch des ersten Stückes I Don't Know Who You Are bis zur aktuellen Single I Can Use U vergehen nur wenige Minuten, und schon hat Euch Fischer mit jagenden Klavierriffs, getriebenen Rhythmen und unvermuteten Ausbrüchen so ziemlich in der Hand. Wen das noch kalt lässt, der gibt spätestens bei We See auf. Gegen die emotionale Intensität in den Balladen auf Personare kommt Ihr nicht an, es sei denn, Ihr haltet Euch die Ohren zu. Das wäre allerdings ganz schön blöd. Denn wer es wagt, die Kontrolle abzugeben, der wird reich belohnt.

Klanglich lässt sich das Album beim besten Willen nicht auf einen Begriff bringen, zu unterschiedlich sind die Elemente: schwebende Klavierklänge, aggressive Gitarren, sinfonische Arrangements, aufwendige Soundeffekte, dann wieder ganz schlichte Sounds. Man entdeckt Parallelen zu Interpol, zu a-ha, zu Muse, und der bisher oft zu Unrecht gezogene Vergleich mit Maximilian Hecker lässt sich nun wirklich nicht mehr vermeiden. Die Stimme des Augsburgers hat sich seit dem Debütalbum krass verändert, und reicht nun von samtweich tief über kräftig bis zu klarem Falsett. In seinen Texten betritt er unbekanntes Terrain: Beziehungen zwischen Menschen sind nach wie vor ein Schwerpunkt, doch es geht nicht nur um Liebe und Freundschaft. Dafür habe er schon sein erstes Album gemacht, meint Fischer. Stattdessen singt er über Ängste, Autorität, Wissen und Halbwissen, über die Masken, die wir tragen, um zu überleben, und über die dunklen Mächte in uns.

Roman Fischer macht sich viele Gedanken. Über die Zukunft, die Verantwortung, das Leben und den Sinn des Ganzen. Er scheut nicht davor zurück, Grenzen auszuloten und die Dinge manchmal einfach geschehen zu lassen. Das gilt auch für das Schreiben seiner Lieder. Das Schwanken zwischen Extremen, die Suche nach dem Wesentlichen, das Verkopfte und das Triebhafte, all das lässt sich auf Personare nicht nur hören, sondern sehr intensiv spüren. Roman Fischer berührt, verstört, wühlt auf und verführt mit seiner Musik in einem Ausmaß, das nur wenige erreichen.

Beim 9. Stück, Evil Keys, gibt er es dann endlich zu: „I got it all under my control.“

Fazit: Nichts für schwache Nerven.

Katharina Litschauer

Tourdates

12.11.06 Chemnitz, Brauclub
13.11.06 Frankfurt, Nachtleben
14.11.06 München, Ampere
15.11.06 Augsburg, Schwarzes Schaf
16.11.06 A — Salzburg, Rockhouse
17.11.06 Ch-Zürich, Hafenkneipe
19.11.06 Köln, mtc
21.11.06 Hamburg, tbc
23.11.06 Bremen, Tower
25.11.06 Potsdam, Waschhaus
26.11.06 Dresden, Groovestation
28.11.06 Nürnberg, Rakete
01.12.06 A — Wien, Flex


Kommentare



CL schrieb am 02.10.2006 um 16:36 Uhr:

Na da wissen wir ja, wo wir am 01.12. hingehen!! :-)



Vielleicht gefallen Euch auch diese Artikel:

XML (RSS/RDF)