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Rob Sheffield - Love is a Mix Tape

Literatur mit Herz.

Autor Rob Sheffield
Titel Love is a Mix Tape
Verlag KiWi
Seiten 250
Bewertung 7 von 9 Punkten

„Heute Nacht habe ich das Gefühl, als ob mein ganzer Körper aus Erinnerungen besteht. Ich bin ein Mix-Tape, eine Kassette, die so oft zurückgespult wurde, dass man die Fingerabdrücke auf dem Band hören kann.“

Rob, der Ich-Erzähler in Sheffields autobiographischer kurzer Erzählung, ist am Ende. Seine Frau, die lebensbejahende und impulsive Renée, ist aus heiterem Himmel an einer Lungenembolie gestorben. Einfach so und ohne Vorwarnung zieht ihm das Leben den Boden unter den Füßen weg. Von seiner großen Liebe übrig bleibt dem Witwer nur eine Kiste mit alten Mixtapes, die er und seine Liebste sich in unregelmäßigen Abständen gegenseitig aufgenommen haben. Schlag auf Fall werden diese Symbole der Zuneigung zu quälenden Relikten an endgültig vergangene Zeiten für den Trauernden: „Das Mix-Tape gehört zu dem nutzlosen Gerümpel, das Renée hinterlassen hat. Und in diese Kategorie falle ich wohl auch.“ Der plötzlich eingetretenen Leere in seinem Leben begegnet der Erzähler fortan mit dem Abhören alter Musikkassetten, Tag für Tag und Tape für Tape…

Zugegeben, die Idee „Mann erzählt seine Lebensgeschichte anhand von Mixtapes“ ist weder neu, geschweige denn sonderlich originell. Der amerikanische Rockkritiker Rob Sheffield (Rolling Stone u.a.) ist das Wagnis trotzdem eingegangen und verquickt in seinem literarischen Debütroman zwei Themenstränge, die sich sonst für gewöhnlich diametral gegenüber stehen: Pop und Tod.

Neben seiner Liebe zu seiner Frau, schlägt Sheffields Herz nämlich vor allem für eine Dekade, die bisher überraschend wenig (pop)literarisch verarbeitet wurde: die 90er Jahre. Die Ära von Nirvana, Dinosaur Jr, MTV & Co. Kurz: das Jahrzehnt, in dem Indierock zum Mainstream wurde und Rob und Renée nicht nur ihre gemeinsame Liebe zu Pavement entdeckten.

Man kann Love Is A Mix Tape als wehmütigen Abgesang auf Sheffields viel zu früh verstorbene Ehefrau lesen. Man kann es aber auch als stille Ode an die Neunziger verstehen. Beides existiert nur noch in der Erinnerung des Erzählers und die wurde selten so einfühlsam wie hier aufbereitet und miteinander verwoben.

Fazit: Musik zum lesen. Experiment gelungen.

Katja Peglow



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