 In den Startlöchern.
| Band |
Regina Spektor |
| Album |
Soviet Kitsch |
| Plattenfirma |
Sire Records/Warner |
| Bewertung |
 |
|
Als Regina Spektor letztes Jahr ihr fabelhaftes Album Begin To Hope veröffentlichte, feierte sie die Musikpresse als neue Tori Amos. Dabei vergaßen jedoch viele, dass es sich bei der Konzertpianistin aus der Bronx keineswegs um eine Newcomerin handelte, sondern um einen alten Hasen im Musikgeschäft. Die gebürtige Russin hat bereits vier Alben veröffentlicht. Soviet Kitsch ist das dritte und ein Major veröffentlicht die Platte in diesen Tagen erneut.
Spektors drittes Album markiert einen Wendepunkt in ihrem Schaffen als Musikerin und Songschreiberin. Auf Soviet Kitsch dominiert der Pianofolk der Vorgängerplatten noch stärker als der Pianopop des erfolgreichen Nachfolgers. Es ist das letzte Album vor ihrem Durchbruch mit Begin To Hope und klingt so wie Platten eben klingen, die innerhalb von nur 10 Tagen aufgenommen werden (immerhin damals schon vom Strokes-Produzenten Gordon Raphael): rau, improvisiert und düster. Wenn Regina in geschliffenen Worten ihre Ode To Divorce anstimmt oder vom Poor Little Rich Boy singt, kann von Kitsch gar keine Rede sein. Regina vermeidet es, in ihren Songs Privates preiszugeben und erfindet stattdessen lieber kleine abstruse Geschichte wie die der Limousine fahrenden krebskranken Mutter (Chemo Limo). Oder in Carbon Monoxide. Dieses erzählt in zynischen Worten die tieftraurige Geschichte eines Familienfreitods aus der Sicht eines kleinen Mädchens: „ Carbon Monoxide / Soon we'll go to sleep / no one will notice we're gone/ Cause we don't have a job to keep.“ Doch selbst solch schaurige Geschichten klingen aus Spektors knallrot geschminktem Mund wunderschön. Überhaupt ist ihre ganze Musik bestimmt von Gegensätzen. Oder wie sonst lässt es sich erklären, dass ihre begnadete Stimme so kraftvoll und zerbrechlich zugleich klingen kann? Leider wirkt das Album dann aber doch stellenweise etwas zu zerfahren, als das auf ganzer Linie überzeugen könnte. Nichtsdestotrotz offenbart sich hier das riesige einer Potential einer Künstlerin, die ihren Zenit noch lange nicht erreicht hat.
Fazit: Upcoming Star.
Katja Peglow
|