 Eins für ja, zwei für nein.
| Band |
Radiohead |
| Album |
In Rainbows |
| Plattenfirma |
www.inrainbows.com |
| Bewertung |
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Wann wäre der perfekte Zeitpunkt, In Rainbows angemessen zu besprechen? Am zehnten Oktober, im Überschwang des Hypes, dieses beispiellosen Ereignisses, als die zehn Stücke wie eine Urgewalt über den Hörer hereinbrachen? Am ersten November, drei, vier Wochen später? Hatte die Musik dann schon genügend Zeit gehabt, sich verstehen zu lassen? Oder doch erst 2008, wenn In Rainbows als „richtige“ CD erscheint, mit einer für alle Radioheadplatten so wichtigen Bildgestaltung, ergänzt um eine DVD über den Entstehungsprozess und neun weitere Lieder? Wäre es in zehn Jahren überhaupt erst möglich, dieses Album einzuordnen, in die Diskographie der Band, in die eigene Biographie, gegebenenfalls als Zäsur innerhalb der ökonomischen Musikgeschichte zu würdigen oder zu verdammen? Vielleicht ist jeder Augenblick genauso richtig und wie unzureichend, um In Rainbows zu erfassen, komplett oder nur auszugsweise.
Und, wie soll man sich dem nähern? Musikalisch? Vielleicht die auffällige Zugänglichkeit beschreiben, die schon beim ersten Mal ein vertrautes Gefühl schafft, den warmen Klang, das harmonische Miteinander von elektronischen und akustischen Elementen? Oder über die Tendenz im letzten Drittel nahezu jeden Liedes einen unerwarteten Bruch einzubauen, keiner, der verstört, aber doch eine andere Richtung einschlägt. Vorschlägt. Überhaupt bietet In Rainbows viel an; Interpretationsmöglichkeiten, Stimmungen, sorgsam gewebte Spannungsbogen, die viel von dem aufgreifen, was die Band im letzten Jahrzehnt probiert hat. Hier ist sie angekommen, hat die intensiveren Lieder als noch auf Hail To The Thief, möglicherweise weil sie schlichter, aber nie banal konstruiert sind.
Vielleicht lohnt sich über die Texte zu schreiben, die sich anfangs scheinbar zusammenfügen und als Ganzes für sich stehen könnten, ein Lied, eine Aussage, eine Absicht, dann aber oft mit einer letzten Zeile das Gegenteil behaupten und den Vorhang lüften und einen neuen Blick auf das eben Gehörte erlauben.
Blink your eyes / one for yes / two for no
Überhaupt sind es die Bilder, welche die Musik so plastisch erscheinen lassen: in vier Minuten auf den Meeresboden sinken, eine zu Boden fallende Säge, Körperfresser, Kartenhäuser, Wellen an schwarzen Stränden, zusammenbrechende Infrastrukturen. Daran sich festzuklammern trägt durch die Lieder.
Und klar: Am Ende bleibt Videotape, bleibt die Unfähigkeit, Erinnerung dauerhaft zu bannen In Red, Blue, Green, verlieren sich Gewissheiten, wenn alte Standards ersetzt werden. Ein Lied, so doppeldeutig wie zerbrechlich wie melancholisch wie zuversichtlich, kein Ende und kein Neubeginn, vielleicht so eindringlich wie selten etwas zuvor.
No matter what happens now / you shouldn't be afraid
Fazit: Wenn die Plattenindustrie zerstört werden sollte, dann mit dieser Musik.
Stefan Petermann
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