 Dieser eine Song.
Brauchen wir die Repeattaste?
Pro Und irgendwann kommt dann dieses Lied, auf das man auf Anhieb süchtig ist. Beim ersten Hören der Platte skippt man natürlich nicht zurück, die Dramaturgie des Albums soll ihre Wirkung entfalten können, so wie sie von den Künstlern erdacht wurde. Dann aber, schnell noch mal Song Nummer sieben. Und danach auf Repeat gedrückt: noch mal. Und noch mal. Beim Aufstehen. Beim Heimkommen. An der S-Bahnhaltestelle. Ohne dazwischen die Kassette zurückspulen zu müssen, so wie früher. Und ohne danach ein Lied zu hören, das in die Stimmung des Moments gar nicht passt. Es klingt ja nicht jedes Album von Anfang bis Schluss gleich. Plötzlich ergeben sich neue Zeiteinheiten. Ich weiß jetzt: fertigmachen zum Ausgehen, das ist drei mal Mack the Knife von Robbie Williams und vier mal Rock & Roll Queen von den Subways mitsingen. Meine kurze Pause um fünf dauert kostbare zwei mal Starlight von Muse lang. Einmal von Gablitz nach Wien: fünf mal Anajos Wenn du nur wüsstest lange beim Busfenster rausschauen. Und immer das Gefühl, mein Lieblingslied dauert endlos, ich kann es genießen, ohne dass es gleich vorbeigeht, wieder und wieder, bis die unersättliche Sehnsucht nach einem Stück Musik vorübergehend gestillt ist. Bei so viel anderen Dingen hat man keinen Einfluss auf das Ende. Nach der dritten Portion Haselnuss-Eis ist das Geld alle und mir ist schlecht. Die Sonne, die mich gerade so herrlich wärmt, geht gleich unter. Der köstliche Duft nach frischgekochtem Kaffee wird sich in zehn Minuten verflüchtigen. Aber mein Lieblingslied kann ich dank der Repeat-Taste immer wieder hören.
Contra
„Komm, lass noch mal hören.“ Das ist der dümmste Satz überhaupt und wir haben ihn der Repeattaste zu verdanken. Der Satz wird hauptsächlich von Menschen gesagt, die Musik „querbeet“ und „alles, was im Radio kommt“ hören und außer den Singles eines Albums nichts kennen. Eine Band ist aber mehr als nur ein, zwei Singles. Die hört der „Musikfan“ auch im Radio oder in der Disco. Wusstet ihr, dass die Kaiser Chiefs noch mehr Lieder veröffentlich haben außer I predict a riot und Everyday I love you less and less? Habt Ihr von José González etwas anderes gehört als Heartbeats? Nein, dann habt Ihr Hints verpasst. Das ist schon der beste Grund, aus dem die Repeattaste ungedrückt bleiben sollte. Wer ein Lied auf einem Album nicht mag, kann es ja wegskippen, aber nicht ein Lied gut finden und dann nur noch dieses eine Lied hören. Ihr habt 16,99 Euro für eine CD bezahlt oder sie mühsam „geborgt“ und dann wollt Ihr sie nicht mal ganz anhören? Das könnt Ihr mit James Blunt machen. Für den ist aber eher die Stoptaste als die Repeattaste erfunden worden.
Katharina Litschauer / Kerstin Petermann
Kommentare
| BlackID schrieb am 18.12.2007 um 22:41 Uhr: |
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Wer James Blunt als Grund für die Stop-Taste ansieht, kann ja nicht sonderlich nah an meiner Meinung sein. Das ist schon allein deswegen unsinnig, als das die Lieder von James Blunt miteinander sehr harmonisch sind — böse Zungen würden behaupten „da hört sich eins wie das andere an“. Von daher würde ich mal behaupten das „Contra“ ein blöderes Beispiel nicht hätte wählen können.
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