 Haha dem Führer.
Dürfen wir über Nazis lachen?
Pro
Ist ein Mensch ein Tierquäler, nur weil er Anti-Vegetarierwitze erzählt? Nein. Ist ein Mensch Antisemit oder Faschist, weil er Naziwitze erzählt? Offensichtlich schon, denn wo sonst kommen die erschrockenen Hände vorm Mund her und das pikierte Hüsteln, wenn ein Witz mit Adolf Hitler anfängt; oder wenn sogar ein ganzer Film ein einziger Naziwitz ist. Natürlich geht es darum, nie zu vergessen, dass es das Dritte Reich gab. Es gibt aber immer Leute, die uns an „diesen schwärzesten Teil unserer Vergangenheit“ erinnern: Guido Knopp, Charlotte Knobloch und unsere Geschichtslehrer. Das sind Leute, die noch eine persönliche Beziehung zu der Zeit haben; sei es, weil sie sie noch (fast) miterlebt haben oder weil sie sich sehr intensiv damit befasst haben. Wie aber sollen die damit umgehen, die keine Beziehung zu der Zeit haben? Ich kenne das Dritte Reich aus Erzählungen meiner Großeltern. Jedes Mal, wenn mein Großvater „vom Krieg“ erzählt, wird mir bewusst, dass ich nie verstehen werde, was damals passiert ist. Daran kann auch der hundertste Film von Guido Knopp nichts ändern. Bald wird eine Generation heranwachsen, die nicht einmal von ihren Großeltern erzählt bekommen kann, was im Dritten Reich geschah. Wir brauchen also eine neue Form, mit der Vergangenheit umzugehen. Wir können ja auch nicht bis an Ende der Zeit von Ossis und Wessis reden, weil es sie irgendwann einfach nicht mehr gibt. Schon jetzt lachen wir viel entspannter über die Ossiwitze, weil wir wissen, dass wir nicht mehr so unterschiedlich sind. Dieses Wissen und den Ausdruck, den wir ihm mit den Witzen geben, bringt uns näher zusammen. So sollte es irgendwann auch mit Deutschland und Israel geschehen. Es ist also gut, dass es anlässlich des Helge-Schneider-Films nicht nur erschrockene Hände vorm Mund gibt, sondern auch herzhafte Lacher. Georg Sesslen hat zu dem Film ganz richtig bemerkt: „Das Lachen gehört zur Befreiung.“
Contra
Ich stelle mir diese Szene lebhaft vor: Ein 24-jähriger Durchschnittsheranwachsender geht in eine Vorstellung von Mein Führer mit Helge Schneider. Er lacht sich halbtot, schafft eine große Cola und einen Eimer Popcorn. Einige Tage später diskutiert er mit seinen Freunden: „Ich habe ja gar nichts gegen Ausländer, aber warum kriegen deutsche Arbeitslose weniger Geld als diese Asylbewerber. Da kann doch was nicht stimmen.“ An den Film erinnert er sich zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr.
Viele Menschen denken: Es kann nicht falsch sein, über Hitler zu lachen. Sicher, moralisch verwerflich ist das nicht und befreit sogar. Was aber passiert, wenn Millionen über Hitler lachen? Entweder übersieht der Zuschauer vor lauter Gags, um was es in dem Film eigentlich geht, oder er denkt ab sofort: „Die Nazis waren ja ein unfähiger, trotteliger Haufen. Wie haben die es eigentlich an die Macht geschafft?“ Das ist bei Helge Schneiders Film genauso wie beim zu Tode gelobten Der große Diktator mit Charlie Chaplin. Einmal sah ich Sein oder Nichtsein, die lustigste aller Nazi-Parodien, danach konnte ich den Nationalsozialismus einfach nicht mehr ernst nehmen. Da aber liegt das Problem. Falls jeder so denkt wie ich, hat der Film einen Nutzen. Doch wenn auch nur eine Minderheit weiterhin Nazi sein will, schadet der Film. Weil er die Wachsamkeit schwächt. Erst viel zu spät würden wir feststellen: Huch, jetzt müssen wir aber schnell was gegen die Nazis tun. Die Nationalsozialisten im Dritten Reich waren keine Dilettanten. Zumindest hat es gereicht, zwölf Jahre lang die Macht in einem Staat zu halten und sechs Jahre lang einen Krieg zu führen, in dem knapp 60 Millionen Menschen umkamen. Wer vor einer schrecklichen Idee warnen möchte, stellt sie am besten so schrecklich dar, wie sie ist.
Kerstin Petermann / Sebastian Dalkowski
Kommentare
| lol schrieb am 02.08.2007 um 17:27 Uhr: |
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„Ich habe ja gar nichts gegen Ausländer, aber warum kriegen deutsche Arbeitslose weniger Geld als diese Asylbewerber. Da kann doch was nicht stimmen.“
Also, solche Gedanken werden sicher nicht durch diesen Film hervorgerufen. Ich kann mich auch noch erinnern, dass wir früher keine Wohnung gefunden hatten, weil die alle an Ausländer vergeben wurden. Klar ist man dann angekackt, aber deshalb noch kein Nazi. Und mit dem Film (oder anderen) hatte das auch nichts zu tun.
Im Übrigen sind sich sicher so einige der Gefahr aufkeimendem Neonazitums bewusst. Aber wer tut denn schon was dagegen? Der Staat tut ja auch nichts, wie in so vielen anderen Fällen. Wieso soll man sich also als einziger die Fresse polieren lassen? Da wäre man ja schön doof. Unterschriften sammeln. Darf man lachen? Wer sich durch einen solchen Film nicht den Spiegel seiner eigenen Dummheit vorhalten lassen will, der wird auch so ewig dumm bleiben. Ob mit oder ohne Film ist dann unerheblich.
danke schoen, endlich mal einer mit verstand der einen kommentar dazu gibt. wenn ihr alle nach diesen filmen handelt oder denkt das andere das machen dann seit ihr in eurer eigenen welt eingeschraenkt und kommt einfach nicht damit zu recht was damals geschah und worueber heute noch leute reden oder selbst das was man noch sieht in der heutigen zeit.ich weiss selber wie es ist.hatte schon fuer eine wohnung und fuer einen job geschaut aber hab beides nicht bekommen, warum denkt ihr wohl. die antwort brauch ich euch ja nicht sagen. dieses denken macht mich aber nicht zu einem nazi und dafuer hab ich auch einen grund da ueber 80% meiner freunde russen,albaner,tuerken,polen und sonst woher kommen.leute denken viel zu eingeschraenkt in der heutigen welt. ich finde es gut wenn ein auslaender einen guten job bekommt wenn er dafuer was in seinem leben getan hat. es ist ueberall gleich auf dieseer wlt.einer bekomt einen guten job der andere wiederum nicht.gebt euch selbst die schuld denn ihr alleine koennt das nur aendern in[…]
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| martin schrieb am 19.01.2007 um 19:08 Uhr: |
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ich empfand den film nicht als komisch und fragte mich während der vorstellung was es da überhaupt zu lachen gab. meiner ansicht nach hat der film sein ziel eine komödie zu sein im warsten sinne verfehlt. zum einen ist der nationalsozialismus und adolf hitler ein schweres thema für eine komödie die dazu dann auch noch lustig sein soll. der film ist es aber allerdings überhaupt nicht. der film ist eher beklemmend, irritierend und auf eine gewisse art emotional, so etwa in der art: „stellen sie sich vor es wäre so gewesen… mein führer“. besonders die szene mit der der film endet beispielsweiße nimmt dem film doch jeglichen, bereits zuvor nichtvorhandenen humor. die szene ist grausam und erschreckend. mein führer eignet sich besten falls als tragik komödie, oder als doku drama mit verfälschter handlung der wahrheit. ich gehöre nicht zu den sog. „gut-menschen“ die dem film übertriebener weiße nazi sympathie zusagen. ich empfand den film nur einfach nicht als lustig, so als hätte er sein ziel verfehlt. wobei man sich eben auch bewusst sein muss dass am nationalsozialismus nichts lustig war „im besten fall“ skuriel oder verquert alles andere weiß man ja… die darsteller insbesondere helge schneider spielen ihre rollen sehr gut, was die leistung der schauspieler angeht gibt es im gesamten nichts zu kritisieren, in welcher form der film dem zuschauer schmackhaft gemacht werden und als komödie verkauft werden will schon.
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| martin schrieb am 19.01.2007 um 19:04 Uhr: |
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ich empfand den film nicht als komisch und fragte mich während der vorstellung was es da überhaupt zu lachen gab. meiner ansicht nach hat der film sein ziel eine komödie zu sein im warsten sinen verfehlt. zum einen ist der nationalsozialismus und adolf hitler ein schweres theam für eine komödie die dazu dann auch noch lustig sein soll. der film ist es allerding nicht. der film ist eher beklemmend, irritierend und auf eine gewisse art emotional so etwa in der art: „stellen sie sich vor es wäre so gewesen… mein führer“. besonders die szene mit der der film endet beispielsweiße nimmt dem film doch jeglichen bereits zuvor nichtvorhandenen humor. die szene ist grausam und erschreckend. mein führer eignet sich besten falls als tragik komödie, oder als doku drama mit verfälschter handlung der wahrheit. ich gehöre nicht zu den sog. „gut-menschen“ die dem film übertriebener weiße nazi sympathie zusagen. ich empfand den film nur einfach nicht als lustig, so als hätte er sein ziel verfehlt. wobei man sich eben auch bewusst sein muss dass am nationalsozialismus nichts lustig war „im besten fall“ skuriel oder verquert alles andere weiß man ja… die darsteller insbesondere helge schneider spielt seine rolle sehr gut, was die leistung der schauspieler angeht gibt es im gesamten nichts zu kritisieren, in welcher form der film dem zuschauer schmackhaft gemacht werden und als komödie verkauft werden will schon.
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| T&L schrieb am 17.01.2007 um 16:37 Uhr: |
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Vielleicht sollte man sich selbst daran erinnern, das nicht über die Taten und Ereignisse gelacht wird, sondern über die Täter. Hitler-Witze sind ja inzwischen überall und immer präsent und die meisten verunglimpfen nicht den Holocaust oder die Opfer des Nationalsozialismus sondern die Rolle der Täter. Viele Menschen lachen über Hitler und genausoviele machen ihre Späße über den Kerl ohne die Ereignisse damit in den Schatten stellen zu wollen. Das wirklich schlimme ist das so ein Hanswurst wie Hitler einer war (jetzt mal ohne das sich Helge seiner Rolle annahm) in seiner ganzen Lächerlichkeit und Einfältigkeit bewundert wurde und Anhänger hatte. Man sollte sich nicht darüber sorgen machen, das Leute über das Böse (oder Hitler lachen) man sollte sich Gedanken über die machen, die es unterstützen. Außerdem denke ich, das die meisten Menschen unterscheide können zwischen einer Komödie und der Realität — ebenso wie die meisten zwischen ihrem richtigem Leben und „Gewaltcomputerspielen“ zu unterscheiden in der Lage sind. (Aber vielleicht setzte ich damit wieder zuviel Hoffnung in die Menschheit!)
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| hitlerizer 1.0 schrieb am 11.01.2007 um 10:15 Uhr: |
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„Diese Däskossäon kennt nor Prrro!“
Taken von: http://hitlerizer.sarento.de/index.php
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| ruhe schrieb am 04.01.2007 um 01:23 Uhr: |
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„Er lacht sich halbtot, schafft eine große Cola und einen Eimer Popcorn.“
Das ist der ekligste Satz, den ich je gelesen habe.
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| Sebastian schrieb am 04.01.2007 um 01:17 Uhr: |
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Ich wollte ja nicht sagen, dass solche Gedanken WEGEN des Films hervorgerufen werden, sondern TROTZ des Films. Weil viele eben nur eine lustige Komödie darin sehen.
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| Fan von Helge schrieb am 04.01.2007 um 00:51 Uhr: |
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„Ich habe ja gar nichts gegen Ausländer, aber warum kriegen deutsche Arbeitslose weniger Geld als diese Asylbewerber. Da kann doch was nicht stimmen.“
Also, solche Gedanken werden sicher nicht durch diesen Film hervorgerufen. Ich kann mich auch noch erinnern, dass wir früher keine Wohnung gefunden hatten, weil die alle an Ausländer vergeben wurden. Klar ist man dann angekackt, aber deshalb noch kein Nazi. Und mit dem Film (oder anderen) hatte das auch nichts zu tun.
Im Übrigen sind sich sicher so einige der Gefahr aufkeimendem Neonazitums bewusst. Aber wer tut denn schon was dagegen? Der Staat tut ja auch nichts, wie in so vielen anderen Fällen. Wieso soll man sich also als einziger die Fresse polieren lassen? Da wäre man ja schön doof. Unterschriften sammeln. Darf man lachen? Wer sich durch einen solchen Film nicht den Spiegel seiner eigenen Dummheit vorhalten lassen will, der wird auch so ewig dumm bleiben. Ob mit oder ohne Film ist dann unerheblich.
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