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Die Explosion feiern.

Die Explosion feiern.

Pro und Contra: den Musikhype mitmachen.

Pro

Worum geht es denn bitte im Pop? Um aufsteigen, explodieren und verglühen.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich mir das erste Album der Strokes kaufte, weil alle darüber redeten, die irgendwie mit Musik zu tun hatten. Ich kaufte sie mir sogar in Edinburgh. Megacool. Die Single Hard To Explain machte mich wahnsinnig euphorisch, ich bewegte mich dazu sehr schnell in meinem Zimmer. Dass ich den Rest des Albums erst nach zwei Jahren gut fand und zuvor richtig langweilig, gab ich nicht mal vor mir selbst zu. Im Nachhinein frage ich mich manchmal: Musste das sein? Habe ich es nicht übertrieben? Sind die Strokes danach nicht furchtbar abgestürzt? Ja. Nein. Ja, aber egal. Es geht doch darum, die Band in dem Moment abzufeiern, in dem sie alle gut finden. Wie blöd ist das denn, heute noch mit dem Spruch anzukommen: „Habe gerade mal 'I bet you look good on the dancefloor' von den Arctic Monkeys gehört. Finde ich total super.“ Ach ne, schönen Tag noch.
Klar, wir fühlen uns alle besser, wenn wir eine Band bereits vor dem Hype abfeiern, als hätte uns irgendwas gestochen. Aber wer geht schon in ein Stadion und jubelt bereits drei Sekunden, bevor das Tor fällt? Sieht blöd aus, macht keinen Spaß.

Ich freue mich schon auf das neue Ding aus England. Es kommt übrigens aus Österreich und heißt Soap & Skin.

Contra

Und schon wieder eine neue The-Band aus England, wie aufregend. Der aktuelle Song läuft im Radio rauf und runter. Die Konzertkarten kosten das dreifache wie die anderen Acts im selben Club. Und seit einer Woche gibt es endlich die erste CD zu kaufen. „Waaas, du hast das Album noch nicht?“, fragen meine Freunde ganz erstaunt. Nein, ich habe das Album noch nicht. Ich werde es mir auch nicht kaufen. Und in einem Jahr werdet ihr wissen, warum. Weil die nämlich um nichts aufregender sind als die letzten zehn angeblichen Sensationen, die nach der ersten Single nur mehr mittelmäßiges produziert haben.

„Aber du magst doch auch Soap & Skin, die wird ja wohl mächtig gehypet“, muss ich mir dann sagen lassen. Ja, ich mag Soap & Skin, allerdings schon seit Monaten. Und als ich sie das erste Mal gehört habe, wusste ich weder, wer sie war, noch was die Medien mit ihr machen. Es ist ein Unterschied, ob man eine Band wegen ihrer Musik liebt oder weil alle sie lieben.

Letzteres kann sogar was kaputt machen. Da gibt es diesen einen Sänger, der bisher nur in ganz kleinen Clubs gespielt hat. Vor ein paar Wochen noch war es ein Zeichen von großer Seelenverwandtschaft, wenn jemand seine CD auch kannte. Dann: der Hype. Und plötzlich kennt jeder, der Indie nicht mit Bollywood verwechselt, den Namen des Sängers. Natürlich gönnen ihm seine Fans den Erfolg, doch der Medienrummel passt nicht zu ihm. Weil er gut ist, wird er den Hype überleben und weiterhin wunderbare Musik schreiben. An die The-Bands des Jahres 2008 wird sich dann keiner mehr erinnern. Hoffentlich.

Sebastian Dalkowski / Katharina Litschauer



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