 Song-Recycling.
Coverversionen: Billiger Effekt oder notwendige Huldigung?
Pro
Ich behaupte mal pauschal: Ohne Coverversionen keine Populärmusik. Presley coverte Big Mama Thornton, die Beatles Chuck Berry, Nirvana die Pixies und die Pet Shop Boys Presley. Weil Musik sowieso schon immer auf sich selbst verwiesen hat und sich nur selten neu erfindet, variiert sie eben. Wieso also die offensichtlichen Referenzen verschämt verschweigen? Blues macht das auch nicht und behält sein ewiggleiches Schema erfolgreich seit zwei Jahrhunderten bei. Warum nicht die Vorbilder ehren, indem man sie covert?
Schließlich beginnen die meisten Bands so. Indem sie Songs ihrer Vorbilder interpretieren, entdecken sie ihren eigenen Stil. Und machen sich dann im Gegenzug die fremden Lieder zueigen. Es ist der Sänger, nicht das Lied, heißt der Allgemeinplatz. Und der war nie so wahr wie in diesem Fall. Wir reden hier nicht von den Deppenkirmesmusikanten, die meinen schneller Beat = neues Lied. Wir reden von Musikern, die das Original mit Respekt behandeln. So wie das die Flaming Lips mit „Can't Get You Out Of My Mind“ getan haben. Aus dem kleinsten Sandkorn kann so eine neue Welt entstehen.
Contra
Ich behaupte mal pauschal: Coverversionen sind Armutszeugnisse. Ich spreche hier nicht von guten Songwritern, die in der Lage sind, selbst qualitativ hochwertige Musik zu schreiben, und die spannende Neuinterpretationen von alten Songs kreieren. Ich spreche von den Charts-Püppchen und Eintagsfliegen, die ein Lied aus vergangenen Tagen hernehmen und ohne großen Aufwand in ein zeitgemäßes Sound-Kleid zwängen. Dies geschieht entweder in der Hoffnung, dass Teenager es für ein Original halten („Kennst du schon Father And Son von Boyzone?“) oder im Vertrauen auf die Marktwirksamkeit der Sehnsucht nach vergangenen Tagen („Das war doch der Song, den wir auf Klassenfahrt immer gehört haben!“).
In beiden Fällen geht es nicht um Musik, sondern um Geld. Das tut es zugegebenermaßen bei vielen Neukompositionen auch. Doch da geschieht die Kommerztat, ohne, dass gute Songs hirnlos nachgeträllert werden (The Promise You Made-Cover von Kate Ryan), ohne, dass gut arrangierten Balladen mit Gewalt der Klang der aktuellen Charts übergestülpt wird (Mandy-Cover von Westlife), und ohne, dass Lieder ihrer Besonderheiten beraubt werden und als Ersatz billige Effekte umgehängt bekommen (Break My Stride-Cover von Blue Lagoon).
Stefan Petermann / Katharina Litschauer
Kommentare
| Tom schrieb am 19.04.2006 um 18:15 Uhr: |
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gute interpretationen sind zB :
Death Cab For Cutie — This Charming Man Travis — Hit Me Baby One More Time Biffy Clyro — Take Me Out Arctic Monkeys — Love Machine Corinne Bailey Rae — Munich Lost Prophets — Cry Me A River Keane — With Or Without You Maximo Park — Shiver Starsailor — Push The Button Ordinary Boys — All The Things She Said Franz Ferdinand — What You Waiting For?
mal im internet suchen ;) und meinung abgeben!!
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| Jonas schrieb am 14.04.2006 um 23:32 Uhr: |
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ich finde das covern sollte zu komerziellen zwecken eigentlich ein tabu sein
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| Name schrieb am 13.04.2006 um 11:57 Uhr: |
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So lange man daraus nicht eine Singel macht find ich covern aber so Popsternchen die einfach nicht mehr wissen wie sie ihr MTV-Gugenden Fans befriedigen können und dann irgendein Cover in die Runde schmeißen kotzen mich an das zeigt so richtig wieviel Respekt man zu den echten Interpreten hat.
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| Denniso schrieb am 05.04.2006 um 15:36 Uhr: |
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Wirklich widersprechen tut ihr euch ja nicht.
Und wer das Spätwerk von Johnny Cash hört, weiß ganz bestimmt, wo der Reiz von Cover-Versionen liegen.
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