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Kerstin Gleba & Eckard Schumacher (Hg.) - Pop seit 1964

Ist doch nur Pop?

Autor Kerstin Gleba & Eckard Schumacher (Hg.)
Titel Pop seit 1964
Verlag KiWi
Seiten 411
Bewertung 7 von 9 Punkten

Pop und Literatur — das sind zwei, die sich nicht verstehen. Bis heute ist der Begriff 'Popliteratur' ein Fremdkörper im deutschsprachigen Literaturbetrieb geblieben, „der für Unruhe sorgt, den manch einer loswerden möchte, der aber selbst dann, wenn man ihn für tot erklärt, immer wieder auftaucht.“ Anders als der große und geachtete Bruder Pop Art oder sogar die Pop-Musik, konnte sich der kontrovers diskutierte Begriff bis zum heutigen Zeitpunkt nicht von den Fesseln der „Oberflächlichkeit, Inhaltslosigkeit, Konsumismus, Affirmation“ befreien und wird zumeist als abqualifizierender Begriff von der Literaturkritik verwendet. Pop und Literatur dürfen (zumindest hierzulande) scheinbar nicht zusammen gedacht werden.

Dabei ist die ewige Kritik an der Popliteratur doch so alt wie die Sache selbst. Die jetzigen Vorzeige-Popliteraten und Gründerväter der „Anti-Literatur“ wie H.C. Artmann oder Rolf Dieter Brinkmann gelten heute als Repräsentanten einer anspruchsvollen und subversiven Popliteratur. Damals jedoch sah die Sache noch ganz anders aus. Der Tonfall, in dem die Erzeugnisse der Autoren rezipiert wurden, unterscheidet sich aktuell kaum „von den Polemiken […] die sich Ende der 1990er Jahre gegen die neue Pop-Literatur richten.“ Eine Kanonisierung in den altehrwürdigen Literaturbetrieb scheint bei Benjamin von Stuckrad-Barre oder Christian Kracht also nur noch eine Frage der Zeit zu sein — so der Tenor des Buches.

Historisch gliedert sich die Anthologie in drei Zeitstufen: 1964 (der Geburtsstunde von Pop), 1982 (Goetz, Diederichsen, Drechsler) und 1990 (Stuckrad-Barre, Dath, Meinecke). In der illustren Autorenliste tummelt sich Erwartbares (Brinkmann, Stuckrad-Barre), Überraschendes (Jelinek, Handke) und manchmal auch schlichtweg Absurdes (Hennig von Lange). All die genannten Autoren eint ein Affekt gegen das Bildungsbürgertum und eine ausgesprochen deutliche Fixierung auf die Gegenwart. Die Auswahl der Texte reicht von Romanauszügen, Gedichten, Essays bis hin zu anstrengenden Cut-up-Collagen. Dass die Qualität der literarischen Beiträge bei solch unterschiedlichen Autoren durchwachsen ist, versteht sich nahezu von selbst und soll die Qualität des umfangreichen Pop-Readers in keiner Weise schmälern.

Fazit: Ein ausführlicher Rundumschlag durch das gar nicht mal so seichte Gefilde der Popliteratur. Eine längst fällige Anthologie.

Katja Peglow



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