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Pelle Carlberg (30.03.2006)

Die Macht des Elches.

Band Pelle Carlberg
Ort Stereo Wonderland (Köln)
Datum 30.03.2006

In einem Wohnzimmer hängt ein blinkender Jägermeister-Elch. Er tut, was seine Aufgabe ist und befiehlt mit Hilfe seiner telepathischen Kräfte allen Gästen, Jägermeister zu trinken. Die meisten tun es und stehen dann rum und erzählen. Es ist wie auf jeder Party: Man drängelt, kennt mal jemanden, zwängt sich durch und trinkt Jägermeister. Aber auch ein Elch braucht mal Urlaub. Und dann flüstert er jemand anderem zu, er möge ihn vertreten. Er flüstert es an diesem Abend Pelle Carlberg zu. Der steht an der Bar und will eigentlich nur sein Bier trinken. Erschrocken dreht er sich um: „Wie, ich? Was soll ich machen?“ Aber der Elch nickt ihm mit einem tiefen Brummen zu.

Das Wohnzimmer ist nun kein Wohnzimmer mehr und heißt jetzt Stereo Wonderland und ist ein Club in Köln. Ein kleiner Club, dessen noch kleinere Bühne Pelle Carlberg — Elch-beflügelt — im Sturm nimmt.
Du bist ein Entertainer. Du bist ein Entertainer, hat der Elch ihm zugeflüstert. Deshalb schafft es der Schwede, schon mit einer deutschen Ansage die Partygesellschaft für sich zu gewinnen. Deshalb fragt er in die Runde, ob jemand Gitarrensaiten wechseln kann, als seine reißt und er erst mal ohne weiter spielt beziehungsweise beim Spielen die kaputte Saite rauszieht. Christoph kann eine Saite wechseln, verschwindet mit Pelle backstage und wird fünfzehn Minuten später mit Applaus wieder begrüßt. Während dieser fünfzehn Minuten übernimmt Henrik die Mission des Elches: Animiere die Leute, kontrolliere die Leute. Henrik Nilsson ist die Band von Pelle. Mehr als zwei Beine und zwei Arme braucht sie nicht, um Pelle abwechselnd mit Bass, Banjo, Keyboard und Schlagzeug zu begleiten.

Henrik spielt also fünfzehn Minuten lang seine eigenen wunderschönen, schwedischen Lieder am Keyboard. Dann übernimmt Pelle wieder. Er stimmt Riverbank an. Wie er das DubDubDub DubDub DubDubDub am Anfang singt, klingt es, als hätte er nie etwas anderes gemacht; als wäre es seine eigene Sprache. Und es ist eine sehr fröhliche, mitreißende Sprache. Irgendwo zwischen schwedischer Schlichtheit und kindlicher Unbekümmertheit. Alles, was auf der Platte selbstironisch aber auch verletzlich ist — heute ist es swingend, berührend und fesselnd; und verflixt charmant.

Alles im Dienste des Elches, der animieren will. Vom Elch beauftragt scheint auch der Rosenverkäufer, der als ungebetener aber gern belächelter Gast auftaucht und sich gleich in die Bühnenshow einbaut, indem er Pelle und Henrik je eine Rose überreicht. Er lacht freundlich in die Runde — auch als keiner eine Rose kaufen möchte — und verschwindet wieder.

Pelle hat also das Mikrofon wieder und nutzt das, um eine kleine Schwedischstunde zu geben: Die deutschen Städtenamen heißen auf Schwedisch genauso wie auf Deutsch.
Bei all der Unterhaltung darf man aber nicht vergessen, dass der Elch Pelle zum Entertainer gemacht hat. Eigentlich ist Pelle auch nur ein Mann, der sich freut, dass endlich Frühling wird. Er freut sich auch, als er vom Händchenhalten singt und sieht, dass sich ein Pärchen in der ersten Reihe an den Händen fasst. Er ist der einzige, der es sieht und er lächelt. Die anderen applaudieren. Auch der Elch, der aus dem Urlaub zurück kommt und ab jetzt die Unterhaltung wieder übernimmt.

Kerstin Petermann





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