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Pal H. Christiansen - Die Ordnung der Worte

Déjà vu.

Autor Pal H. Christiansen
Titel Die Ordnung der Worte
Verlag Rockbuch
Seiten 238
Bewertung 4 von 9 Punkten

Schräge Vögel gibt es in der sogenannten Popliteratur wirklich schon genug. Liest man aber Die Ordnung der Worte, ist es so, als träfe man auf der Straße Gesichter, die einem irgendwie bekannt vorkommen. Dieser mäßig erfolgreiche Autor Hobo Highbrow, um den es hier geht, wirkt wie eine Collage aus den Macken bekannter Romanfiguren der vergangenen Jahre.

Die norwegische Antwort auf unseren Herrn Lehmann soll er sein, und das ist gar nicht so abwegig. Wie Sven Regener benutzt Christiansen das Motiv des „aufgeblasenen, rechthaberischen und unzuverlässigen“ Protagonisten, der dennoch „liebenswert“ ist. Da gibt es exzentrische Künstlerfreunde (den Schrottkünstler Haagen, der doch sehr an Lehmanns Freund Karl erinnert), die Stammkneipe Vier Hühner, in der Lebensweisheiten und jede Menge Bier über die Theke wandern und natürlich die Probleme und Rätsel, die mit Frauen Hand in Hand gehen. Hobo bringt seinen Roman über einen Nistkastenbauer nur mit seiner schäbigen Schreibjacke zu Papier (mmh… kennen wir das nicht aus den Wonderboys?) und weiß alles über seine Lieblingsband a-ha. Ansonsten gibt es aber nicht viele lebensnahe Dinge, die er wirklich weiß. Seine einzige Leidenschaft neben a-ha ist die norwegische Sprache. Nur seine bodenständige Freundin Helle gibt ihm einen Bezug zum Alltag und bringt sein Leben auf die Reihe. (Gab es da nicht schon so jemanden in High Fidelity…?) All das irritiert, genauso wie die Tatsache, das Hobos Freunde Hermann, Higgins, Haagen, Hagbart, Helle und Harald heißen.

Doch genug gemeckert, Christiansen als reinen Abschreiber zu kritisieren, wäre unfair. Immerhin ist dies der fünfte Roman des preisgekrönten Autors, da muss doch irgendwas Eigenständiges dahinterstecken.

Die Stärke dieses Romans beruht auf der wirren Gedankenwelt des Hobo Highbrow. Er ist unfähig zu kommunizieren und besitzt eine lebendige Phantasie, die eine erstaunliche Eigendynamik entwickelt. Kaum berührt ein fremder Mann beiläufig die Hand seiner Freundin, ist er bereits der wahre Vater ihres ungeborenen Kindes. Wird Hobo auf der Straße gegrüßt, dann natürlich nur, weil er als „berühmter Autor“ erkannt wurde. Im Supermarkt glaubt er rein zufällig Bandmitglieder von a-ha zu sehen, mit denen er sich seelenverwandt fühlt: „Mir wird einfach nur schlecht von dem ganzen Misstrauen, das Leuten entgegengebracht wird, die wirklich was drauf haben. Ich habe das schon am eigenen Leibe erfahren und verstehe ganz gut, wie es a-ha gegangen sein muss. Ich glaube, die Jungs halten das aus, aber es gefällt mir überhaupt nicht, das mit ansehen zu müssen. Das sagt viel über dieses Drecksloch aus, das wir Norwegen nennen. Hier haben wir also ein paar intelligente, äußerst talentierte Menschen, die ihren eigenen Weg gehen. Aber sind sie irgendwann gut genug? Mitnichten.“

Hobo hält sich selbst für das unverstandene Talent, merkt aber nicht, dass er sich immer mehr in eine Traumwelt verstrickt. Kein Mensch kennt ihn, seinen Job als Lektor bei einem Boulevardblatt hat er verloren, sein neuer Roman kommt nur schleppend voran. Und diesen harten Kontrast zwischen Illusion und Realität zu verfolgen, ist stellenweise sehr amüsant. Erst zum Schluss, als er mit seiner schwangeren Freundin im Wartezimmer eines Krankenhauses sitzt wird klar, dass auch er sich irgendwann der Welt stellen und erwachsen werden muss.

Fazit: Was Christiansen hier macht, wäre vor zehn Jahren noch sehr originell gewesen.

Linda Wilken



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