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Die zweite Wahl.

Die zweite Wahl.

Im Schatten der ersten großen Liebe.

Aus der Serie (No) Sex In The City:

Kaum eine Beziehung bleibt so klar im Gedächtnis haften wie die erste große Liebe.
Die Lieder, Bücher und Filme darüber sind ungezählt. Die verbrauchten Taschentücher, wenn die erste Liebe zerbricht, sind es auch. „Wir sind fünfzehn und wir werden nicht zusammenbleiben.“, singt Bernd Begemann. Und seien wir mal ehrlich: Die wenigsten behalten ihre erste große Liebe. Denn die meisten erleben ihre erste feste Beziehung in einer Zeit, in der sich alles rasend schnell verändert. Jobs, Interessen, Wohnorte. Irgendwann passt es einfach nicht mehr. Außerdem muss ja noch ausgetestet werden, was sonst so „auf dem Markt“ ist.

Dennoch: Je mehr Zeit seit der Trennung vom ersten festen Partner verstrichen ist, desto mehr wird er verklärt. Die Unsicherheiten und Probleme verschwinden, die schönen Momente überwiegen. So übel war er/sie doch eigentlich gar nicht. Das mit dem Fremdküssen…okay. Man selbst hat ja auch Fehler gemacht. Und das man sich auseinander gelebt hat…na ja. Nichts, was nicht mit ein wenig Mühe wieder zu beleben gewesen wäre. Schade eigentlich… So wird sich eine Vergangenheit zurechtgedacht, mit der es sich leichter und friedvoller leben lässt, die mit der Realität allerdings nicht viel zu tun hat. Ein neuer Partner hat es dann nicht leicht.

Hier sind wir auch schon beim Thema, das viel zu wenig Beachtung findet: Die zweite große Liebe.

Es ist gar nicht so übel, die zweite Freundin von jemandem zu sein. Die ersten Erfahrungen sind gemacht (und das nicht nur in sexueller Hinsicht). Der Partner weiß schon besser, was er von einer Beziehung erwartet und vor allem, was und wen er will. Kann sein, dass er viel von seiner Exfreundin erzählt, dich manchmal auch mit ihr vergleicht. Aber das muss nicht heißen, dass er dich liebt, weil du ihr ähnelst. Sondern er liebt dich vielleicht gerade deshalb, weil du anders bist. Problematisch wird es nur, wenn die Ex zu große Schatten wirft. Denn am besten ist natürlich, wenn sie überhaupt keine Rolle mehr spielt.

Aber auch, wenn sie in Gesprächen nicht mehr auftaucht: Niemand kann seine Vergangenheit einfach so abstreifen wie einen alten, zu eng gewordenen Schuh. Jeder trägt Altlasten mit sich herum, hat empfindliche Punkte. Fingerspitzengefühl ist gefragt und Geduld, wenn der Angebetete beim ersten Date erzählt, dass seine erste Freundin mit seinem besten und durchtrainierten Freund geschlafen hat. Ein: „Ach, das ist doch Schnee von gestern.“, kommt dann nicht so gut. Vertraut er dir so etwas an, sagt er damit: „Bitte zeige mir, dass du nicht so bist. Bitte tu mir nicht weh.“

Es kann aber auch bedeuten: „Ich kann sie nicht vergessen und eigentlich lasse ich mich nur von dir küssen, um mein angekratztes Ego aufzupolieren.“ In monatelanger Feinarbeit bemühst du dich, Vertrauen aufzubauen, sein Herz zu heilen. Weil SIE es kaputt gemacht hat und du ihm das schließlich nicht vorwerfen kannst. Bis eines Tages eine Mail im Postfach liegt, in der du in drei Sätzen abgeschossen wirst: „Passt einfach nicht so… unglaublich lieber Mensch…tut mir leid.“
„Das Arschloch war eben doch nicht über sie hinweg.“ , denkst du und gehst dich betrinken. Zwei Wochen später erfährst du dann, dass er eine neue Freundin hat. Und du verstehst, dass du nur sein gebrochenes Herz zusammen geflickt hast, damit er es einer anderen im tadellosen Zustand schenken konnte. Die zweite Freundin ist selten auch die zweite große Liebe.

Sina Grote



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