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If I could talk, I'd tell you.

If I could talk, I'd tell you.

Robert Stadlober kriegt kein Mädchen, aber die Gitarre.

Aus der Serie (No) Sex In The City:

An dem Morgen lag Raureif, zum ersten Mal in diesem Jahr. Ich hatte noch ein T-Shirt an. Es war kalt. Der Sommer war wohl vorbei. Langsam ging ich mit der ersten Zigarette im Mund zur Bushaltestelle. Schnell gehen war schon eine ganze Zeit nicht mehr meine Sache. Außerdem stand im Schaufenster des Musikfachgeschäfts an der Ecke jetzt schon seit Juni eine schwarze Gibson SG. Genau so eine, wie sie auch im Frühjahr von IHM gespielt wurde, Evan Dando. Im Loft am Nollendorfplatz. In der Nacht, in der ich das erste Mal nicht Nachhause gekommen war.
Die gerade aufgehende Sonne im Gesicht und die Erinnerung an diesen Abend zwangen mich zum Lächeln. Ich rannte über den Zebrastreifen, um den Bus gerade noch so zu erwischen. Ein paar Minuten Kopf gegen Fenster lehnen, die Kassette beim Aussteigen noch mal umdrehen und dann diesen Tag irgendwie rumbekommen.
Und Esther.
Irgendwie versuchen, sie nicht zu oft anzusehen und trotzdem die Blicke nicht von ihr zu nehmen. Sich nicht verraten, bei den Gesprächen in der Raucherecke und doch versuchen, das Thema immer wieder auf SIE zu lenken.

Dieser Zettel in der Hole-CD in meinem Rucksack. Esthers Telefonnummer drauf. Ruf mich mal an. Warum? Und vor allem: wann? Und ist das ein Herz oder hat sie nur den Kugelschreiber ausprobiert?
Was hatte sie auf dem Buffalo Tom Konzert gesagt: Wenn du dir die Haare wachsen lässt, kannst du mein Kurt sein und ich deine Courtney? Albern. Aber schön.
Oder als sie auf dieser Demo neben mir ging, in ihrem zerfetzten Unterkleid, Che an einer Kette um den Hals. Sie war es. Ich kam mir blöd vor mit meinem riesigen NoFx-T-Shirt. Ich hätte auch schon längst zuhause sein müssen.
Als sie dann in die S-Bahn stieg, mit Fridolin, bin ich einfach auf der Bank am Bahnhof sitzen geblieben. Da wo sie vorher saß. Bis die Batterien von meinem Walkman leer waren.
Ach. — Dieser Zettel. Bestimmt nur eine Verarschung.
Trotzdem. Hatte sie nicht Ina gesagt, wenn irgendjemand in dieser verfickten Schule sie interessieren würde, dann ich?
Besoffen, bei Amelies Party. Wir schliefen alle im gleichen Zimmer.
Und ich hatte es geschafft, auf dem Boden neben der Couch zu liegen, irgendwann.
Esther lag drauf. Auf der Couch. Ich habe sie gerochen, in der Nacht. Dann hat Amelies Vater uns Jungs rausgeschmissen. Um drei Uhr früh. Wir haben im Wald geschlafen. Paul war sauer.

Ja, ich will genau die. Nein, keine andere ausprobieren. Nein, ich will sie nicht antesten. Ja, ich würde sie gerne gleich mitnehmen. Jetzt. Sofort.
Meine Mutter würde erst in drei Stunden nach hause kommen. Drei Stunden zwischen Schreibtisch und Bett mit meiner neuen Gitarre. Und dem Traum. Dem Traum von der Bühne im Loft am Nollendorfplatz, von Evan Dando, von Europa-Tourneen in engen weißen Lieferwägen.
Von Autobahnen und dem Melkweg in Amsterdam.
Von gerissenen Gitarrensaiten und kleinen Bars in Orten, bei denen ich noch nicht mal wusste, ob sie eine Straßenbahn haben und ob sie eher südlich oder westlich lagen.
Von allem, was anders war.
Und von Esther.

Ich habe sie nicht angerufen. Aber die Gitarre, die heißt noch immer wie SIE.

Robert Stadlober


Kommentare



Ira schrieb am 14.07.2008 um 18:00 Uhr:

Ich hab hier nur ein paar Geschichten gelesen, aber diese wirkt wie etwas, was man bewahren sollte. So zerbrechlich, aber auch irgendwie.. schön.

eMail: ira_gradt@web.de

julia schrieb am 30.03.2008 um 19:05 Uhr:

süße geschichte, genauso gefühlvoll wie man es von robert stadlober gewöhnt ist…
gefällt mir

eMail: julia.eva@gmx.de

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