 Das bisschen Würde.
Kontaktiere niemals deinen Ex-Schwarm.
Das war Langeweile, das war eine Schnapsidee und ein Handy, das zu nah neben meiner Hand lag. Dann schrieb ich: „Hallo Christina, kannst du mir mal die E-Mail-Adresse von Britta schicken?“ Fünf Minuten später blinkte mein Handy. „Hi, klar: …@web.de“ Und ich fühlte mich wie früher.
Britta, das war dieses Mädchen aus meiner Klasse. Ich war 16, ich gab ihr Nachhilfe in Mathematik und merkte irgendwann, dass ich mich immer mehr darauf freute. In den Osterferien litt ich wie blöd, als ich sie drei Wochen lang nicht sah. Dann gestand ich ihr meine Gefühle und schenkte ihr eine Rose. Sie nahm die Rose, aber nicht mein Herz. Natürlich war sie in einen anderen verliebt. Der natürlich nicht in sie. Ich begann, sie zu hassen, machte mich über sie lustig. Kurze Zeit später wechselte sie die Schule, wir sahen uns nie wieder. Nach einem Jahr hatte ich mich mit dem Gedanken abgefunden, dass ich nie ihre Hand halten würde. Dann plötzlich diese SMS und ihre E-Mail-Adresse räkelte sich verführerisch auf meinem Display.
Natürlich schrieb ich. Hastig tippte ich in die Tastatur, was für eine schöne Zeit das damals war, wie leid mir mein damaliges Verhalten tut, wie wichtig sie mir war und was machst du jetzt eigentlich, beruflich, privat und so? Sie antwortete, sogar gar nicht kurz angebunden. Erzählte von ihrer Ausbildung in einem Stahlunternehmen, von ihrem Freund, dass das auch für sie damals sehr schön war und so weiter. Und trotz ihres Freundes glaubte ich an ein verspätetes Glück. Was waren schon vier Jahre Funkstille? Es ging ein paar Mal hin und her, dann fragte ich sie, ob wir uns nicht mal treffen sollten. Und sie brach mir zum zweiten Mal das Herz. Genauer: Sie antworte nicht und weil ich meine Restwürde bei Ebay versteigert hatte, schrieb ich noch mal und noch mal und dann war mir klar, dass meine E-Mails nicht auf dem Weg zu ihr verschollen waren, sondern sie einfach keinen Bock mehr auf mich hatte.
Einige Wochen später traf ich jene Freundin, die mir Brittas E-Mail-Adresse gegeben hatte. „Sie hat irgendwann nicht mehr geantwortet“, erzählte ich. Sie nickte. „War es ihr unangenehm, dass ich mich noch mal gemeldet habe?“ fragte ich. Ihr Schweigen war wie die Hand, die eine Rose annahm und alles andere ablehnte.
Sebastian Dalkowski
Kommentare
| lc4rp schrieb am 05.04.2006 um 13:00 Uhr: |
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Wenn nichts Neues in Aussicht ist, muss man sich eben der Vergangenheit zuwenden! Kein schlechtes Leben…als freundschaftsloser Soziopath ohne Beziehung. Manche finden eben niemals eine. Das mit den Töpfen und den Deckeln ist ebenfalls ein Irrglaube. Aber nett umschrieben das Ganze. Nett, nett.
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| Artkan schrieb am 02.04.2006 um 01:50 Uhr: |
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Der is auch toll… überhaupt ist es die best Ausagabe seit Oktober… Weiter so!
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