 Die foucaultsche Lebensphilosophie.
| Autor |
Michel Foucault |
| Titel |
Ästhetik der Existenz |
| Verlag |
Suhrkamp |
| Seiten |
346 |
| Bewertung |
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In Foucaults Werk haben pädagogische Appelle glücklicherweise keine Bedeutung. Dabei hat sich der 1984 verstorbene französische Philosoph sehr wohl mit Gesellschaft, Ethik, Ästhetik und der Beziehung des Einzelnen zum Ganzen auseinandergesetzt. So man vermuten könnte, dass er, neben methodischen oder historischen Erkenntnissen, Bücher zu einem „besseren Leben“ publizierte. Aber dem ist nicht. Von Foucault sind Werke wie Wahnsinn und Gesellschaft, In Verteidigung der Gesellschaft oder Die Geburt der Klinik erschienen, die sich mit Tendenzen und Phänomenen auseinandersetzen, aber nicht erziehen wollen.
Anfang dieses Jahres veröffentlichte der Suhrkamp Verlag vielleicht deswegen Ästhetik der Existenz. Das Buch, das den Namen eines Beitrags in der Le Monde aus dem Jahre 1984 trägt, ist nicht nur leicht und verständlich, es ist eine erstaunliche Sammlung von fidelen Interviews, Beiträgen und Kommentaren zu Ethik und Ästhetik. Das heißt zu Moral, zu Lebensvorstellungen, ja, wie der Untertitel des Buches schon andeutet, sind es „Schriften zur Lebenskunst“. Und das von einem ernsthaften und ernstgenommenen Philosophen und keinem lebensratgeberischen Quatschkopf aus dem Hippieäther.
Die relativ kurzen Beiträge thematisieren Politik, Gesellschaft, aber auch Freundschaft, Beziehungen untereinander, Liebe im Allgemeinen und im Speziellen; so wie verschiedene Techniken der Lebensart aus früherer Zeit. Das heißt, Foucault verweist zum Beispiel gern auf die Antike, in der man beispielsweise von Freundschaft oder Familie eine andere Vorstellung hatte. So war es Foucault nach durchaus üblich, wie ja auch in Japan, dass man einen Vierzigjährigen adoptieren konnte und er zum festen Familienmitglied wurde. Während so etwas in unserer Gesellschaft fragwürdig, jedenfalls unüblich ist, da unsere gefestigten Beziehungsformen vor allem die monogame Ehe und Blutsverwandtschaft ist. Foucault sieht in dieser Moral und vielen weiteren Vorstellungen die Schuld im Christentum und seiner auch aus damaliger Sicht orthodoxen Umgestaltung der Werte. Oder das „Über sich selbst schreiben“.
In der Antike war es üblich nicht nur autobiographische Tagebücher zu schreiben, sondern kleine Schriften, um sich oder einzelne Fragen zu erhellen, ohne einem, wie das heute der Fall ist, schriftstellerischen Nimbus zu verfallen. Im Zuge der Christianisierung verfiel das Schreiben Über-sich zum Ich-zeige-dir-wie-ich-bin oder einer Tätigkeit für wenige. Andere Beiträge haben so klingende Titel wie „Das wahre Geschlecht“, „Subjekt und Macht“ oder „Technologien des Selbst“. Das alles ist, will ich meinen, eine hübsche Lektüre.
Schön ja vor allem, dass es Interviews und Beiträge sind. Das heißt das Vokabular ist einer breiten Leserschaft angemessen und verstrickt sich keiner methodologischen Überlegungen, wie das gewöhnlich bei wichtigen Philosophen der Fall ist.
Mich hat die Lektüre insofern gefreut, als dass Foucault in seinen Interviews schon immer sehr präzise sprach, diese einen guten Zugang zu seiner Philosophie bilden. Mich freuten außerdem die zahlreichen ethischen wie also moralischen und soziologischen Einwürfe. Alles in allem las ich das Buch mehr als eine Skizze seiner Philosophie der Technologien des Selbst. Man kann das Buch jedoch, und möglicherweise ist es so beabsichtigt, auch als lebensratgeberisches Pamphlet lesen. Dann entfaltet es in seiner Ehrlichkeit, mangelnder Suggestion — ein ja häufiges Phänomen bei so genannten Rettern — und Erfahrung die ganze Kraft, die ernsthaft langfristige Überlegungen und nicht bloß die so in Mode gekommenen pädagogischen Suggestiveinerlei anbieten.
Fazit: Lesen. Ob jetzt oder in zwanzig Jahren.
Rafael Wawer
Kommentare
| Michael Frey schrieb am 22.08.2007 um 00:51 Uhr: |
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Also ich fand das Buch eher unpräzise und auch nicht einfach zu lesen. Viel Gerede mit wenig Aussage. Jedenfalls wenn man das andere Extrem (Physikbücher) gewohnt ist. Nicht gerade ein Kauftipp für gelangweilte Studenten in den Semesterferien…
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