JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
Michail Bulgakow - Der Meister und Margarita

Tod und Teufel.

Autor Michail Bulgakow
Titel Der Meister und Margarita
Verlag Spiegel Verlag
Seiten 496
Bewertung 9 von 9 Punkten

Die Weltwoche schrieb über Der Meister und Margarita: „Dieses Buch ist wie ein machtvoller Rausch, der einen nicht mehr losläßt. Wie ein irrlichterndes Kaleidoskop jagen die Bilder und Gedanken und verdichten sich zu einer meisterlichen Gesamtschau von sublimer Schönheit.“
Na nu, was soll das heißen? In erster Linie sind das hohle Phrasen, die besonders schlechte Kritiken auszeichnen und die trotzdem eine gewisse Berechtigung haben. Was also ist das für ein Buch, das so ausgezeichnet ist?

Bulgakow ist kein Unbekannter. Er ist einer der bedeutenderen Schriftsteller der sowjetischen Dreißiger. Für manche schrieb er mit diesem Buch das wichtigste sowjetische Buch des 20. Jahrhunderts. Bulgakow war ein provokativer Autor, der ja nicht nur die kommunistische Gegenwart, sondern die Menschen parodierend kritisierte. Bulgakow war in der Sowjetunion lange Zeit verboten und doch fand ausgerechnet Josef Stalin an ihm Gefallen; auch wenn dieser seine Romane nicht publizieren wollte. Das heißt, der Roman ist knapp 80 Jahre alt. Nachdem Bulgakows Romane und Stücke verboten wurden, bat Bulgakow Mitte der Dreißiger Jahre um die Erlaubnis auszuwandern oder um Mitarbeit als Regieassistent. Stalin persönlich rief an und versprach Hilfe, obwohl er sich für den Verbot seiner Werke aussprach. Was Stalin an Bulgakow mochte und warum er ihn halten wollte? Bulgakows scharfzüngige, ehrliche, rücksichtlose Schreibweise. Vielleicht einer der Gründe, warum Bulgakow die Wirrungen der großen Säuberungen überlebte.

Um nicht zuviel zu verraten: Der Roman eine moderne Fabel, eine, das muss man wissen, sowjetische oder regimeübliche Weise, Kritik an der Gesellschaft zu üben. Ähnlich Wolf oder Sokolow. Als sich der Vorsitzende einer Literaturgesellschaft, Berlioz, und sein Lyriker-Freund Besdomny in einem Park um die Nichtexistenz von Christus sorgen, stößt zu ihnen ein Fremder mit ausländischen Akzent. Dieser prophezeit auf einmal schreckliche Dinge und erzählt außerdem, wie er bei der Hinrichtung Christi dabei war. Die beiden halten ihn für verrückt oder einen Spion, oder für jemanden, der sie auf die Probe stellen möchte. Als die Prophezeiung sich kurz darauf bewahrheitet und die Tragödie sich ereignet, verschwindet der Fremde. Besdomny wird durch diese und weitere Umstände halb wahnsinnig, wird von den anderen für wahnsinnig erklärt und in ein Irrenhaus überführt.

Der Roman schildert zum einen in allegorischer, witziger Weise das Leben in Moskau zu dieser Zeit. Zum anderen ist das Hauptthema des Romans Gut und Böse, Gott und Teufel, Leben und Tod. Es ist eine der besten Satiren der letzten Jahrhunderte. Warum? Zum einen wegen der Dostojewski ähnlichen Dramatik und Charaktere, jene Extreme, die Dostojewski auszeichnen. Zum anderen wegen der universalen Fragen um lebenswichtige, das heißt an der Stelle auch politischer und gesellschaftlicher Fragen. Und nicht zuletzt wegen der erstaunlich angenehmen Weise Gedanken, Ideen und Erzählung um reale wie fiktive Personen in einer ohnehin fiktiven Geschichte zu erzählen. So schlüpft der Fremde, als er zu beweisen beginnt, dass Christus doch existiert habe, in die zweite Person der Schilderung des Pontius Pilatus und erzählt so romanhaft von dessen Verhandlung mit dem Propheten. Und das nicht ideologisch, sondern satirisch.

Fazit: Ich habe nicht nur gelacht, ich habe mich über die Weise sehr gefreut, in der der Roman verfasst ist und welche Einwürfe Bulgakow nutzt. Denn das Buch ist alles andere als lustig. Es ist ernst, aber humorvoll und reflektiert zudem eine turbulente Zeit.

Rafael Wawer


Kommentare



gisela schrieb am 11.11.2007 um 00:43 Uhr:

mein lieblingsroman, geschrieben in einer verdammt schweren zeit und lebenslage, aber voller liebe zu den menschen und deren schwächen. ich habe das buch schon x-mal gelesen, es ist einfach einsame klasse.

eMail: g.pietrzak@web.de

XML (RSS/RDF)