 Monika Tanzband rettet den Zündfunk.
Ein Festival wie eine spontane Sommerparty.
| Festival |
Mehr-Zündfunk-Fest |
| Ort |
München, Muffathalle |
| Datum |
28.07.2006 |
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Auf Festivals steht man ja permanent vor Entscheidungen: in die erste Reihe durchkämpfen oder Platz zum Tanzen haben? Der Newcomerband aus Saarbrücken zuhören oder doch lieber zu Maximo Park? Den Headliner abfeiern oder mit dem hübschen Franz Ferdinand-Fan am Lagerfeuer sitzen bleiben? Im Endeffekt versäumt man immer irgendwas, auch wenn man versucht, überall gleichzeitig zu sein.
Auf dem Mehr Zündfunk-Fest in der Münchener Muffathalle kam neben der Wahl zwischen kleiner und großer Bühne eine weitere Entscheidung dazu, die es unmöglich machte, alle musikalischen Highlights zu erleben: Reingehen und zuhören oder draußen mit den Bands reden? Letzteres war an diesem Abend so unkompliziert wie selten sonst wo, es gab keine Berührungsängste auf Seiten der Musiker und so fiel dann manches sicher grandiose Set in der Halle einem noch viel grandioseren Gespräch vor der Halle zum Opfer. Abgesehen davon, dass Indiebands und ihre Fans ohnehin nahezu gleich aussehen, gab es auch sonst bald fast keine Unterschiede mehr: Wer eben noch auf der Bühne stand, tanzte kurz darauf im Publikum und umgekehrt.
Das Mehr Zündfunk-Fest war wie eine spontane Party im familiären Rahmen. Gastgeber waren ein paar engagierte Radiohörer, die mit der Initiative Zündfunk retten das alternative Musikformat auf Bayern 2 erhalten und damit eine in den Untiefen der Rundfunk-Landschaft schimmernde Perle des Qualitätsjournalismus vor dem Untergang bewahren wollen und hoffentlich werden.
Auf einer guten Party kann schon mal der Flaschenöffner verschwinden, aber das Bier geht nie aus. In der Muffathalle streikte des Öfteren die Technik, was aber von allen Beteiligten mit Humor genommen wurde und der Stimmung keinen Abbruch tat. Es kann ja zur Abwechslung auch mal ganz spannend sein, mitzuerleben, wie Anajo ihr Monitoring haben wollen, was Nova International-Sänger Michi Kamm spontan anspielt, um den Sound zu testen, und wie aus dem Moment heraus eine improvisierte Lichtdramaturgie entsteht. Bemerkenswerterweise war das Set von Nova International zwar das mit dem größten Sound-Chaos zu Beginn, aber dennoch das musikalisch aufregendste.
Die unvollkommene Tontechnik blieb das einzige, woran man von außen erkennen konnte, dass die Gastgeber keine Profis in Sachen Festivalorganisation sind. Umso mehr beeindruckte es, was die Zündfunk-Retter mit Arbeit und Idealismus auf die Beine gestellt haben.
Eine gute Party zeichnet sich durch eine interessante Mischung an Gästen aus. In der Garage rocken die Freaks ab (krachende Gitarren bei Cosmic Casino und The Plane is on Fire); in der Küche geht es ein bisschen gemütlicher zu (Me succeeds); im Wohnzimmer kommen alle mal vorbei und amüsieren sich. Am beliebtesten sind natürlich die, die die meisten kennen („Anaaajo“-Gekreische war schon eine halbe Stunde vor deren Auftritt zu hören und die Fans feierten dann auch am ausgelassensten). Auf jeder Party gibt es auch einen, der irgendwie anders ist als die anderen, der nicht so viel spricht und doch faszinierend ist (Roman Fischer gelang es für einen Moment, mit seiner Musik die Zeit anzuhalten und selbst auf die coolsten Gesichter ein entrücktes Lächeln zu zaubern).
Während die Halle sich von Minute zu Minute mehr in eine Sauna verwandelte, funkelten draußen die Sterne der lauen Sommernacht über dem Biergarten, wo Bands und Besucher in fröhlicher Eintracht immer berauschter wurden, von der Musik, vom Alkohol, und von der ausgelassenen Stimmung des Festes.
Katharina Litschauer
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