 Lost And Found.
| Band |
Maximo Park |
| Ort |
JZE (Essen) |
| Datum |
29.06.2006 |
|
Angesichts des unerwarteten sommerlichen Comebacks verzichtete der schlaksige Maximo Park-Sänger im ausverkauften JZE auf Krawatte und Jackett (das er nach wenigen Takten ablegte). Selbst der akkurat frisierte Seitenscheitel blieb an diesem Abend ungekämmt oder verbarg sich zumindest gut verborgen unter dem eleganten Herrenhut von Paul Smith, der ungewohnt leger dafür aber gewohnt gut gelaunt die Bühne betrat und das Set direkt mit einem Knaller eröffnete (Graffiti). Im breitesten Newcastle-Akzent singtschreit er and that's enuff raus, nur um sich nach Beendigung des Songs artig vor dem ausgelassenen Mob, der sich umgehend vor der Bühne gebildet hat, mit einem verlegenen Lächeln zu bedanken. Und das von der energiegeladenen Show angesteckte Publikum quittiert den Dank prompt, indem es jeden Song wie Apply Some Pressure feiert. Überhaupt das Publikum. An diesem Abend sind die Konzerbesucher im JZE das Stadionpublikum des Fußballspiels Argentinien gegen Mexiko (inklusive einer spontanen „Football is coming Home“-Einlage). Schweiß und gute Laune geben sich die Hand und fließen in Strömen, während die Band eine Spielfreude an den Tag legt, als wäre dies das letzte Konzert in ihrer Karriere.
An diesem Punkt unterscheiden sich Maximo Park gewaltig von ihren Kollegen mit denen sie von der Presse (zu Unrecht) immer so häufig in einem Atemzug genannt und verglichen werden. Während sich über die Qualität auf Platte von Bands wie Franz Ferdinand und Bloc Party noch streiten lässt, geht das Quintett aus Newcastle auf der Bühne als klarer Sieger hervor. Niemand rollt so schön mit den Augen wie der manische Frontmann Paul Smith, niemand gibt so überzeugend den Roboter wie Keyboarder Lukas Wooller und niemand mimt so lässig den ruhenden Gegenpol wie der gemütliche Bassist Archis Tiku. So heterogen die Band von ihrem äußeren Erscheinungsbild auch wirken mag, so kompakt agiert sie auf der Bühne und setzt ihr furioses Debüt A Certain Trigger mit einer solchen rotzigen Selbstverständlichkeit um, die es schwer macht der eigenen Begeisterung angemessene Worte folgen zu lassen. Schön, dass wenigstens auch die Band sichtlich von den Sympathiebekundungen der Fans gerührt ist, da diese, erstens trotz der WM im eigenen Land so zahlreich angereist sind und zweitens die Band auch gar nicht mehr von der Bühne entlassen will. Die beiden Zugaben Kiss You Better und Going Missing runden den trotz intensiver Clubtourneen mehr als gelungenen Abend ab und heben Maximo Park einmal mehr als vielleicht beste Band aller Brit-Hypes dieses Jahrzehnts hervor.
Katja Peglow
Bilder-Galerie
|