JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
Shoes And The City. Schuhe

Shoes And The City.

Über den berühmtesten Schuhdesigner der Welt.

Als die Macher der Kultserie Sex And The City den Seriencharakter von Sarah Jessica Parker mit einem Schuhtick ausstatteten, dachten sie mit Sicherheit nicht daran, dass der Name des begehrtesten Schuhdesigners der Welt, Manolo Blahnik, es einmal bis ins Big Brother-Haus schaffen würde. In der Unterschicht ist der auf den kanarischen Inseln geborene Sohn einer spanischen Mutter und eines tschechischen Vaters damit trotzdem noch lange nicht angekommen. Es zeigt sich vielmehr nur, dass der Sprung vom Geheimtipp zum Massenphänomen manchmal nur eine Serienlänge entfernt liegen kann. Den Bekanntheitsgrad des 64-jährigen jedoch ausschließlich nur auf geschicktes Product Placement zu reduzieren, wäre aus zweierlei Gründen mehr als unzureichend. Zum einen setzt man dadurch das handwerklich bis ins letzte Detail ausgefeilte Produkt Blahniks herab und zum anderen gilt die mehrfach prämierte Stylistin Patricia Field von Sex And The City als unbestechlich. Demzufolge lag auch nie ein gesetzwidriges Verhalten innerhalb der Serie vor, solange kein Geldaustausch zwischen beiden Parteien stattgefunden hat, obschon die Marke 'Manolo Blahnik' durch die Fokussierung auf die Edeltreter ohne Zweifel kräftig profitiert hat.

Ein unbeschriebenes Blatt war der gebürtige Spanier vor der Ausstrahlung der populären TV-Serie dennoch nicht. Einer groben Schätzung zufolge entwarf er bis heute — sehr zur Freude der Damenwelt im Allgemeinen und der zu Carrie Bradshaws im Besonderen — ungefähr 11.000 (mehr oder weniger) verschiedene Schuhmodelle. Nur für Frauen versteht sich und allesamt nur Stilettos. Schuhe ohne Absatz interessieren ihn nicht, genauso wenig wie die schlichtere und weitaus traditionellere Herrenfußbekleidung. In einem Interview beschrieb die Fashionikone ihre Kreationen einmal als „kleine, freche Tierchen, die den Fuß anknabbern.“

Objekt der Begierde

Bereits 1974 zierte er als erster Mann das Cover der britischen Vogue und sammelte im Laufe seiner 30-jährigen andauernden Karriere Preise wie andere Frauen seine Schuhe. Der Autodidakt arbeitete bereits mit Design-Ikonen wie John Galliano und Michael Kors zusammen, kreierte die Schuhe für die Rolle von Nicole Kidman in Moulin Rouge und erhielt 2001 die Ehrendoktorwürde des anerkannten Royal College Of Art in London und ein Jahr später die 'Medalla de Oro en Merito en las Bellas Artes", die ihm König Juan Carlos I. von Spanien verlieh. Sein wohl größter Verdienst ist jedoch, dass er das Schusterhandwerk zur Kunstform erhoben hat, weshalb ihm das Londoner Design-Museum 2003 die erste Retrospektive widmete. Zuletzt konnte man seine Kreationen im Düsseldorfer NRW Forum bewundern.

Status als Verkaufsargument

Obwohl die dort ausgestellten Exponate zeigten, wie sehr sich der Funktionsbegriff des 'Schuhs' im Laufe der Zeit gewandelt hat, bleibt jedoch eine Beobachtung festzuhalten. Ein Exkurs in die Geschichte offenbart nämlich, wie schnell der Schuh seine Funktion als bloße Schutzhülle eingebüßt hat und sich vielmehr zum modischen Accessoire oder zum Statussymbol (vor allem in der Oberschicht) gewandelt hat. Bereits im alten Ägypten war es beispielsweise nur Pharaonen, Priestern und hohen Beamten vorbehalten, Sandalen aus unterschiedlichen Materialien (je nach Rang) zu tragen, während das Volk barfuß unterwegs war. In der Mythologie war das Tragen von Schuhen einst sogar nur ein Vorrecht der Götter und ihrer Lieblinge auf Erden.

Heutzutage ist das einzige Kriterium eine mehr oder weniger gut gefüllte Geldbörse. Letzteres vornehmlich wenn sich die Konsumentin jenseits der gängigen Massenproduktion bewegt — sehr zum Missfallen ihrer Ehemänner, die dem Designer auf Partys öfters schon mal ihr Leid klagen, wie Manolo Blahnik zuletzt in einem Interview des Nachrichtenmagazins Focus zugab. Wer ein Paar 'Manolos' sein eigen nennen will, muss tief in die Tasche greifen. Zwischen 500 und 1500 Euro kostet ein handangefertigtes Paar. Im Gegenzug machen die Luxustreter ihren Träger berühmt, weisen ihn als Kenner des guten Geschmacks aus, verleihen gesellschaftliche Status oder definieren schlicht Gruppenzugehörigkeit. Da hat sich seit den alten Ägyptern kultursoziologisch wenig getan. „Shoes help transform a woman“ versuchte Blahnik einst die Schuhbegeisterung seiner Käuferinnen zu erklären. Zweifler und Modeverächter, die den Schuh immer noch als einen alltäglichen Gebrauchsgegenstand betrachten und immer noch in dem Glauben leben, dass es in der Mode um Rationalität und Zweck geht, machen sich nicht minder lächerlich als der RTL-Nachrichtensprecher, der jeden Beitrag über irgendeine x-beliebige Fashionweek mit einem koketten Blick und den Standardworten Fragt-sich-nur-wer-das-jetzt-tragen-soll abschließt. Immerhin leben wir einer Gesellschaft, die einen eigenen Stiefel für die Mondbegehung gestalten lässt. Sinn hin oder her.

Katja Peglow





Bilder-Galerie


XML (RSS/RDF)