 Der Fänger im Gras.
| Autor |
Ljubko Deresch |
| Titel |
Kult |
| Verlag |
Suhrkamp |
| Seiten |
259 |
| Bewertung |
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Als der 16-jährige Benjamin Lebert vor einigen Jahren seinen Debütroman Crazy veröffentlichte, hieß es überall „Ach so jung und schon ein Buch geschrieben. Ist ja doll.“ Und alle kauften, doch als er dann sein zweites Werk nachlegte, Der Vogel ist ein Rabe, und der Altersbonus weg war, da wollten dann nicht mehr ganz so viele. Der Ukrainer Ljubko Deresch war ebenfalls 16, als er Kult schrieb, und das war schon sein zweiter Roman. Doch während bei der Lektüre von Crazy niemand auf die Idee kam, hier sei ein 30-Jähriger am Werk, löst Deresch sich von jugendlicher Befindlichkeit — und das, obwohl zumindest die Kulisse eine ähnliche ist.
Jurko Banzai ist 22 und Biologiestudent. Als Hilfslehrer fängt er in der ukrainischen Provinz in einem Internat an. Der Direktor ist scharf auf die Krankenschwester, die Lehrer stehen kurz vorm Wahnsinn. Irynka, die Streberin in Banzais Klasse, fährt sofort auf ihn ab, während Jurko sich in deren Mitschülerin Daria verliebt, eine klassische Außenseiterin, intelligent und schwierig, die vielleicht nicht zufällig so heißt, wie die Protagonistin der gleichnamigen MTV-Serie. Sie freunden sich an, gehen zu ihm nach Hause, kiffen, hören psychedelische Musik. Er stellt fest: „Ihr Herz war eine Laute: reagierte auf die leiseste Berührung.“ Sie küssen sich, aber schlafen nicht miteinander (welcher jugendliche Schriftsteller kann sich das sonst verkneifen?).
Es geht Deresch aber nicht um die Probleme einer Freundschaft, in der der Altersunterschied groß ist. Die beiden passen zusammen, weil sie gleich ticken. Es geht ihm um etwas, das sich nur langsam andeutet. Banzai träumt seltsame Dinge, die Stadt wird von unzähligen Eulen heimgesucht, eine Grippe-Epidemie legt die ganze Schule flach. Und mittendrin Korij, der Pförtner des Internats, der mit Hilfe eines Wesens von einem entfernten Planeten die Weltherrschaft an sich reißen will — oder so ähnlich. Oder so ähnlich, genau hier beginnt das Problem. Alles geht durcheinander und das zu Lasten einer Geschichte. Der Autor hat einen ganz eigenen, nämlich trocken-sarkastischen Ton gefunden, den andere in ihrem ganzen Leben nicht entwickeln. Im Nachwort bemerkt der Übersetzer: „Als Folie dient die von H.P. Lovecraft in seinen phantastischen Erzählungen errichtete Vorstellungswelt, wonach auf fernen Sternen dem Menschen absolut fremde, monströse Wesen existieren, die durch Korridore dünner Materie in unsere Realität drängen.“ Doch blickt auch noch der Leser durch, der Lovecraft nicht kennt? Dereschs Versuch ist mutig, ohne Frage, aber seine zunehmende Zitierwut lässt Unmut aufkommen. Aber das ist ja schon ganz anderen passiert. Er wird das hinkriegen, ganz sicher.
Fazit: Als wenn der Fänger im Roggen irgendein exotisches Kraut geraucht hätte. Kult macht in der ersten Hälfte sehr viel Spaß, in der zweiten ein bisschen Mühe.
Sebastian Dalkowski
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