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Kristofer Åström - Rainaway Town

Goldene Zeiten.

Band Kristofer Åström
Album Rainaway Town
Plattenfirma V2 Records
Bewertung 8 von 9 Punkten

In unseren Augen erfüllt Kristofer Åström alle Klischees eines skandinavischen Liedermachers. Immer ein bisschen blass um die Nase, melancholisch, versonnen auf einer Gitarre zupfend. Dann wieder scharfzüngig, mitreißend und ein Meister der gewitzen Melodie. Bei seinem Akustikalbum Loupita war der Grad zwischen berührendem Weltschmerz und gähnender Langeweile sehr schmal. Wer dies allerdings mochte, hätte von seinem Nachfolgeralbum So much for stying alive enttäuscht sein können. Aström entwickelte sich weiter, experimentierte und schaffte aufregende und manchmal sogar ausgelassene Stücke.

Rainaway Town hat beides zu bieten. Eine countrylastige Platte sollte es werden, und so pflanzt einem der Opener Conjure me sofort Juli-Gefühle ins Herz. Diese Gefühle ziehen sich durch die ganze Platte. Damit ist keine Baggersee-Stimmung gemeint, bei der man mit schwitzenden Menschen grillt und Trinkspiele spielt. Das Album klingt eher nach warmen Abenden auf der Terrasse, nach im Kornfeld liegen und dabei Wolken gucken. Die goldenen Seiten des Sommers.

Und dann sind da wieder diese intimen Momente, für die Aström auch geliebt wird. Zusammen mit der wundervollen Maria Taylor singt Åström All in. We´re living in fear. Well, living is fear. Doch solange die Furcht in solch hautzarte Melodien verpackt wird, kann uns keiner was.

Åströms Band Hidden Truck, mit der er das letzte Album noch eingespielt hat, sind gegen drei neue Musiker eingetauscht worden, von denen sich niemand in den Vordergrund drängt. Jeder erfüllt seinen Part aufs Beste, die Melodien sind absolut dicht und aufeinander abgestimmt. Und trotzdem bleibt in jedem Lied eine kleine Raffinesse, die es zu entdecken gilt und die man sich anhören möchte. Immer und immer wieder, bis in den Winter hinein.

Fazit: Kristofer Aström bekennt sich mal wieder zur ausgefeilten Melodie und beweist, dass Skandinavier auch im Sommer hörbar sind.

Linda Wilken



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