 Katzenjammer.
| Band |
Katze |
| Ort |
Ilses Erika (Leipzig) |
| Datum |
07.10.2005 |
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Katze, das sind 3 Musiker, 5 Instrumente und 2 Stoffkatzen. Die sind eigentlich Dämmmaterial und sollen dafür sorgen, dass die Instrumente beim Transport keinen Schaden nehmen. Beim Konzert stehen sie aber mit auf der Bühne, genauer: auf dem Keyboard von Minki. Die kleine weiße versteckt sich etwas verschämt hinter dem Plastebecher, den die Sängerin auch auf dem Keyboard abgestellt hat. Sie lugt dahinter hervor und betrachtet abwechselnd das Publikum und ihre Herrchen. Ihr gefällt, was sie da sieht und hört:
"Hey, Ich Katze Du Hund gleich als erstes. Klasse, mehr von diesem Xylophon, bitte. Das ist toll. Keiner von den Leuten da vor der Bühne wagt es, in diesen süßen Klang hineinzuquatschen. Richtig so; Pssst! Dein Einsatz Minki! Aber was heißt hier: wenn ich eine Katze WÄRE — ich BIN eine Katze. Und wenn hier ein Hund wäre — mit Hund am Strand würde ich schon mal spielen. Klaus, glaube ich, auch. Das hat er jedenfalls gesagt.
Klaus' Stimme klingt immer noch etwas kratzig. Da haben auch die zwei Becks vor der Show nicht geholfen. Der Arme. Nicht einmal eine Brille hat er. Seit die kaputt gegangen ist, muss er seine Ey-ich-bin-hier-der-Sheriff-und-ich-sag-Dir,-wo-es-lang-geht-Fliegersonnenbrille aufsetzen. Da sind Gläser in seiner Stärke drin. Er ist aber wegen der Brille nicht cool, oder so. Er ist ja auch nur ein armer Kerl, der irgendwann von seiner Freundin verlassen wurde. Und da ist es auch wieder: dieses Lied Soviel geraucht. Das liebe ich. Und wie schön er diese eine Zeile singt, so leicht kratzig Warum muss ich armer Kerl denn immer nur an die bösen Mädchen geraten. Ich frag mich ja auch oft, wo die guten Kater sind. Bei mir jedenfalls nicht.
Und der Junge da schräg vor mir in dem Grunge-Look hat bestimmt auch schon mal eine Träne wegen eines Mädchens im Augenwinkel zerquetscht. Er hält die Augen geschlossen und wiegt sich einfach hin und her. Der hat Mut zur Emotion. Minki frickelt wieder an ihrem Stylophone rum, diesem lustigen Gerät, das irgendjemand in den 1960ern auf dem Markt geworfen hat und ein bisschen aussieht wie ein vorsinnflutlicher Gameboy oder ein hypermodernes Handy. Wo hat sie eigentlich ihre Quetsche gelassen? Die mag sie doch sonst so gerne?
Ha, der Junge mit der Träne im Auge ist aufgewacht! Aber jetzt kommt auch sein Lied: Punk's Not Dead. Dachte ich es mir doch, dass da ein paar Fäuste im Publikum zustimmend gegen die Decke gestreckt werden würden. Cool! Ey Klaus, was machst Du denn da? Du springst doch nicht allen Ernstes auf der großen Trommel vom Schlagzeug rum? Und singst dazu Punk's Not Dead? Man bist Du stylish! Und gleich können wir weiter jumpen. Jaha, jetzt kommt doch Menschen springen von Hochhäusern, dieses groovy Stück. Mann, wenn ich jetzt mit den Fingern schnipsen könnte — aber geht bei Katzen halt nicht.
Der Grunge-Junge ist klasse. Der hat dieses unglaublich zufriedene Lächeln im Gesicht und schwebt in der Musik. Er ist auch der erste, der Zugabe ruft, als Klaus das letzte Lied ankündigt. Natürlich wird er noch was spielen. Erst noch eine kleine Geschichte übers Verlassen-werden und dann Frank Sinatras Fly Me To The Moon. Boah!!!! Wenn Du nicht die lustige Übersetzung des englischen Textes hättest, weil Du ihn einfach bei Babelfisch eingegeben hast und da natürlich nichts Vernünftiges rauskommt, dann müsste ich jetzt weinen. So wunderschön ist das. Klaus, ich liebe Dich! Die zwei Lieder danach interessieren mich fast nicht mehr. Aber sie geben den Leuten vor der Bühne Zeit, aus der fassungslosen Verzückung zu erwachen. Lasst es mich so sagen: man kann die Menschen einteilen in Katzenfreunde und Leute, die nicht so vom Leben begünstigt sind!"
Kerstin Petermann
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