JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
Justine Electra - Soft Rock

Niedlicher Größenwahn.

Band Justine Electra
Album Soft Rock
Plattenfirma City Slang/Rough Trade
Bewertung 7 von 9 Punkten

Manchmal ist die Welt für Musikjournalisten so einfach. Das Debütalbum des neuen City Slang-Signings liegt auf meinem Tisch und buhlt in goldenen Lettern um meine Aufmerksamkeit. Von plattentests.de bis hin zum Focus lese ich die Geschichte über die Neu-Berlinerin, die auf einem ihrer Konzerte einem interessierten Christof Ellinghaus (Gründer des besagten Berliner Labels City Slang) ihr Demo für unerhörte fünf Euro verkauft hat. So viel Legendenbildung muss schließlich sein. Dabei reicht schon die Nennung des vollen Namens der Exil-Australierin aus, um mein Interesse an ihr zu wecken: Justine Carla Electra Beatty. Wer so heißt, kann eigentlich nicht mehr viel falsch machen. Und zum Glück macht es Justine einem auf ihrem abwechslungsreichen Debüt auch wirklich leicht, sie zu mögen.

Man nehme nur den Albumtitel. Musiker mögen es ja bekanntlich nicht, von den Medien in eine Schublade gesteckt zu werden (oder vielleicht einfach nur nicht in die falsche?). Justine Electra nimmt einem die Entscheidung ab und bastelt sich auf ihrem Erstling einfach ihr eigenes Genre. Soft Rock ist eine — zugegeben nicht gerade sehr homogen geratene — Ansammlung von Songs, die bei aller Krudheit jedoch auch weitaus mehr sind als die Summe ihrer einzelnen Stile, die hier geschmackvoll von der Künstlerin unter einen Hut gezaubert werden. Man nehme nur den dezenten Hit der Platte Killalady und wünscht sich, dass es mehr solche R'n'B-Songs auf der Welt gäbe. Oder solche Folkblues-Knaller wie Blues & Reds. Ach ja, und eine tolle Geschichtenerzählerin ist sie auch noch (Motorhome).

Getragen und zusammengehalten wird Soft Rock durch Justines verzerrten und brüchigen Gesang und durch ihre heißgeliebte Akustikgitarre, die sie auf all ihren Reisen stets begleitet hat. Selbst als sie sich in Berlin einen Namen als Techno-DJ zu machen begann (was man übrigens auch noch bruchstückhaft heraushören kann). Und weil Justine, abgesehen von ihrem Albumtitel, auch sonst in jeder Hinsicht durch und durch nett ist, weiß sie auch selbst ganz genau Bescheid, zu welcher Gelegenheit man Soft Rock am besten hören sollte: „Ist the kind of music all girls should play to their boyfriends, to let them know how they feel.“

Fazit: Bei aller Experimentierfreude wirkt Soft Rock nie überladen oder artifiziell. Justine Electra begeht klugerweise nicht den Fehler, ihre fragmentarischen Song-Miniaturen unter einer Flut von Ideen zu ersticken. Das Ergebnis ihres kreativen Outputs mündet zwar nicht immer zwangsläufig in einen Song, aber dass Justine ein neuer funkelnder Stern am Songwriter-Himmel ist, steht vollkommen außer Frage.

Katja Peglow



XML (RSS/RDF)