 Nimm mich mit.
| Band |
Julia Hummer and Too Many Boys |
| Album |
Downtown Cocoluccia |
| Plattenfirma |
Strange Ways/Indigo |
| Bewertung |
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Nie wieder eine Rezension mit einer Phrase über singende Schauspielerinnen oder schauspielernde Sängerinnen beginnen! In diesen Tagen ein schwieriges Unterfangen, schließlich erscheinen hierzulande nahezu parallel zwei Debütalben zweier gefragter Jungschauspielerinnen, die nicht unterschiedlicher hätten ausfallen können. Julia Hummer und Jana Pallaske sind bisher eher durch interessante bis irrelevante Filme aufgefallen — die eine mehr, die andere weniger. Wie schön, dass Julia Hummer jetzt dem Filmgeschäft (vorläufig) den schmalen Rücken kehrt, um sich ganz vollzeitmäßig ihrer großen Liebe zu widmen: der Musik!
Und die ist — mit Verlaub — so viel besser ausgefallen als all ihre sämtlichen Filme zusammen. Alles hätte ich ihr zugetraut, einen noisig-trotzigen vertonten Aufschrei gegen die große, böse Glitzerwelt oder meinetwegen auch gegen den Kapitalismus, aber keine reflektierte fast schon besinnliche Folkpop-Platte wie es Downtown Cocoluccia letztendlich geworden ist.
Unterstützt wurde die 25-jährige dabei in erster Linie von Christopher „Krite“ Uhe (Sharon Stoned) und den restlichen Too Many Boys, die sie bei ihren Konzerten begleiten, die Julia Hummer übrigens am liebsten im Sitzen abhält. Passend zu ihren Vorbildern wie Bob Dylan oder aktuell Antony & The Johnsons, der auf ihrem Album sogar in einem ihrer Songs zusammen mit Fred Durst auftaucht: „I don't wanna end up like Shaun or Bez / I wanna sing like Antony as a wedding present for my enemy“ (aus I Want More). Sinn für Humor besitzt die Wahl-Berlinerin also auch noch.
Und ein feines Gespür für folkigen Singer/Songwriterpop mit Country- und Indiepopanleihen offensichtlich auch. Downtown Cocoluccia hat viele Stärken. Die größte ist vielleicht die, dass es trotz Julias Verehrung für die alte Liedermachergarde erstaunlich eigenständig und kein bisschen retro oder gewollt abgeklärt klingt und nebenbei noch eine ganze Reihe potentielle Hits abwirft. Da wäre das vom irischen Vinyllabel Earsugar bereits vorab veröffentlichte von Negri und Hardt inspirierte Our Empire Is oder das beflügelnde Pilot In The Storm. Weitere Glanzlichter sind außerdem das poppige As Simple As Can Be und die beschwingte Singleauskopplung Katharina, die allein schon deswegen hörenswert ist weil Julia Hummer das englische Wort „doctor“ so herrlich eingedeutscht singt. Ach ja, der Gesang. Das kann sie übrigens auch noch. Unverschämtheit.
Fazit: Julia Hummer ist während ihrer beträchtlichen Laufbahn mittlerweile in viele verschiedene Rollen geschlüpft. Die der Musiker- und Songschreiberin verkörpert sie aber mit Abstand am besten und glaubwürdigsten.
Katja Peglow
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