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Jess Jochimsen - DanebenLeben.

Bilder können sprechen.

Autor Jess Jochimsen
Titel DanebenLeben.
Verlag dtv
Seiten 180
Bewertung 7 von 9 Punkten

Wenn du dazu neigst, deinen Adventskranz so lange im Fenster vertrocknen zu lassen, bis du den Osterschmuck daneben hängst, dann sei gewarnt. Wenn dein Name und dein Beruf wie blöd ausgedacht klingen, und du trotzdem beides nebeneinander auf dein Firmenschild schreibst, dann pass auf. Wenn du an einem öffentlichen Platz arbeitest und dabei lustig aussiehst, dann sieh dich vor. Jess Jochimsen könnte dich beobachten und eine Geschichte aus dir machen. Wenn er seine Kamera dabei hat, wird aus dir vielleicht ein Foto, das er in seinem nächsten Bühnenprogramm zeigt. Womöglich landest du sogar in einem Buch.

Jochimsen denkt sich auch gerne mal Geschichten aus. Meistens aber beobachtet er bloß sehr genau und dokumentiert das Gesehene in kritischer, bissiger oder poetischer Form. Diapräsentationen mit Musikuntermalung sind schon lange fixer Bestandteil seiner Kabarettprogramme. Nun hat er nach mehreren Textbänden und einem Roman seinen ersten Fotoband, DanebenLeben veröffentlicht.

Zu sehen sind Alltagsanblicke aus dem deutschen Hinterland: Vorstadtlokale zwischen Hässlichkeit und Romantik, absurde Provisorien, die über Jahre bestehen bleiben, die ungewollte Komik seltsam angebrachter oder ungeschickt formulierter Schilder. Wie oft begegnen einem solche Anblicke und man denkt, das müsste man mal fotografieren. Jochimsen hat dies in die Tat umgesetzt und Bilder gesammelt. Bilder von Dingen, die man erst auf den zweiten Blick wahrnimmt, weil sie so unauffällig sind, und immer schon da waren. Dinge, die auf keinem Touristenfoto landen würden. Dinge, die dort sind, wo kein Tourist je hinkommt. Für das Buch DanebenLeben hat er dazu kurze Geschichten und Kommentare geschrieben.

Warum sollte man sich Dinge ansehen, die man außerhalb eines Buches jeden Tag zu sehen bekommt? Vielleicht aus dem selben Grund, aus dem man Comedyshows ansieht, in denen es um den Tante Emma-Laden an der Ecke oder um die eigene Verwandtschaft geht: Nicht das Was ist spannend, sondern das Wie. Die Auswahl der Details, die nebeneinander und gegenübergestellt werden, die Fragen, die sich daraus ergeben und einfach auch der pure Unterhaltungswert pointierter Geschichten machen diese Kunstform interessant.
So gesehen unterscheiden sich Jochimsens Bilder nicht von seinen Texten: Der Blickwinkel auf die Menschen und ihre Welt erzählt eine Geschichte, gibt eine Stimmung wieder oder bringt das Publikum zum Lachen.

Fazit: Für Freunde trist-romantischer Ästhetik und unbeabsichtigter Komik.
DanebenLeben eignet sich ganz hervorragend dafür, bei Parties auf dem Couchtisch zu liegen: Jeder Gast kann von einem Anblick aus der eigenen Nachbarschaft erzählen, der auch in das Buch gepasst hätte.

Katharina Litschauer



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