JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
Jens Friebe - Das mit dem Auto ist egal. Hauptsache dir ist nichts passiert.

Friebe für alle.

Band Jens Friebe
Album Das mit dem Auto ist egal. Hauptsache dir ist nichts passiert.
Plattenfirma ZickZack / Indigo
Bewertung 7 von 9 Punkten

Ein Jungspund war Jens Friebe wirklich nicht mehr, als mit 27 Jahren sein erstes Album Vorher Nachher Bilder erschien. Das war nicht unbedingt von Nachteil. Hatte Herr Friebe auf diese Weise doch genug Erfahrung in den Taschen, um zu wissen, wie gute Songs funktionieren. Er spielte mehrere Jahre bei Parka und Bum Khun Cha Youth. Eine tolle Sache, aber der Erfolg ließ auf sich warten. Bis Jochen Distelmeyer an die Tür klopfte und ihn entdeckte. Für Friebe war der Ex-Blumfelder schon in diesen Zeiten ein Mythos. Als er seinen Vertrag dann auch noch bei Alfred Hilsbergs ZickZack-Label unterschrieb, war der Deal perfekt.
„Es war also fast ein surreales Erlebnis, ein süßer Schock: Plötzlich finde ich statt. So gut ist es nie mehr geworden. Das ahnte ich damals schon und habe es sehr bewusst ausgekostet“, erinnert sich Friebe.

Doch nicht nur Erfahrung ist wichtig, wenn man Jens Friebe sein möchte, auch Mut. Mut zu einer so geschickten Selbstinszenierung, die irritiert: Ist sein Auftreten etwa nur Pose, Spaß am Glamour oder schiere Metrosexualität? Wer ist Jens Friebe überhaupt wirklich? Und wer ist Jens Friebe auf der Bühne?
„Eine strikte Trennung zu vertreten ist genauso platt wie eine Identität a là 'sei einfach du selbst auf der Bühne'. Das erste ist Kleinkunst, das zweite ist entweder Lüge, oder es erfordert ein Selbst, das sich auch im Alltag als Enterntainer zu stilisieren gelernt hat, oder es ist als dritte Möglichkeit einfach langweilig. Das Spannungsfeld zwischen Maskerade und Striptease, zwischen artifizieller Stilisierung und entwaffnendem Anvertrauen darf nicht zusammenbrechen, wenn es interessant sein soll.“

Ach so, dann ist ja alles klar. Und sein neues Album? Geht einem nicht mehr ganz so flott über die Lippen wie seine Vorgänger: Das mit dem Auto ist egal. Hauptsache dir ist nichts passiert. heißt es und signalisiert Abneigung gegenüber Kommaregeln und eine Vorliebe für motorisierte Fortbewegungsmittel:
„Auto ist ein super Motiv. Es steht für Sehnsucht und Status, Freiheit und familiäre Geborgenheit, für alles was man will also. Das Auto ist als Symbol genauso aufladbar und noch offener als der Zug im Country.“

Genauso offen und aufladbar sind die Songs auf diesem Album. Es bringt einen dazu, mit dem Füßen zu wippen und bereits nach dem zweiten Hören mitzusingen. Ein Hit jagt den nächsten: „In diesem Irrenhaus, in diesem Schweinestall, wenn du es hier schaffst, schaffst du es überall.“ (Hass, Hass, Hass) „Und alles macht nichts, wenn wir tanzen. Wie in französischen Romanzen. Alles versinkt im großen Ganzen. Alles macht nichts, wenn wir tanzen.“ (Nothing Matters, When We're Dancing.) Glockenspiele, Klaviere, Synthies. Barbiepuppen, die sich paaren. Geklaute Lippenstifte. Sowohl frivole und ungewöhnliche Bilder als auch Elektropop für alle. „Zuviel Pop, zuwenig Avantgarde!“, werden da einige rumnörgeln. Und wenn schon. Es macht auch Spaß, mal nicht zur Avantgarde zu gehören.

Fazit: Glamour, Sexyness und Schlaumeierei zum Tanzen und sich freuen.



Linda Wilken



XML (RSS/RDF)