 Spaß am Dienstag.
| Autor |
Jens Friebe |
| Titel |
52 Wochenenden |
| Verlag |
Kiwi |
| Seiten |
187 |
| Bewertung |
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52 Wochenenden mit Jens Friebe. Das klingt nach Exzess, durchfeierten Nächten, exotischen Mixgetränken und tiefenpsychologischen Gesprächen mit wildfremden Menschen bis zum Morgengrauen an der Theke des Darkroom. Stattdessen bekommt der Leser: Weihnachten in Lüdenscheid, endlose Bahnfahrten, Preisverleihungen in Neumünster und Geile Emma (Sommerbowle). Immerhin ist zwischendurch mal ein Kurztrip nach Tokio mit Friebes Schwester drin. Wer jetzt enttäuscht ist, ist selbst Schuld und kennt den Songwriter und Musiker Jens Friebe nicht von seinen wortflinken journalistischen Tätigkeiten für u.a. Intro oder Taz, für die er zuvor schon in der Kolumne Ausgehen und Rumstehen das Berliner Nachtleben durchleuchtete.
Die Geschehnisse (Record-Release-Partys, Auftritte als Gastmusiker, Vorglühen im Freundeskreis) über die der Autor jeden Dienstag auf der gleichnamigen Website bloggte, sind hierbei nur äußerer Anlass für … ja für was eigentlich genau? Für eine Ansammlung autobiographischer Miniaturen, deren Personal natürlich nur rein zufällig Ähnlichkeit mit lebenden Personen aus dem Umfeld Friebe hat? Oder für einen geschickt lancierten PR-Coup, um den jungen Songwriter-Barden bis zur nächsten Platte (die übrigens im Herbst erscheint und den schönen Titel Das mit dem Auto ist egal, Hauptsache dir ist nichts passiert trägt — soviel Crossmarketing muss sein) unverhohlen im Gespräch zu halten? Wohl beides. Für die einen sind Friebes Texte zum Durchmachen leeres Geplänkel, für die anderen jedoch Sternstunden der Bedeutungslosigkeit. Für mich hingegen ist die Textsammlung ein Adventskalender mit 52 Türchen, hinter denen sich abwechselnd langweilige Vollmilchschokolade oder eine hübsch verzierte Praline mit ganz viel Zuckerglasur befindet. Wie diese von Friebes Kuh-Erlebnis, in der der Autor Plateauschuhe als optimale Wanderschuhe für sich entdeckt und endlich einmal mit dem Mythos der ausgedehnten Spaziergänge in der freien Natur aufräumt.
Als zusätzlicher Kaufanreiz kommt Friebes literarisches Debüt übrigens noch mit einem Vorwort von Dietmar Dath und einer amüsanten Gastkolumne von Intro-Kollege Linus Volkmann daher. Die digitale Boheme kann auf das Werk auch weiterhin kostenlos im Netz zugreifen. Es sei jedoch angemerkt, dass die Texte in Buchform einer radikalen Schönheitskorrektur vom Autor höchstpersönlich unterzogen wurden („Vor allem die schlechten Texte sind besser geworden.“)
Fazit: Gut so.
Katja Peglow
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