JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
Jeniferever  - Spring Tides

Für danach.

Band Jeniferever
Album Spring Tides
Plattenfirma Monotreme Records / Cargo
Bewertung 6 von 9 Punkten

Nach: dem Sommer. Der Liebe. Dem besten Augenblick eines Lebens. Dem Zorn. Der Enttäuschung. Dem Rausch. Danach ist der Zeitpunkt, um den es hier geht. Wenn alles schon passiert ist. Wenn sich alles geändert hat. Wenn in nur einer Sekunde geahnt wird, für was es sich lohnen könnte zu kämpfen.

Danach: Träge im Gras liegen. Sonnenstrahlen zerfließen in unzählige Lichtreflexe. Wellen brechen sich am Ufer. Eine Hand gleitet aus der eigenen, ein Schatten verschwindet in der Dunkelheit, ein Ära vergeht. Erinnerungen wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht um den Hals gelegt. Gesichter blitzen auf und verschwinden sofort wieder, Fetzen geführter Gespräche rauschen in den Ohren, alles, was jetzt ist, ist Gedächtnis. Was das mit Jeniferever zu tun hat? Jeniferever sind dieses Gefühl, sind dieser Augenblick, in dem man rekapituliert, was geschehen ist, vielleicht sogar mit einem selbst, wenn noch nicht deutlich scheint, was es für Folgen haben wird, ob es Folgen geben wird, wenn die Gegenwart die Erinnerung an die Vergangenheit ist

Das ist entfernt mit Postrock verwandt, auch wenn es hier nur selten Ausbrüche gibt, wenige Wechsel zwischen laut/leise, kaum ein allmähliches Anschwellen von Musik, die sich zu etwas anderem verwandeln möchte. Hier ist die Stimme von Kristofer Jönson, die beruhigt und bedauert und klagt und tröst. Mit Worten wie „Two summers passed / but the winters didn't“. Die feststellen, aber nicht werten. Ein gleichförmiges Netz aus Klängen werfen diese vier Schweden über den im Gras Liegenden, an einigen Stellen zu uniform, zu unaufgeregt, zu sehr in einer Tonlage verhaftet, das auf Libes Apart auch aufgrund der eingesetzten Synthesizer zu flau klingt, als das es sich nicht sofort verflüchtigen würde in der Fülle all der Eindrücke und Gedanken, die man mit sich trägt.

Vollkommen anders das dramatische Ring out the grief oder St. Gallen, in dem aus einem einfachen, ruhigen Motiv eine neue Welt erwächst. Über allem allerdings strahlt Green Meadow Island, das vom NME zur „Single der Woche“ gekürt wurde. Ein sanftes Monster, zaghaft fordernd zu Beginn, bis es schließlich mit aller Kraft explodiert und damit das einzige Stück auf Sping Tides ist, das von dem Moment erzählt, der alles danach verändern wird.

Danach: ist davor. Vor dem nächsten großen Schritt, mit dem Jeniferever mehr zulassen werden als nur der Moment danach zu sein.

Fazit: Nur ein Stück unter fünf Minuten. Wer hier Postrock sagt, meint Schweden und ist von solcher Sehnsucht durchdrungen, dass er zu überwältigt ist, um sich schneller als im Zeitlupentempo zu bewegen.

Stefan Petermann



XML (RSS/RDF)