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Interview mit Tine Wittler Zuhause

„Die Leute wollen etwas Kuscheliges.“

Wenn sie mit ihren Musterbüchern anrückt, gehört selbst die piefigste Studentenbude bald der Vergangenheit an. Einsatz in vier Wänden wurde mit Tine Wittler zur erfolgreichsten Einrichtungs-Show, seit es IKEA gibt. Linda erzählte sie von ihrem Verständnis von Zuhause, ihrer Musikauswahl beim Putzen und was sie in einer Wohnung bitte nie wieder sehen will.

Sie haben Kommunikations- und Kulturwissenschaften studiert und sind zu Beginn als Autorin (Parallelwelt, Die Prinzessin und der Horst) aufgefallen. Wie kommt man dann darauf, eine Einrichtungs-Show zu moderieren?

Eigentlich war ich im „Erstberuf“ TV-Redakteurin, von daher war mir das Geschäft ja nicht fremd. Bei BRAVO-TV war ich verantwortlich für einen Teil der Sendung, der dem späteren Einsatz in vier Wänden nicht unähnlich war: Es ging darum, Jugendlichen mit wenig Budget bei der Verschönerung ihres Zimmers zu helfen. Da war ich dann Einkäuferin, Handwerkerin, Redakteurin in einer Person — und irgendwann, mehr aus einer Notsituation heraus, dann auch Moderatorin. Dann kam RTL und hat mich für Einsatz in vier Wänden gecastet — et voilà!

Sind Sie zuerst skeptisch an Ihre Aufgabe herangegangen? Das war ja etwas völlig anderes als das, was Sie eigentlich vorher gemacht haben.

Ja, ein wenig skeptisch war ich anfangs schon — schließlich sah ich meine mir angestammte Position eigentlich hinter der Kamera und nicht davor. Aber das Ganze wurde dann sehr schnell sehr stressig, sodass zum Nachdenken und Grübeln kaum noch Zeit blieb. Und ruckzuck hatte man dann schon Routine.

Nach welchen Kriterien werden die Bewerber für die Wohnungs-Umgestaltung ausgewählt?

Wir legen Wert darauf, dass unsere Kandidaten nicht unbedingt so wohlhabend sind, dass sie sich sowieso eine professionelle Wohnberatung leisten könnten. Außerdem dürfen sie natürlich keine Scheu vor der Kamera haben — und sie brauchen ein echtes „Wohnproblem“. Das Zimmer oder das Haus, um das es geht, muss bereits bewohnt sein — wir begleiten zum Beispiel keine Umzüge oder Neubauten.

Welche Rolle spielen Sie bei Einsatz in vier Wänden, welche Ihre Mitarbeiter?

Ich bin als Moderatorin der Sendung dafür verantwortlich, dem Ganzen einen Rahmen zu geben, den Kontakt zu den Kandidaten vor der Kamera herzustellen und die Handwerker zu briefen. Die Vorarbeiten sowie die genauen Planungsarbeiten werden von einem Architektenteam übernommen.

Punkto Inneneinrichtung: Was geht gar nicht? Chrom? Plüsch? Lassen Sie sich aus!

Persönlich grusele ich mich vor riesigen dunklen Schrankwänden, Kachelcouchtischen, zu viel Nippes in zu kleinen Zimmern und zu klobigen, wild gemusterten Sitzgarnituren. Aber die Schmerzgrenze ist hier natürlich bei jedem unterschiedlich.

Was war das Furchtbarste, was Sie im Rahmen Ihrer Sendung in einer Wohnung vorgefunden haben?

Schlimm wird es immer dann, wenn es sehr schmutzig und ungepflegt ist. Aber das kommt zum Glück nur noch selten vor.

Sie haben für Einsatz in vier Wänden den deutschen Fernsehpreis bekommen. Waren Sie überrascht und wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Nicht nur ich war überrascht, sondern das ganze Team! Es ist sehr ungewöhnlich, nach nur einem knappen Jahr auf Sendung bereits eine solche Auszeichnung zu erhalten. Ich denke, der Erfolg ist eine Mischung aus unterschiedlichen Faktoren — der Nutzwert der Sendung ist hoch, gleichzeitig ist sie unterhaltsam und humorvoll gemacht. Das honorieren die Zuschauer.

Wäre die Sendung vor 15 Jahren auch so erfolgreich gewesen?

Vielleicht. In Großbritannien zum Beispiel laufen solche Wohnformate seit über einem Jahrzehnt extrem erfolgreich. Aber im Moment sind die Voraussetzungen für den Erfolg einer solchen Sendung besonders gut.

Liegt es vielleicht daran, dass sich heute mehr Leute danach sehnen, sich ein „Nest“ zu schaffen, in das man sich zurückziehen kann?

Ja. Das ist ja genau das, was passiert, wenn es draußen unwirtlich und unsicher zugeht: Dann sehnen die Menschen sich nach etwas Kuscheligem, Verlässlichen, das ihnen Halt gibt. Und wir geben vielen Menschen Tipps, wie sie sich auch für wenig Geld ein schönes Heim schaffen können. Das kommt gerade jetzt, wo das Geld in vielen Haushalten knapp ist, sehr gut an.

Was verstehen Sie unter „Zuhause“?

Ein Zuhause zu haben ist mir extrem wichtig. Früher war ich gern auf Reisen, mittlerweile bin ich lieber zuhaus. Wahrscheinlich, weil ich aufgrund der Sendung so viel unterwegs bin! Ich grabe mich gern daheim ein, wenn es möglich ist, und verlasse dann das Haus nur selten.

Was brauchen Sie, um sich Zuhause zu fühlen?

Meine eigenen Möbel, meine eigene Ordnung und meine Katze um mich herum.

Wie sieht es bei Ihnen in der Wohnung aus?

In der unteren Etage weitläufig und hell — ideal zum Arbeiten und Konzentrieren; in der oberen Etage kuschelig und klein — ideal zum Relaxen. Ich habe viele Möbel von der Stange, die ich individuell verändert habe, und dazwischen ein paar wertvollere Einzelstücke. Die Grundfarben sind eher ruhig, als Kontrast dazu die Accessoires knallig bunt.

Sie betreiben neben Ihrer Sendung noch eine Bar in Hamburg, die Parallelwelt. Brauchen Sie diese Parallelwelt manchmal als Ausgleich?

Ja, meine kleine Bar ist ein ganz wichtiger Ausgleich für mich! Da treffe ich Freunde, nehme meinen Feierabenddrink, und besonders nach Reisen ist es toll, als erstes dort aufzuschlagen, wo ich zu jeder Zeit jemanden treffe, den ich kenne. Auch die Arbeit dort erdet mich sehr. Ab und zu stehe ich selbst hinter dem Tresen. Der Rollentausch macht mir viel Spaß. Dann bin ich mit Leib und Seele Wirtin und Gastgeberin!

Stimmt es, dass Sie in dieser Bar auch die Platten auflegen? Was wird da gespielt?

Je nach Lust und Laune — mein Geschmack ist über die Jahre extrem vielfältig geworden. Vielleicht gibt es schweren Hiphop, vielleicht Chansons, vielleicht Independent aus den Achtzigern — am besten aber alles wild durcheinander gewürfelt. Wir haben da überhaupt keine Berührungsängste. Neulich zum Beispiel haben wir in der Parallelwelt den Karnevalsstart gefeiert — und die ganze Nacht zu Kölschen Liedern gesungen und getanzt.

Und welche Musik hören Sie, wenn Sie in Ihrer eigenen Wohnung „klar Schiff“ machen?

Auf jeden Fall etwas Aggressives mit viel Beat — die Beastie Boys vielleicht oder etwas Rockiges wie AC/DC. Putzen geht am besten mit viel Power und Krach!






Linda Wilken



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