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Interview mit Frank Feldmeier (Mallorca-Zeitung) Zuhause

„Die Engländer haben einen schlechteren Ruf.“

Wer als Deutscher nach Mallorca kommt, muss natürlich auf die gewohnten Zeitungen von BILD bis Süddeutsche nicht verzichten. Wer aber über die Insel und nicht über sein Heimatland informiert werden möchte, der dürfte sich ohne Spanischkenntnisse ziemlich hilflos fühlen. Das stimmt nicht so ganz, denn die wöchentlich erscheinende Mallorca-Zeitung hat ihre Redaktion auf Deutschlands beliebtester Ferieninsel und erscheint auf Deutsch. Sebastian sprach mit Frank Feldmeier, Redakteur der Zeitung, über deutsche Touristen, Jürgen Drews und Immobilienmakler.

Die erste Frage muss natürlich dem Ballermann gelten. Man liest ja immer wieder, dass es am Ballermann mittlerweile ziemlich ruhig geworden ist. Haben Sie diese Entwicklung des Ballermanns mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen? Und ist da wirklich nichts mehr los?

Am Ballermann ist noch immer etwas los, sogar jetzt im Winter. Im Winter machen deutsche Senioren dort Urlaub. Sie gehen aber nicht auf die Piste, sondern machen Morgengymnastik und gehen wandern. Wenn an Ostern die Saison beginnt, füllen sich auch wieder die Lokale in der berüchtigten Schinken- und Bierstraße. Es ist immer noch jede Menge los, aber Sangria aus Eimern sieht man seltener.

Ebenfalls liest man auf Mallorca auch immer wieder von den „anderen Ecken“, also der Kultur Mallorcas, eben nicht diese Betonburgen usw. Aber mal Hand aufs Herz: Die meisten Deutschen sind doch sicher nicht wegen der Kultur auf Mallorca, oder?

In reinen Zahlen sind sicherlich die Ballermann-Touristen am stärksten vertreten, aber andere Tourismussparten werden immer wichtiger für die Insel: Die Wandertouristen, die Radtouristen, die Golfer, die Yachtbesitzer, die Kreuzfahrer, die auf Landausflug gehen, und auch etwa Tagungsgäste werden immer wichtiger. Der Tourismus wird immer vielfältiger, Mallorca bietet für jeden etwas, und das ist auch das Spannende für einen Journalisten auf Mallorca.

Wie beliebt sind deutsche Touristen auf Mallorca?

Das Image der Deutschen ist am schlechtesten bei den Deutschen selbst. Und die Engländer haben einen bei weitem schlechteren Ruf. Aber keine Frage, es gibt immer welche, die negativ auffallen.

Nun gibt es ja auch den dauerhaft (oder mehrere Monate im Jahr) sesshaften Deutschen auf Mallorca. Was unterscheidet diesen vom „normalen“ Deutschen in Deutschland?

Die Auswanderer sind keine homogene Gruppe, zunächst kamen sicherlich vor allem Rentner, in den vergangenen Jahren vermehrt auch Arbeitstätige wegen der wirtschaftlichen Situation in Deutschland.

Stimmt das Klischee, dass sich auf Mallorca, was Deutsche betrifft, nur Rentner und Immobilienmakler niederlassen?

Rentner sind sicherlich stärker vertreten, aber laut Statistiken sind Arbeitstätige unter den Deutschen immer stärker vertreten. Es gibt hier einige deutsche Immobilienhändler, die auch nicht über wenig Einfluss verfügen, aber ansonsten gibt es auch viele Berufstätige im Tourismus, in der Dienstleistung, und es lassen sich auch viele Reiche und Schöne nieder.

Welche Bindung hat der auf Mallorca sesshafte Deutsche noch zu Deutschland? Hat er ihm den Rücken zugekehrt?

Es gibt von allem etwas: Deutsche die vor 30 Jahren auf die Insel kamen, eine Mallorquinerin heirateten und die Insel als ihre Heimat ansehen. Andere Deutsche arbeiten in einer deutschen Firma, haben eine deutsche Frau, lesen die Bildzeitung, sehen deutsches Satellitenfernsehen und sprechen kein Wort spanisch, geschweige denn katalanisch.

Nun zur Mallorca-Zeitung (MZ). Wer liest die MZ? Deutsche Touristen? Deutsche Auswanderer? Deutsche in Deutschland? Oder anders gefragt: Für wen wurde die MZ ins Leben gerufen?

Die Residenten sind sicherlich in der Mehrheit (Ihre Zahl wird auf 50.000 geschätzt), aber auch Touristen, die die Insel verstehen wollen, finden darin spannende Geschichten und Service-Informationen. In Deutschland ist die Zeitung auch zu kaufen oder zu abonnieren, aber dieser Markt spielt eine untergeordnete Rolle.

Was unterscheidet die MZ von anderen Zeitungen mit Sitz auf Mallorca, abgesehen von der Sprache?

Die MZ ist eine Wochenzeitung. Wir wollen einordnen, erzählen, analysieren. Wir liefern Hintergrundinformationen. Der spanische Journalismus ist zudem sehr viel anders als der deutsche, echte Reportagen sind dort selten zu lesen.

Inwiefern spielt Deutschland, inwiefern spielen Deutsche eine besondere Rolle in der Berichterstattung der MZ?

Betroffenheit ist einer der sogenannten Nachrichtenfaktoren, die Kommunikationswissenschaftler immer wieder für die Erklärung der Nachrichtenauswahl heranziehen. Bei uns spielt es sicherlich eine wichtige Rolle bei vielen Artikeln, dass Deutsche in irgendeiner Form betroffen sind. Die Leser stehen schließlich im Mittelpunkt. Wir berichten aber auch oft aus der rein spanischen Welt.

Inwiefern will die MZ Deutschen auch ein Stück Zuhause sein?

Das kommt darauf an, wo Deutsche ihr Zuhause haben. Wir berichten nicht aus Deutschland, sondern von der Insel und aus Spanien. Stammleser können sich sicherlich mit unserer Zeitung identifizieren und fühlen sich darin zuhause.

Deutsche sind ja trotz allen scherzhaften Geredes vom 17. Bundesland usw. eine, wenn auch große, Minderheit auf Mallorca. Sie geben dieser Minderheit ja quasi eine Stimme, wie beugen Sie da der Gefahr vor, dass Sie sozusagen zum Verteidigungsorgan/Anwalt der Deutschen auf Mallorca werden?

Wenn Deutsche Opfer von Behörden oder Schicksalsschlägen werden, sind wir deren Anwalt, und ich freue mich über jede Anregung von Lesern. Wenn jemand Ärger mit der Telefonica hat und wochenlang keinen Anschluss bekommt, haken wir natürlich nach. Ansonsten gilt: alle Seiten hören und den Leser urteilen lassen.

Fühlt sich die MZ eher den deutschen Zeitungen oder den spanischen zugehörig?

Wir sind eine deutsche Zeitung in Spanien, die ein spanischer Verlag herausgibt.

Eine letzte Frage: Hat Jürgen Drews je Ihre Redaktion betreten?

Nein, aber vor einigen Wochen bin ich beim Halbmarathon in Palma gestartet, wo auch Jürgen Drews lief. Da bin ich dann ein paar Meter neben ihm gelaufen. Ansonsten hat ihn ab und zu ein Kollege am Telefon, aber es gibt so viele andere spannende Geschichten auf der Insel.

Sebastian Dalkowski


Kommentare



renitenter Resident schrieb am 10.11.2008 um 09:54 Uhr:

na doll — was aus der ehemaligen „Putzfrauen-Insel“ geworden ist — und vor allem warum — weiß das einer ?


Pete Townsend schrieb am 01.12.2005 um 12:29 Uhr:

Ein gewiefter Trick des Journalisten, durch die Hintertüre herauszustellen, dass der arglose Redakteur der MZ kein Basiswissen über Deutschland mehr hat. Schließlich ist uns doch allen klar, dass Mallorca sich höchstens als 17. Bundesland qualifizieren könnte, es sei denn, wir würden vor noch eins abgeben…

Antwort von Sebastian (Redaktion) am 01.12.2005 um 16:43 Uhr:

ähem *hüstel*, ich habe das mal korrigiert.


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