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Ich und Ich. Allein (Foto: Christian Meesters)

Ich und Ich.

Manchmal ist man selbst sein bester Begleiter.

Was denken die meisten Menschen eigentlich über das Alleine-Ausgehen? Es ist langweilig, man fühlt sich wie ein Verlierer und wünscht sich schnellstens auf seine Couch zurück. Doch mit dieser Meinung wird jetzt aufgeräumt. Einsamkeit muss nicht die schlechteste Lösung sein. Denn was ist schlimmer, als alleine keinen Spaß zu haben? Richtig! Zu zweit keinen Spaß zu haben.

Party
Endlich! Die ganze Woche hatte man seine nervigen Arbeitskollegen an der Backe. Was will man dann am Samstagabend am allerwenigsten? Nervige Freunde an der Backe haben. Der Besuch in der Disco ist doch viel lustiger, wenn man sich auf der Tanzfläche nicht ständig mit der viel hübscheren besten Freundin/ dem viel cooleren besten Freund vergleichen muss. Ohne lästigen Partner fällt es auch viel leichter, das Frischfleisch an der Theke abzuchecken. Das Alleinsein weckt Mitleid beim anderen Geschlecht und verleiht die sexy Ausstrahlung eines einsam umherstreifenden Wolfes. Gibt man sich dann mit Tequila die Kante und benimmt sich daneben, kann es niemand weitererzählen, weil man ja niemanden hat, der einen kennt. Und wie man sturzbesoffen unbeschadet nach Hause kommt, ach, das ergibt sich schon irgendwie.

Kino
Was gibt es Schöneres als eine Riesenportion Popcorn? Nur für sich ganz alleine. Doch schon beim Vorspann fühlt man die Hand seines Sitznachbarn ungeniert in der Tüte herumwühlen. Hoffentlich hat der nach dem Toilettengang vor zwei Minuten noch Seife benutzt. Doch das hat anscheinend nicht gereicht. Die Begleitung leidet an Blasenschwäche und so kommt es, dass sie während des Films insgesamt viermal aufsteht und unter den Flüchen des halben Kinos auf die Toilette verschwindet. Das nächste Mal sitzt die aber am Rand. Oder bleibt ganz zu Hause. Über die unlustigsten Sachen wird gelacht, und das viel zu laut. In den wichtigsten und bewegendsten Szenen, die über die gesamte Handlung entscheiden, wird gequatscht. Man geht doch gerade darum ins Kino, um einmal nicht zu reden, Interesse oder Belustigung heucheln zu müssen. Aber das hat diese Person wohl nicht begriffen.

Konzert
Es ist sowieso viel zu voll und stickig hier. Warum also noch eine weitere Person mitschleppen? Doch man hat sich wieder breitschlagen lassen, steht nun neben dieser Person, die verschwitzten Arme kleben aneinander und gerade beim Hüpfen ist die einem doch tatsächlich auf die Füße gehüpft! Man selbst hüpft natürlich nicht, denn das ist albern. Überhaupt ist das alles peinlich, ihr Verhalten, ihre Klamotten. Und ständig muss man gucken, dass man die Person im Getümmel nicht verliert. Sie hat schließlich das Auto, mit dem man nachher noch nach Hause kommt. An der Band hat sie auch immer was auszusetzen und gibt an den leisen Stellen unpassende Kommentare ab. („Der Sänger ist potthässlich.“ „Laaaangweilig.“) Nie wieder!

Freibad
Auf der Liegewiese herrscht wie immer die reinste Fleischbeschau. Einem selbst ist das egal, aber die Person neben einem zupft ständig an ihrem Bikini in Größe 36 und mäkelt rum. („Oh Mann, ich hab im Winter echt zugelegt. Voll peinlich, wie fett ich geworden bin.“) Sie geht natürlich nicht ins Wasser, sondern rekelt sich verführerisch in der Sonne. Irgendwann bittet sie einen, ihr doch mal eben den Rücken einzureiben. Oder sie ist besonders aufdringlich und fragt einen gut aussehenden fremden Liegenachbarn danach, das zu übernehmen. Man selbst wünscht sich dann vor Scham auf den Grund des Schwimmbeckens und möchte am liebsten solange nicht mehr auftauchen, bis der Sommer vorbei ist und alle wieder Rollkragenpulli tragen.

Linda Wilken



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